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Juni 2010
HIV - Alles über HIV-Neudiagnosen und Schutzverhalten 2009
Sowohl die Ergebnisse der Repräsentativerhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) "Aids im öffentlichen Bewusstsein 2009" als auch die des Aids-Jahresberichts des Robert Koch-Instituts (RKI) liegen vor. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Einstellung zur Kondomnutzung und das Schutzverhalten selbst weiter positiv entwickelt. Die Zahl der HIV-Neudiagnosen ist jedoch, wenn auch nur minimal, gestiegen.
Kondome erfreuen sich größerer Akzeptanz
Die Umfrageergebnisse des BZgA zeigen: Kondome werden in der Bevölkerung offenbar zunehmend genutzt und akzeptiert. Und zwar nicht nur von jungen Menschen, sondern gleichermaßen auch von den älteren. Besonders zu Beginn neuer Beziehungen schützen sich immer mehr 16-bis 44-jährige mittels Gummi. In Zahlen: Waren es vor fünf Jahren noch 74 Prozent, nutzten 2009 schon 86 Prozent derer, die in den letzten 12 Monaten eine neue Partnerschaft begonnen hatten, Kondome.
Auch das Schutzverhalten der 16- bis 20-jährigen ist positiv. Immerhin 83 Prozent derjenigen mit sexuellen Erfahrungen besitzen Kondome und vertrauen auf deren Schutz. 90 Prozent dieser Altersgruppe haben kein Problem damit, den Gebrauch des Kondoms in sexuellen Beziehungen aktiv einzufordern.
Über den aktuellen Trend freut sich auch die Deutsche Latex-Forschungsgemeinschaft Kondome e. V.: Mit 215 Millionen verkaufter Kondome im Jahr 2009 erreichte der Absatz den gleichen Spitzenwert wie ein Jahr zuvor.
Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, führt diese Entwicklung maßgeblich auf die intensive Aidspräventionsarbeit im vergangenen Jahr zurück.
HIV-Neuinfektionen auf gleich hohem Niveau
Die Zahl der HIV-Neudiagnosen im Jahr 2009 ist ungefähr genauso hoch wie ein Jahr zuvor. Dies belegen die Daten des Robert-Koch-Instituts. 2008 wurden 2843 neue HIV-Infektionen gemeldet, 2009 waren es 2856. Seit 2001 ist die Zahl der registrierten HIV-Infektionen kontinuierlich gestiegen. Wie das RKI konstatiert, hat sich der Anstieg aber immerhin seit 2007 verlangsamt.
Juni 2010
Einladung zur Info-Veranstaltung am 16.6.2010
Gut versichert mit HIV. Geht das?
Private oder betriebliche Berufsunfähigkeitsversicherung, gesetzliche oder private Krankenversicherung, Lebensversicherung oder Reiseversicherung .....
Welche Möglichkeiten gibt es? Was macht Sinn? Welche Versicherung nimmt mich überhaupt?
Stefan Jäkel von Pluspunkt informiert zum Thema HIV und Versicherungen. Zeit für Fragen gibt es natürlich auch und im Anschluss an die Veranstaltung wird ein kleiner Imbiss gereicht.
Wann?
16.6.2010
Beginn: 19.00 Uhr
Wo?
Friedrichstr. 113 a, 1. OG
10117 Berlin
(direkt neben der BerlinApotheke Oranienburger Tor)
Aufgrund begrenzter Platzkapazitäten bitten wir um telefonische oder persönliche Voranmeldung bis 9.6.2010 in der BerlinApotheke Oranienburger Tor. Oder schicken Sie einfach eine Mail an: m.philipp@berlinapotheke.de
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Mai 2010
HIV - Computerprogramm verbessert die Diagnose
Am Zentrum für Medizinische Biotechnologie der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben Bioinformatiker ein interessantes neues Programm entwickelt. Es soll zur besseren Diagnose unterschiedlicher HIV-Varianten eingesetzt werden. Denn nur wenn diese bekannt ist, kann der Patient gezielt und effektiv behandelt werden.
Medikamente verhindern das Andocken des HI-Virus
Um eine gesunde Zelle zu infizieren, heftet sich das Hi-Virus an bestimmte Rezeptoren und Korezeptoren der Wirtszelle. An welche, hängt davon ab, ob der Patient die HIV-Variante R5 oder X4 im Körper hat. Seit einiger Zeit gibt es ein Medikament, das das Andocken des HI-Virus an die Wirtszelle verhindert. Allerdings gibt es hier ein Problem: Das Medikament ist nur für die R5-Variante wirksam, deren Bestimmung bisher sehr langwierig und aufwändig war. Heißt: Bis der Patient behandelt werden kann, vergeht viel - unter Umständen kostbare – Zeit und der Test ist teuer.
Computerprogramm erkennt, an welche HIV-Variante das Virus bindet
Hier kommt das neuentwickelte Programm ins Spiel: Es sagt schnell und mit über 95prozentiger Genauigkeit voraus, welche Korezeptoren ein Virus bevorzugt, um neue Zellen zu infizieren. Anders ausgedrückt: Mithilfe des neuen Programms können die HIV-Varianten in kurzer Zeit leicht voneinander unterschieden werden. Dazu verarbeitet das automatisierte zweistufige Computerprogramm Struktur- und Sequenzdaten vor allem des Glykoproteins gp 120, ein Eiweiß, das sich auf der Oberfläche des HI-Virus befindet.
Grundlage für schnelle genetische Tests
"Mit Hilfe unserer Erkenntnisse könnten nun schnelle genetische Tests entwickelt werden, die eine zuverlässige und kostengünstige Aussage über die vorhandenen Virusvarianten eines Patienten ermöglichen", so der Bioinformatiker und Mitentwickler des Programms, Nikolaj Dybowski. "Somit könnten die Ärzte besser als bisher eine passgenaue Medikation für jeden einzelnen Patienten verordnen."
März 2010
HIV - Heilung durch Intensivtherapie
Die Münchner HIV-Spezialisten Dr. Johannes Bogner und Dr. Hans Jäger haben Großes vor. Sie hoffen, dass eine Kombinationstherapie aus fünf verschiedenen HIV-Medikamenten, die über sieben Jahre verabreicht werden, eine vollständige Heilung der HIV-Infektion bewirkt. Der Testlauf hat bereits Mitte 2009 begonnen. Im November 2016 sollen die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen. Dann wissen wir mehr.
Ziel der Studie: Am Ende der Behandlung soll das Virus nicht mehr nachweisbar, nicht mehr aktivierbar und auch nicht mehr replikationsfähig sein. Im Klartext: Infizierte Zellen werden durch die Behandlung vom HI-Virus befreit, so dass der Körper schließlich virenfrei ist und keine Medikamente mehr notwendig sind.
Die Studie
An der "New-Era"-Studie nehmen 40 HIV-Patienten teil; die eine Hälfte mit akuter, die andere Hälfte mit chronischer HIV-Infektion. Alle Teilnehmer sind über 18 Jahre alt und ihre CD4-Zellzahl pro Mikroliter Blut liegt über 200. Während der siebenjährigen Behandlung erhalten die Probanden eine Kombinationstherapie aus fünf verschiedenen HIV-Medikamenten, von denen drei schon länger im Einsatz sind: Zwei NRTIs (nukleosidale Reverse-Transkriptasehemmer) und ein PI (Proteasehemmer). Beide Wirkstoffe hemmen den Vermehrungszyklus des HI-Virus in der Zelle. Zusätzlich nehmen die Studienteilnehmer zwei neuere Medikamente ein: Maraviroc, das das Eindringen des Virus in die CD4-Zellen verhindert und Raltegravir, das den Einbau der viralen Erbsubstanz in das Genom der Wirtszelle unterbindet.
Bisher haben die Patienten die Behandlung offenbar gut vertragen.
Februar 2010
HIV - Norvir® ab April 2010 als Tablette
Eine gute Nachricht nicht nur für Reisefreunde: Ab April 2010 wird es das HIV-Medikament Norvir® als Tablette geben. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Weichkapseln muss bei den Tabletten nicht mehr auf die Lagertemperatur geachtet werden.
Die Norvir®-Tabletten dürfen nicht kombiniert mit den Weichkapseln eingenommen werden. Darüber hinaus ändert sich nichts. Als Lösung zur Anwendung bei Kindern und Patienten mit Schluckbeschwerden ist Norvir® auch weiterhin erhältlich.
Februar 2010
HIV: Surfen gegen HIV
Dem Virus selbst mit einem Impfstoff beizukommen, scheint zwecklos. Jetzt haben Forscher einen Weg gefunden, den Transport des Virus in die Zelle zu verhindern.
Immer wieder hat die Forschung versucht Mittel und Wege zu finden, das HI-Virus selbst anzugreifen, um dessen Ausbreitung zu verhindern. Allerdings mit wenig Erfolg. Denn zum einen gibt es unglaublich viele verschiedene HIV-Varianten, zum anderen verändert sich das Virus ständig und passt sich rasant den Reaktionen des menschlichen Immunsystems an. Dazu kommt: Das Virus hat sich im Laufe der Zeit einen stabilen Schutzpanzer aus Zuckermolekülen zugelegt, an dem die körpereigenen Abwehrzellen und Impfstoff-Antigene einfach abperlen.
Neues Angriffsziel: das HIV-Transportmittel
Andere Forschungsansätze richten sich daher nicht gegen das Virus selbst, sondern versuchen, den Übertragungsweg in die Zelle zu blockieren. Ein Wissenschaftlerteam des Gladstone Institutes hat nun einen Wirkstoff entdeckt, der die Infektionskraft des HI-Virus schwächt, indem es dessen Transport stört.
Das Transportmittel heißt SEVI (Semen-derived Enhancer of Viral Infection), ist ein Bestandteil im Sperma und erleichtert dem HI-Virus auch das Andocken an die Zielzellen. Das Kombisystem von SEVI und HIV ist äußerst effektiv, denn in Anwesenheit von SEVI sind 1000-fach weniger HI-Viren nötig, um Zellen zu infizieren.
Mit Surfen bleibt HIV auf der Strecke
Der neuentdeckte Wirkstoff trägt den sportlichen Namen „Surfen“ und hat gleich zwei positive Eigenschaften: Er verhindert, dass sich HI-Viren an SEVI binden und dass sie an der Zielzelle andocken. Surfen schwächt also die Aktivität von SEVI und verringert die Ansteckungskraft von HIV schon beim Geschlechtsverkehr. Für die Zukunft wäre es also denkbar, Surfen in Vaginalgels einzubringen.
Allerdings befindet sich der Wirkstoff noch in der Entwicklung. Bis zur Marktreife wird es wohl noch eine Weile dauern.
Januar 2010
HIV - Einreiseverbot für HIV-Infizierte aufgehoben
Barack Obama hat die Tore der USA für Menschen mit HIV wieder geöffnet.
Gleich zu Beginn des neuen Jahres eine richtig gute Nachricht: Präsident Obama hat seiner Ankündigung vom Oktober 2009 Taten folgen lassen und das Einreise- und Einwanderungsverbot für HIV-Positive aufgehoben.
Das Einreiseverbot war 1987 ausgesprochen worden aus Angst vor der Ausbreitung von Aids.
Nun kann auch die Weltaidskonferenz 2012 wie geplant in den USA stattfinden.
Dezember 2009
HIV - WHO rät vom Aids-Medikament Zerit ab
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat vom Einsatz des HIV-Medikaments Zerit (Stavudin) des US-Herstellers Bristol-Myers Squibb abgeraten. Der Grund: Die Einnahme des Wirkstoffs Stavudin, ein sogenannter nukleosidischer Reverse-Transkriptase-Hemmer, führt zu irreversiblen Nebenwirkungen. Dazu gehören Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schmerzen in Händen oder Füßen und die Umverteilung des Fettgewebes, medizinisch Lipodystrophie genannt.
Wegen geringer Kosten und guter Verfügbarkeit wird das Medikament vor allem in Entwicklungsländern als "Mittel erster Wahl" verwendet. Weltweit nehmen nach Angaben der WHO die Hälfte aller HIV-positiven Menschen, die mit antiretroviralen Medikamenten behandelt werden, Kombinationen mit Stavudin ein. Die WHO empfiehlt, den Einsatz von Stavudin stufenweise einzustellen. Alternativ könnten Retrovir (Wirkstoff Zidovudin) der Pharmafirma GlaxoSmithKline und Viread (Tenofovir) eingenommen werden. Beide Medikamente sind ebenso wirksam aber haben weniger Nebenwirkungen.
Weitere Empfehlungen der WHO
Auch für den Zeitpunkt des Therapiebeginns gibt es eine Neuempfehlung. 2006 hieß es, die Behandlung von HIV sollte beginnen, sobald die CD4-Zellzahl unter 200 fällt. Die aktuelle Empfehlung rät zu einem Behandlungsbeginn schon bei einer CD4-Zahl von 350 unabhängig von Krankheitssymptomen. Die Empfehlung gilt für alle HIV-positiven Patienten, auch für schwangere Frauen, und fußt auf verschiedenen Untersuchungen, die ergeben haben, dass durch den früheren Behandlungsbeginn die Erkrankungs- und Sterberate deutlich sinkt.
Um die HIV-Übertragung von Mutter zu Kind zu verhindern, empfiehlt die WHO, die antiretrovirale Behandlung der Mutter in der 14. Schwangerschaftswoche zu beginnen und bis zum Ende der Stillzeit fortzuführen.
November 2009
HIV - Weltaidstag – die BerlinApotheke ist dabei
Wie schon in vergangenen Jahren steht der Weltaidstag auch diesmal unter dem Motto "Gemeinsam gegen Aids: Wir übernehmen Verantwortung für uns selbst und andere."
Auch die BerlinApotheke unterstützt den Weltaidstag. In allen BerlinApotheken erhalten Sie an diesem Tag gegen eine Spende für die Aidsorganisationen die Rote Schleife und Kondome.
Vergiss Aids nicht!
Mit Events, Aktionen, Berichten und Pressekonferenzen machen am 1. Dezember Aids-Organisationen und Promis weltweit deutlich: Aids ist immer noch ein aktuelles Thema. In Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen weiter gestiegen, im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent. Das heißt: Jeden Tag infizieren sich hierzulande 8 Personen neu mit HIV. Nach wie vor ist eine HIV-Infektion nicht heilbar und immer noch sterben viele Menschen an Aids. Der Schutz vor einer HIV-Infektion ist heute noch genauso wichtig wie vor 20 Jahren.
Werden auch Sie aktiv. Reden Sie über Aids. Zeigen Sie Ihre Solidarität mit HIV-Betroffenen und tragen Sie am 1. Dezember die Rote Schleife.
September 2009
HIV - Wie HIV die Abwehrzellen außer Gefecht setzt
Ein Virologen-Team des Universitätsklinikums Heidelberg ist dem Mechanismus, wie HIV die Immunabwehr zerstört ein ganzes Stück näher gekommen. An Zebrafisch-Embryonen konnten die Wissenschaftler beobachten, wie das sogenannte Nef-Protein für das Überleben des Virus sorgt. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift: "Cell Host & Microbe" veröffentlicht.
Das HIV-Protein Nef schützt das Virus vor der Zerstörung
Um sich auszubreiten, greift HIV die Immunzellen an, insbesondere die T-Helferzellen. Diese sind für die Abwehr feindlicher Zellen notwendig, aber auch für die Ausbildung von Antikörpern. Um Krankheitszellen abwehren zu können, müssen die Immunzellen beweglich sein und miteinander in Kontakt treten können. Das HI-Virus hat jedoch eine Strategie entwickelt, die Immunzellen zu lähmen und so die Feindabwehr zu unterbinden. Dazu nutzt das HI-Virus ein Protein namens Nef. Ohne Nef ist die Entwicklung von Aids deutlich verlangsamt oder sogar komplett gestoppt.
Wirkmechanismus von Nef durchschaut
In ihrer Studie untersuchten die Heidelberger Forscher die Zellwanderung bei Zebrafisch-Embryonen und stellten dabei fest, dass Nef die Beweglichkeit der Immunzellen lähmt. In weiterführenden Untersuchungen konnten sie auch klären, wie es dies tut: Für die Beweglichkeit der Zellen ist das Struktur-Protein Aktin verantwortlich. Nach der Zellbewegung muss Aktin wieder in seinen Ursprungszustand versetzt werden, damit es erneut einsatzfähig ist. Das Nef-Protein des HI-Virus bringt jedoch ein Enzym dazu, einen Regulator für die Wiederherstellung von Aktin zu blockieren. Die Reorganisation von Aktin wird so verhindert und folglich die Beweglichkeit der T-Helferzellen gehemmt. Auf diese Weise bringt das Nef-Protein die Immunabwehr zum Erliegen.
Dieser bisher unbekannte Krankheitsmechanismus von HIV liefert einen neuen Ansatz für die Entwicklung wirksamer Therapien gegen das Virus. So könnte Nef ein Ziel zukünftiger antiviraler Maßnahmen sein.
August 2009
HIV im Dialog 2009
Wann? Am 11. und 12. September 2009. Wo? Im Roten Rathaus.
Wann? Am 11. und 12. September 2009. Wo? Im Roten Rathaus.
Der Kongress wendet sich an Ärzte und Apotheker, HIV-Betroffene und Interessierte und steht unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit. Die Teilnahme ist kostenlos. Das breitgefächerte Programm sieht Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops vor, bei denen nicht nur die neuesten Forschungsergebnisse präsentiert werden. Neben medizinischen und psychologischen Aspekten wird der Umgang der Medien mit dem Thema HIV ausgeleuchtet, es geht um Prävention und Migration, um HIV und Arbeit und natürlich auch um das Thema Gesundheit. Das diesjährige Motto "PANISCHIVOLLEGAL" verkörpert das Spannungsfeld zwischen unangemessener Panik und unangebrachter Sorglosigkeit in dem sich das Leben mit HIV bewegt.
Für HIV-Patienten wird an beiden Veranstaltungstagen jeweils eine medizinische und eine psychiatrische bzw. psychotherapeutische Sprechstunde angeboten. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, die Sprechstunden sind offen. Außerdem können Schüler von Schülerzeitungen an einem redaktionellen Workshop teilnehmen.
HIV im Dialog ist eine von der Ärzte- sowie der Apothekenkammer Berlin zertifizierte Fortbildungsveranstaltung. Teilnehmende Ärzte und Apotheker erhalten bis zu 16 Punkte für die Fortbildung.
Eine Programmübersicht und mehr zur Veranstaltung finden Sie unter: www.hiv-im-dialog.de
August 2009
HIV - Verzögertes Auftreten von Aids bei Frauen
Die Zerstörung des Immunsystems nach einer HIV-Infektion verläuft bei verschiedenen Patienten unterschiedlich schnell. Ein internationales Forscherteam hat jetzt herausgefunden, woran das liegt: Ein genetischer Faktor des X-Chromosoms bremst den Krankheitsverlauf – aber nur bei Frauen.
Das HI-Virus infiziert und zerstört während seiner Vermehrung hauptsächlich die für die Immunabwehr wichtigen CD4-Zellen. In der Regel führt diese Zellzerstörung nach einigen Jahren zur Immunschwächeerkrankung Aids, der Ausbruch der Erkrankung kann sich aber auch um Jahrzehnte verzögern. Aus diesem Grund müssen einige HIV-Infizierte schon nach zwei, andere aber erst nach zehn Jahren antiretrovirale Medikamente einnehmen. Um zu klären, warum dies so ist, haben verschiedene deutsche Forschungseinrichtungen eng zusammengearbeitet - und schließlich eine interessante Entdeckung gemacht: Das Geschlechtschromosom X, von dem Frauen zwei, Männer aber nur eines besitzen, ist bei einigen Menschen verändert. HIV-infizierte Frauen, die diese Gen-Variante des X-Chromosoms aufweisen, erkranken wesentlich später an Aids als diejenigen ohne die genetische Veränderung. Die Immunzellen der Frauen mit dem veränderten Gen werden also langsamer zerstört. Bei Männern hat die Gen-Variante keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.
Die Forschung
Schon früher wurde vermutet, dass die unterschiedlich schnelle Zellzerstörung durch genetische Faktoren bestimmt sei. Und schon seit Längerem weiß man, dass bei manchen HIV-infizierten Frauen wesentlich weniger Viren und mehr überlebende CD4-Immunzellen vorhanden sind als bei anderen. Erst die gezielte Auswertung von Proben HIV-infizierter Rhesusaffen, die am Deutschen Primatenzentrum in Göttingen 15 Jahre lang gesammelt und charakterisiert worden sind, brachten jetzt Klarheit. Bei ihrer Suche im Erbgut dieser dem Menschen evolutionär eng verwandten Affen entdeckten die Forscher eine Gen-Variante des X-Chromosoms, die offenbar einen Einfluss auf die Geschwindigkeit des Krankheitsverlaufs hat. Daraufhin überprüften die Wissenschaftler ihren Befund auf eine Entsprechung bei HIV-infizierten Menschen.
"Mit der Zielvorgabe aus dem Tiermodell konnten wir tatsächlich eine vorteilhafte genetische Variante entdecken, die bei Frauen mit einem verlangsamten CD4-Zellverlust einhergeht", erklärt der Medizin-Statistiker und Populationsgenetiker Prof. Michael Krawczak der Universität zu Kiel.
Da die Gen-Variante bei Männern keine Veränderung des Krankheitsverlaufs bewirkt, vermuten Krawczak und seine Kollegen einen geschlechtsabhängigen Mechanismus.
Interessanterweise kommt die vorteilhafte Genveränderung in Asien wesentlich häufiger vor als in Europa oder Afrika. Während sie bei jeder zweiten Asiatin zu finden ist, weisen die bislang untersuchten HIV-infizierten Europäerinnen sie nur zu 20 % auf.
Aussichten
Für die Zukunft gilt nun zu untersuchen, wie die genetische Variante des X-Chromosoms den Immunzellverlust nach einer HIV-Infektion verlangsamt. Daraus könnten sich neue Behandlungswege ergeben. Außerdem erleichtert die Entdeckung der Genvariante eine Prognose des Krankheitsverlaufs bei HIV-infizierten Frauen.
Juni 2009
HIV - Qualifizierte Versorgung in Krankenhäusern jetzt allen HIV-Patienten zugänglich
Dies ist ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), der am 18.06.09, in Berlin getagt hat. Seit 2005 gilt die Regelung, dass sich HIV-Patienten und Patientinnen zur ambulanten Diagnostik und Versorgung an die Krankenhäuser wenden können. Bisher stand diese Option jedoch ausschließlich Patienten offen, die bereits an HIV oder Aids erkrankt sind.
Ein entsprechender Ergänzungsbeschluss bezieht jetzt auch diejenigen HIV-Infizierten in die Krankenhausversorgung mit ein, die noch keine Symptome aufweisen. Bei ihnen sei aber genauso die Betreuung von Experten erforderlich, so die Begründung für die Gesetzeserweiterung. Beispielsweise, damit rechtzeitig, noch bevor Krankheitsanzeichen auftreten, mit einer antiretroviralen Therapie begonnen werden kann.
Der Beschluss wird nun dem Bundesministerium für Gesundheit zur Prüfung vorgelegt und tritt, wenn keine Beanstandungen kommen, in absehbarer Zeit in Kraft.
Interessierte können den Beschlusstext zu § 116b SGB V im Internet einsehen:
http://www.g-ba.de/informationen/beschluesse
Juni 2009
HIV - Ohne ART häufiger geschlechtskrank
Auf dem jährlich stattfindenden HIV-Kongress CROI (Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections), stellten deutsche Forscher im Februar dieses Jahres folgende Studien-Ergebnisse vor: Verglichen mit gesunden, sind HIV-positive Männer, die ungeschützten Analverkehr mit HIV-infizierten Partnern haben, häufiger von Geschlechtskrankheiten betroffen. Warum dies so ist, war bisher unklar. Eine mögliche Erklärung liefert jetzt eine aktuelle Studie amerikanischer Wissenschaftler, an der 102 HIV-negative Männer, 98 unbehandelte HIV-positive Männer und 22 HIV-infizierte Männer unter antiretroviraler Therapie teilnahmen. Die Studie untersuchte das Auftreten von Geschlechtskrankheiten und die Zahl der CD4- und CD8-Zellen in der Samenflüssigkeit bzw. im Blut der Teilnehmer. CD4-und CD8-Zellen sind Abwehrzellen des Immunsystems.
Die Vermutung
Bei einer HIV-Infektion sinkt die Anzahl der CD4-Zellen in der Samenflüssigkeit. Dies könnte zur Folge haben, dass HIV-infizierte Männer empfänglicher für sexuell übertragbare Krankheiten sind. Erhalten diese Männer jedoch eine antiretrovirale Kombinationstherapie, steigt die Zahl der CD4-Zellen wieder an und die Immunabwehr ist wieder hergestellt.
Studienergebnisse
Die Forscher stellten fest, dass die Zahl der CD4- und CD8-Zellen im Sperma der unbehandelten HIV-positiven Studienteilnehmer sank - und zwar unabhängig von der Höhe dieser Zellen im Blut. Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass die Zahl der ‚CD4-Zellen im Sperma höchstwahrscheinlich in einer sehr viel früheren Krankheitsphase abfällt als im Blut.
Bei den antiretroviral behandelten Teilnehmern war die Konzentration der Abwehrzellen im Sperma dagegen wesentlich höher. Demnach verbessert eine antiretrovirale Therapie nicht nur die Immunabwehr im Blut, sondern auch im männlichen Genitalbereich.
Schlussfolgerungen
Aus diesen Ergebnissen schlossen die Wissenschaftler, dass unbehandelte HIV-Patienten für Erreger von Geschlechtskrankheiten empfänglicher sind als behandelte HIV-Infizierte.
Außerdem vermuten sie, dass von den unbehandelten HIV-positiven Männern ein höheres Infektionsrisiko ausgehen könnte. Damit wäre auch die Frage beantwortet, warum beim ungeschützten Analverkehr mit HIV-infizierten Personen HIV-positive Männer anfälliger für Geschlechtskrankheiten sind als HIV-negative.
Juni 2009
HIV - Antidiarrhoika werden nicht mehr erstattet
Neue Arzneimittelrichtlinie trifft besonders den HIV-Bereich
Kürzlich ist eine neue Arzneimittel-Richtlinie vom Gemeinamen Bundesausschuss (G-BA) verabschiedet worden. Die darin festgelegten Verordnungseinschränkungen betreffen leider auch den Bereich HIV/ Aids. So werden Antidiarrhoika (Arzneimittel zur Behandlung von Durchfällen, z. B. Loperamid) ab sofort nicht mehr von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Das trifft Menschen mit HIV besonders hart, denn Diarrhöen treten bei ihnen besonders häufig auf – als Symptom einer HIV-Infektion, aber auch als Nebenwirkung von antiretroviralen Medikamenten.
Eine erneute Tagung der AG Arzneimittel-Richtlinie ist für den 10.06.2009 geplant. Zu diesem Termin ist auch die Deutsche Aids-Hilfe zu einer Anhörung eingeladen. Ob dieses Treffen eine Änderung der neuen Arzneimittel-Richtlinien herbeiführt, bleibt abzuwarten.
Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter e.V. (DAGNÄ) empfiehlt den Ärzten bis dahin, den Patienten das entsprechende Arzneimittel gegebenenfalls auf einem Privatrezept zu verordnen.
Darüber hinaus gelten auch neue Arzneimittel-Richtlinien für Lipidsenker, Hypnotika und Tranquilizer.
Juni 2009
HIV - Erfreuliche Nachrichten aus der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Der Kondomabsatz 2008 bricht mit 215 Millionen Stück alle Rekorde.
Das ist doch mal eine gute Nachricht. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat die neuen Daten zur Repräsentativerhebung "Aids im öffentlichen Bewusstsein 2008" vorgelegt.
Demnach erreicht nicht nur der Kondomabsatz Rekordzahlen, auch das Schutzverhalten selbst hat sich 2008 positiv verändert. 81 Prozent der Befragten, die in den letzten zwölf Monaten eine neue Partnerschaft begonnen hatten, benutzten zu Beginn der Partnerschaft Kondome. 2004 waren es nur 70 Prozent. Außerdem schützten sich - genau wie im Vorjahr 2007 - 85 Prozent der Personen mit mehreren Sexualpartnern und –partnerinnen mit Kondomen. 2004 taten dies nur 70 Prozent.
Die Erhebung untersucht das Wissen, die Einstellung und das Verhalten der Bevölkerung im Hinblick auf HIV und Aids und die Reichweiten der Aufklärungsmaßnahmen. Die Kondomabsatzzahlen werden jährlich von der Deutschen Latex Forschungsgemeinschaft Kondome e.V. veröffentlicht. 2003 erreichte der Kondomabsatz mit nur 189 Millionen Stück den absoluten Tiefpunkt. 2004 stieg er langsam wieder an, bis er 2008 den Spitzenwert von 215 Millionen Stück erreichte.
Auch die Neudiagnosen von HIV-Infektionen sind 2008 erstmals seit dem Jahr 2000 nicht mehr nennenswert gestiegen. Das zeigen die epidemiologischen Daten des Robert Koch-Instituts.
Die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Prof. Dr. Elisabeth Pott, führt die positiven Ergebnisse der aktuellen Erhebung auf die verstärkten Präventionsbemühungen zurück:
"Die Einschätzung der aktuellen Situation zeigt, dass Aids nicht besiegt ist, dass es aber Erfolge im Kampf gegen HIV gibt. Die Kondomnutzung der Deutschen ist so hoch wie nie zuvor und die Anzahl der geschätzten Neuinfektionen ist im Jahr 2008 erstmals wieder stabil. Dieses Ergebnis ist maßgeblich auf die nach dem Anstieg der Infektionszahlen intensivierten Aidspräventionsarbeit mit neuen Konzepten zurückzuführen."
Damit das auch so bleibt, hat das Bundesministerium für Gesundheit für die Aidsprävention 2009 das Budget noch einmal um eine Million Euro auf 13,2 Millionen erhöht.
Das Ziel der Prävention sieht Prof. Dr. Pott wie folgt:
"Der Kampf gegen die HIV-Ausbreitung muss in Deutschland mit aller Kraft weitergeführt werden, um die positive Entwicklung zu festigen und idealerweise weiter zu verbessern."
Die neuen Kampagnen versuchen daher nicht mehr nur die Bereitschaft zu erhöhen, Kondome zu benutzen. Sondern es geht vor allem darum, Menschen darin zu bestärken mit dem Partner oder der Partnerin gemeinsam gut informierte und verantwortliche Entscheidung zu treffen.
Mai 2009
HIV - Grüner Tee-Wirkstoff schützt vor HIV
Das HI-Virus nutzt SEVI (Semen-derived Enhancer of Viral Infection) - feinste Fäden im menschlichen Samen - als Transportmittel in die Zellen. HIV lagert sich an das Proteinnetz von SEVI an und gelangt so nah an die Oberfläche gesunder Zellen und befällt sie. Das Kombisystem von SEVI und HIV ist äußerst effektiv: In Anwesenheit von SEVI sind 1000-fach weniger HI-Viren nötig, um Zellen zu infizieren. Gesucht war also ein Stoff, der die Wirkweise von SEVI durchbricht. Dies ist jetzt den Wissenschaftlern des Heinrich-Pette-Instituts der Universität Hamburg gelungen.
Im Laborexperiment entdeckten die Hamburger Forscher, dass ein Wirkstoff aus Grünem Tee die Infektiosität von HIV-1 drastisch senkt. Dieser Wirkstoff war zunächst aufgefallen, weil er Proteinablagerungen und feinste Fibrillen in Blutgefäßen abbauen kann. Daraufhin testeten die Wissenschaftler das Catechin EGCG, so der Name des Grün-Tee-Wirkstoffs, in hochreiner und konzentrierter Form an Zellen in Anwesenheit von SEVI. Das Ergebnis war äußerst erfreulich: Die Infektion von Zellen mit HIV sank deutlich. EGCG verhinderte die Bildung von Fibrillen und baute diese auch ab. Mit dem Elektronenmikroskop konnten die Forscher diesen Prozess gut verfolgen.
Allerdings nützt es überhaupt nichts Unmengen von Grünem Tee zu trinken, um sich vor HIV zu schützen. Der Wirkstoff EGCG muss in sehr hoher Konzentration mit Samen in Berührung kommen.
"Das ist als Wirkstoff in Vaginalcremes vermutlich am besten zu erreichen. Wir hoffen, dass sich so vielleicht verbesserte Cremes entwickeln lassen, die auch für den afrikanischen Markt als kostengünstige Prophylaxe geeignet wären," erläutert Dr. Hauber vom Heinrich-Pette-Institut eine mögliche Umsetzung der Neuentdeckung.
Mai 2009
HIV - Warnung vor Schnelltest aus dem Internet
Es sei nicht sichergestellt, ob der HIV-Bluttest zu einem korrekten Ergebnis führe, hieß es in der dpa-Meldung vom 13.05.09. Als europäische Bevollmächte des indischen Herstellers Divine Medical Group hatte die Firma AF Medical Health Services & Supplies alle Chargen des HIV-Schnelltests zurückgerufen. Dem Test fehlt offenbar die für Medizinprodukte nötige CE-Kennzeichnung. Deshalb darf er in Europa nicht verkauft und angewendet werden.
Mai 2009
HIV - Neues aus der Virusforschung
Heidelberger Virologen haben entdeckt, wie das HI-Virus den Schutzmechanismus menschlicher Zellen lahmlegt.
Neben dem Immunsystem besitzt unser Körper noch weitere Schutzmechanismen, um Viren zu bekämpfen und so Infektionen zu stoppen. Unsere Zellen verfügen über ein Reservoir an Schutzeiweißen. Diese speziellen Schutzproteine dienen dazu, die Virusvermehrung zu hemmen. Dazu gehört auch das Protein CD317. Wie aber schützt CD317 die Zelle? Das Schutzprotein CD317 hindert die neu gebildeten Viren am Verlassen der Zelle, indem es die Viren fest an die Zelloberfläche bindet. Ein Befall neuer Zellen ist so nicht möglich. Leider funktioniert dieser Mechanismus im Falle von HIV nicht. Denn das HI-Virus selbst verfügt auch über ein bestimmtes Protein namens Vpu, das die Blockade des Schutzproteins CD317 aufhebt bzw. dieses vernichtet. Die Folge: Je weniger CD317 eine Zelle besitzt, desto mehr Viren können der Abfangvorrichtung entkommen.
"In Anwesenheit von Vpu wird CD317 von einem zelleigenen System zügig abgebaut. Vermutlich bindet Vpu an CD317 und markiert es für eine schnelle Beseitigung", erklärt Virologe Dr. Keppler, der Leiter des Heidelberger Forschungsteams.
Vereinfacht gesagt, das HI-Virus münzt die für die Abwehr nützlichen Schutzproteine als "zu beseitigen" um, sodass sie von einem zelleigenen System fälschlicherweise vernichtet werden. Als Folge kann sich das Virus ungehindert ausbreiten.
Aufgrund der Ergebnisse schwebt den Virologen für die Zukunft vor, die Interaktion zwischen Vpu und CD317 zu stören. Sie hoffen, damit einen Angriffspunkt für neue Therapien entdeckt zu haben.
Dem Schutzprotein von Ratten kann das HI-Virus nichts anhaben
Im weiteren Verlauf ihrer Untersuchungen stellten die Forscher außerdem fest, dass Vpu gegen das CD317 von Rattenzellen nichts ausrichten kann. Das Schutzprotein von Ratten ist gegen die Strategie des HI-Virus immun, sodass sich das Virus bei den Tieren nicht so schnell ausbreiten kann. Das erklärt möglicherweise auch, warum die Infektion bei Ratten einen anderen Verlauf nimmt als beim Menschen.
Es wäre also denkbar, das Schutzeiweiß CD317 bei Ratten gentechnisch auszuschalten, um den Grad der Infektion, dem beim Menschen anzugleichen. Damit könnten die Forschungsergebnisse helfen, die Forschung am Tiermodell zu verbessern.
April 2009
HIV - Gut informiert und sicher reisen
Sie sind reisebegeistert und haben die Koffer schon gepackt?
Was Sie bei der Reiseplanung wissen sollten, erfahren Sie auf unserer Informationsveranstaltung im Mai.
- Welche Einreisebestimmungen müssen beachtet werden?
- Wie vertragen sich notwendige Impfungen mit der antiretroviralen Therapie?
- Welche Gesundheitsrisiken sind mit der Reise verbunden?
Zu diesen und ähnlichen Fragen informiert Sie Dr. Stephan Dupke.
Wann?
27.05.2009, 19:30Uhr
Wo?
mediosmanagement GmbH | Friedrichstr. 113a, 1.OG | 10117 Berlin
Für einen kleinen Imbiss und Getränke ist gesorgt. Wir bitten vorab um telefonische Anmeldung unter (030) 2833530 oder direkt in der BerlinApotheke.
Diese Veranstaltung erfolgt mit freundlicher Unterstützung von der Pfizer Pharma GmbH.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch,
Ihre BerlinApotheke
April 2009
HIV - gleiches Risiko für Herz- und Kreislauf wie beim Rauchen
HIV, Rauchen oder Diabetes mellitus – das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen ist ungefähr dasselbe. Das belegen jetzt zwei neue Studien.
Immer noch sind Herz- und Kreislauferkrankungen in den Industrienationen die häufigste Todesursache. HIV-Positive haben heute durch die antiretrovirale Therapie eine höhere Lebenserwartung als noch vor einiger Zeit und sind daher genauso gefährdet wie HIV-Negative auch. Dazu kommt, dass die HIV-Infektion selbst ein Risikofaktor für Herz- und Kreislauferkrankungen ist, ähnlich hoch wie das Rauchen oder eine Diabetes-mellitus-Erkrankung. Neue Studien belegen dies deutlich.
Studie 1
Für eine amerikanische Studie, die die Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie auf den Stoffwechsel untersucht, wurden spezielle Messungen an der Gefäßwand der Halsschlagader durchgeführt (Messung der Intima-Media-Dicke). Diese lassen Rückschlüsse auf das Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung zu. Untersucht wurden 433 HIV-Patienten und 5749 gesunde Probanden. Bei den HIV-Patienten war die Intima-Media dicker als bei den Gesunden. Der Effekt von HIV war vergleichbar mit dem von Rauchern, Diabetes und 10 Lebensjahren mehr und bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern.
Studie 2
Eine weitere Studie bestätigte den negativen Einfluss von HIV auf die Gefäße. Sie untersuchte die Dehnbarkeit der Arterien von zehn 34-jährigen HIV-Positiven, die noch keine Therapie bekamen, und die von 20 gesunden Teilnehmern – davon zehn 36-jährige und zehn 62-jährige. Die Dehnbarkeit der Arterien bei den HIV-Patienten entsprach der der 60-jährigen Probanden, war also deutlich herabgesetzt.
Fazit
Die Studien zeigen, dass nicht nur die HIV-Medikamente, sondern auch die HIV-Infektion selbst das Herzkreislaufsystem ungünstig beeinflussen. Um einer Erkrankung vorzubeugen, sollten daher die klassischen Risikofaktoren, Rauchen Bluthochdruck und Cholesterinwerte regelmäßig kontrolliert bzw. vermieden werden.
April 2009
HIV - Wenig Viren im Blut, viele Viren im Sperma
Obwohl bei Testpersonen keine Viren im Blut nachgewiesen werden konnten, befanden sich im Sperma bis zu 16.000 Kopien/ml.
Zu diesem Ergebnis kamen kürzlich zwei unabhängig voneinander durchgeführte Studien. Beide Studien untersuchten parallel die Viruslast in Blut und Sperma von HIV-Patienten. Bei 5 Prozent der Patienten, bei denen keine Viren im Blut nachgewiesen werden konnten, fanden sich jedoch Viren im Sperma in unterschiedlicher Konzentration. Bei einer Testperson waren es sogar 16.000 Kopien/ml (Virusmenge pro ml Sperma).
Ergebnis der ersten Studie
Für die erste Studie wurden Blut- und Spermaproben von 145 Männern untersucht. Die Nachweisgrenze lag im Blut bei 50 Kopien/ ml und im Sperma bei 200 Kopien/ ml. Obwohl die Viruslast im Blut bei den Testpersonen seit einem halben Jahr unterhalb der Nachweisgrenze lag und sie keine Geschlechtskrankheiten aufwiesen, konnte bei sieben Patienten das HI-Virus im Sperma nachgewiesen werden.
Ergebnis der zweiten Studie
Die zweite Studie untersuchte die Viruslast in Blut und Sperma von 25 Personen, beginnend sechs Monate nach Einnahme einer antiretroviralen Therapie. Bei allen untersuchten Patienten konnten keine Viren im Blut nachgewiesen werden, wohl aber im Sperma und zwar bei fast der Hälfte (48 %) der untersuchten Personen. Bei vier von 25 Patienten lag die Viruslast im Sperma oberhalb von 5000 Kopien/ ml, einer hatte sogar 16.000 Kopien/ ml. Bei einem der Männer enthielt jede Spermaprobe HI-Viren, bei den anderen Testpersonen war das Virus nur sporadisch nachweisbar.
Fazit
Vor dem Hintergrund dieser Studien ist die Behauptung einiger Fachleute, Sex ohne Kondome sei bei einer Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze gefahrlos, eher fragwürdig. Dabei wird die Viruslast im Blut zugrunde gelegt. Wie die Studien zeigen, entspricht die Viruslast im Blut jedoch nicht der des Spermas. Dazu kommt, dass „unterhalb der Nachweisgrenze“ nicht bedeutet, dass keine Viren vorhanden sind.
Nach wie vor gilt also: Sicherer Sex ist geschützter Sex.
März 2009
HIV - Prezista® 300 mg ab April nicht mehr im Handel
Auch weiterhin wird es das antiretrovirale Medikament geben, aber in zwei neuen Stärken. Prezista® 400 mg und Prezista® 600 mg haben gerade die Zulassung für den Deutschen Markt bekommen.
Die Produktion des herkömmlichen Prezista® 300 mg wird Ende März eingestellt.
Die Neuerung hat zwei Vorteile: Zum einen kann Prezista® 400 mg zukünftig auch zur Therapie unvorbehandelter Patienten eingesetzt werden. Bisher bekamen ausschließlich vorbehandelte Patienten den Proteasehemmer. Zum anderen müssen vorbehandelte Patienten weniger Tabletten schlucken.
Das Therapie-Chema sieht dann folgendermaßen aus:
- Unvorbehandelte Patienten nehmen
1 x täglich: 2 Tabletten Prezista® 400 mg + 1 Kapsel Norvir® - Vorbehandelte Patienten nehmen
morgens: 1 Tablette Prezista® 600 mg + 1 Kapsel Norvir® und abends: 1 Tablette Prezista® 600 mg + 1 Kapsel Norvir®
Februar 2009
HIV - Krankheitsverlauf liegt in den Genen
Eigentlich ist der sogenannte Toll-like Rezeptor 7, kurz TLR 7, ein ganz brauchbarer Mitstreiter des Immunsystems. Eine bestimmte Mutation von ihm tut dem Verlauf einer HIV-Erkrankung jedoch gar nicht gut.
Die TLRs sind Strukturen des angeborenen Immunsystems und für das Erkennen und Abwehren von Bakterien und Viren im Körper zuständig. Das HI-Virus aktiviert die Toll-like Rezeptoren, die dann verschiedene interzelluläre Botenstoffe aussenden. Einige davon bekämpfen das HI-Virus, andere hingegen unterstützen dessen Ausbreitung im Körper.TLR7 erkennt spezifisch die Erbsubstanz des HI-Virus.
Eine Studie hat jetzt gezeigt, dass eine bestimmte Mutation des TLR 7 die Freisetzung der Botenstoffe entscheidend beeinflusst. Liegt diese Mutation vor, wird der Stoff Interferon Alpha in sehr viel geringerem Maß ausgeschüttet als durch das "normale" TLR7. Fatal, denn Interferon Alpha dient der Bekämpfung des Virus. Folglich kann sich die HIV-Infektion schneller ausbreiten und die Krankheit erreicht frühzeitig das Endstadium.
Die Wissenschaftler Prof. Ralf Schumann vom Mikrobiologischen Institut der Charité-Universitätsmedizin Berlin und Dr. Osamah Hamouda vom Robert-Koch-Institut untersuchten insgesamt 1279 Studienteilnehmer. 734 von ihnen waren HIV-positiv. Bei einem Viertel aller Probanden wurde die spezielle Mutation des TLR 7 festgestellt. Bei den Teilnehmern, die HIV-positiv waren und zusätzlich die Mutation aufwiesen, war die Viruslast wesentlich höher und der Krankheitsverlauf deutlich beschleunigt.
Außerdem war der genetisch veränderte TLR 7 bei 44,4 Prozent der HIV-positiven Frauen, aber nur bei 17,9 der HIV-negativen Frauen vorhanden. Dies könnte bedeuten, dass die Träger der Mutation empfänglicher für die Infektion sind. Allerdings bedarf diese Vermutung noch weiterer Untersuchungen.
Schon länger ist bekannt, dass Toll-like Rezeptoren die Immunabwehr und den Krankheitsverlauf bei anderen Infektionskrankheiten stark beeinflussen.
Die neuen Ergebnisse sind besonders für HIV-Patienten interessant, denn sie eröffnen auf diesem Gebiet ganz neue Perspektiven:
"Mit diesen Erkenntnissen können Risikopatienten rechtzeitig erkannt und eventuell effektiver behandelt werden", erläutert Prof. Schumann. "Möglicherweise können die Toll-like Rezeptoren auch potentieller Angriffspunkt für eine Impfung gegen das HI-Virus sein."
Januar 2009
HIV - Informationsveranstaltungen der Berliner Aids-Hilfe
Wir möchten auf eine Veranstaltungsreihe aufmerksam machen. Auch 2009 hat die Berliner Aids-Hilfe wieder Informationsabende zu medizinischen Fragen bei HIV und Aids organisiert.
Die einzelnen Veranstaltungen der "Medizinischen Reise 09" finden jeden letzten Mittwoch im Monat um 19.00 Uhr im Café PositHiv statt. Geplant sind Vorträge zu verschiedenen Themen von Fachleuten, die auch persönliche Fragen beantworten. Anschließend wird ein kleiner Imbiss gereicht.
Medizinische Reise 2009 - Die Themen
28. Januar 2009
Leben mit dem Virus heute aus medizinischer Sicht
Überlebenswahrscheinlichkeit, Therapiebeginn, Komplikationen, Langzeittherapie
Dr. Daniel Prziwara
25. Februar 2009
HIV-Medikamente - wie kombinieren?
Standardrichtlinien, Aspekte der Auswahl
Dr. Tobias Glaunsinger
25. März 2009
Laborwerte und was sie bedeuten
Erläuterung der wichtigsten Laborparameter
Dr. Peter Kreckel
29. April 2009
Wie infektiös bin ich? - Zur Viruslast unter der Nachweisgrenze
Die Positionen von BZgA, DAH und RKI, was schlussfolgern wir?
Armin Schafberger
27. Mai 2009
Nebenwirkungsmanagement heute
Eine ganzheitliche Sicht
Dr. Michael Rausch
24. Juni 2009
Von A wie Allergie bis Z wie Zervixkarzinom
ergänzende Gesundheitsaspekte bei HIV
Jörg Claus
26. August 2009
Depression, Vergesslichkeit, Angst
psychologische und neurologische Erklärungsansätze
Andreas Mertens
30. September 2009
Reha-Maßnahmen und Kuren für Positive
Infos zu Reha- und Kurmaßnahmen, Voraussetzungen und Beantragung
Dr. Heribert Hillenbrand
28. Oktober 2009
HIV und Alter
Medizinische Aspekte des Alterns bei HIV-Erkrankung
Dr. Christoph Mayr
25. November 2009
Zurückgeschaut - Wichtige Erkenntnisse des Jahres
Priv. Doz. Dr. Keikawus Arastéh
Café PositHiv
Bülowstr. 6
10783 Berlin
Telefon: (030) 216 86 54
U-Bhf. und Bushaltestelle (Bus M19) Nollendorfplatz
Mehr Infos zur Berliner Aids-Hilfe: www.berlin-aidshilfe.de
Januar 2009
HIV - Frauen trotz gesunder Vaginalschleimhaut ansteckungsgefährdet
Bisher galt die gesunde Vaginalschleimhaut als unüberwindbare Barriere für Viren, auch für HIV. Diese Annahme hat sich jetzt als falsch erwiesen.
Lediglich der Gebärmutterhals mit seinem einschichtigen Zellgewebe sei gefährdet, von den HI-Viren durchdrungen zu werden, glaubte die Fachwelt. Demnach erschien die Verwendung eines Diaphragmas, das vor dem Geschlechtsverkehr vor den Gebärmuttermund platziert wird, ideal. Das Diaphragma schützt nicht nur vor dem Eindringen unerwünschter Spermien, sondern gleichzeitig auch vor HIV - so dachte man. Leider stimmt das nicht. Eine amerikanische Forschungsgruppe von der Feinberg School of Medicine in Chicago hat kürzlich den bisher unbekannten Übertragungsweg der HI-Viren bei Frauen entdeckt. Dieser zeigt: Frauen sind trotz gesunder Vaginalschleimhaut nicht vor einer Ansteckung mit HIV geschützt.
Der Weg der HI-Viren durch die Vaginalschleimhaut
Die Vaginalschleimhaut besteht aus einer mehrlagigen Zellschicht (Epithel), wobei die Zellen der verschiedenen Schichten dicht nebeneinanderliegen. Die HI-Viren erschienen bisher zu groß, um das Epithel zu durchdringen.
Um den Weg der HI-Viren verfolgen zu können, kennzeichneten die amerikanischen Zellbiologen die Viren mit Fluoreszenz-Markern und beobachteten deren Weg unter dem Mikroskop. Die Forscher stellten fest: Die Viren benötigten etwa vier Stunden, um etwa 50 Mikrometer tief in die gesunde Schleimhaut einzudringen. In dieser Tiefe können die HI-Viren schon auf ihre Zielzellen, verschiedene Zellen des Immunsystems, treffen. Die Forscher beobachteten, dass sich die HI-Viren zwischen den Epithelzellen hindurchdrängten, wobei sie die Lücken nutzten, die beim Abstoßen der alten Epithelzellen entstehen.
Die Bedeutung der Forschungsergebnisse
Der amerikanische Studienleiter, Thomas Hope, spricht von einem unerwarteten und wichtigen Ergebnis. Besonders für Frauen ist die Kenntnis über den Ansteckungsweg von großer Bedeutung. Für sie heißt das nämlich, dass das Diaphragma zum Schutz vor HIV absolut ungeeignet ist. Den sichersten Schutz bietet auch für Frauen das Kondom. Von den ca. 3000 HIV-Neuinfektionen im Jahr 2008 in Deutschland waren immerhin 350 Frauen, weltweit waren sogar die Hälfte der Neuinfizierten Frauen.
Januar 2009
HIV - Richtige Medikamenteneinnahme - weniger Resistenzen
Häufig fällt im Zusammenhang mit der HIV-Therapie der Begriff "Resistenzen". Was aber ist das - eine Resistenz, wie entsteht sie und wie kann man sie vermeiden?
Diese Fragen wurden uns in letzter Zeit sehr oft gestellt. Da wir stets bemüht sind, unsere Kunden verständlich und möglichst umfassend zu informieren, möchten wir Ihrem Informationsbedürfnis an dieser Stelle nachkommen.
Was ist eine Resistenz?
Das HI-Virus gehört zu der Klasse der Retroviren. Ist das HI-Virus gegen einen antiretroviralen Wirkstoff, also gegen einen Wirkstoff, der das Retrovirus bekämpfen soll, unempfindlich geworden, spricht man von einer Resistenz dieses Virus gegen den Wirkstoff. Ein Wirkstoff gegen den die Viren resistent sind, scheidet für eine HIV-Therapie aus.
Was passiert bei der Medikamenteneinnahme?
Wird ein Medikament eingenommen, geschieht Folgendes: Die Tablette und deren Wirkstoff werden in den Körper aufgenommen und über das Blut verteilt. Gleichzeitig fängt der Körper an, den Wirkstoff wieder auszuschneiden. Dadurch verringert sich nach und nach die Wirkstoffmenge im Blut. Bevor die Wirkstoffkonzentration nicht mehr ausreicht, um das Virus wirksam zu bekämpfen, die sogenannte Wirkgrenze erreicht ist, muss die nächste Dosis des Medikaments eingenommen werden.
Wie entsteht eine Resistenz?
Sobald sich das Virus vermehrt, entstehen dabei auch Viren, die fehlerhaft sind, d.h. die Fehler in ihrem Erbmaterial haben, sogenannte Mutationen. Es gibt völlig harmlose Mutationen, die ihre Infektiösität verlieren, aber auch solche, deren Fehlerhaftigkeit fatal ist. Liegt der Fehler nämlich genau an der Angriffsfläche für das Medikament, kann das Medikament nichts mehr gegen das Virus ausrichten. Die mutierte Virusform ist dann resistent gegen das Medikament und kann sich ungehindert weitervermehren. Die Viruslast steigt und die Betroffenen müssen auf eine neue Medikamentenkombination umgestellt werden. Im schlimmsten Fall liegt die Mutation an einer besonders sensiblen Stelle und es entsteht eine sogenannte Kreuzresistenz. Das Virus ist dann nicht nur gegen das derzeit eingenommene Medikament resistent, sondern auch gegen andere Medikamente, die der Patient nie zuvor eingenommen hat. Besonders anfällig für die Entwicklung von Kreuzresistenzen ist die erste Generation der NNRTIs (Sustiva, Viramune). Bei dieser Medikamentenklasse kann eine einzelne Mutation eine Resistenz gegenüber der gesamten Medikamentenklasse hervorrufen.
Wie können Resistenzen verhindert werden?
Das A und O einer erfolgreichen HIV-Therapie ist die regelmäßige Einnahme der Medikamente. Halten Sie sich also bitte unbedingt an die Einnahmevorschrift. Denn je genauer Sie diese befolgen, desto effektiver wird die Virusvermehrung unterdrückt und desto geringer ist die Chance, dass sich eine Resistenz entwickelt.
Ist eine Resistenz erst einmal aufgetreten, bleibt diese bestehen.
Sind Resistenzen übertragbar?
Leider ist es möglich, dass das Virus mit dem Sie infiziert sind resistent ist, obwohl Sie noch nie antiretrovirale Medikamente eingenommen haben. In diesem Fall wurde bei ihrer Infektion eine resistente Virusmutation übertragen. Man spricht dann von primär resistenten Virusvarianten, die bei ca. 10% der Neuinfektionen vorkommen.
Resistenztestung
Heute ist es möglich, vor einer Therapie festzustellen, ob ein Patient Resistenzen aufweist. Das Vorgehen ist einfach: Dem Patienten wird Blut abgenommen, das dann in einem standardisierten Verfahren auf bestehende Mutationen gegen die verschiedenen Medikamente getestet wird. Anhand der Ergebnisse kann der Arzt dann eine wirksame Therapie zusammenstellen.
Auch an dieser Stelle betonen wir nochmal, dass Sie selbst die Ausbildung von Resistenzen verhindern können, indem Sie Ihre Medikamente vorschriftsmäßig einnehmen. Sollte Ihnen die regelmäßige Einnahme Probleme bereiten, besprechen Sie dies unbedingt mit ihrem Arzt.
Dezember 2008
HIV - 20. Welt-Aids-Tag am 1. Dezember
Rund um den Erdball machen am 1. Dezember wieder viele Aids-Organisationen mit Aktionen und Informationen auf das Thema Aids aufmerksam.
Sie rufen zur Solidarität mit Infizierten, Kranken und Betroffenen auf und dazu, selbst aktiv zu werden. Dieser Tag soll dazu genutzt werden, über Infektionsgefahren aufzuklären und Vorurteile abzubauen. 1988 von der WHO ins Leben gerufen, erinnert der Welt-Aids-Tag dieses Jahr zum 20. Mal daran, dass HIV und Aids weltweit nach wie vor aktuelle Themen sind.
Unter dem Motto „Gemeinsam gegen Aids. Wir übernehmen Verantwortung – für uns selbst und andere“ fordert der Welt-Aids-Tag Politik, Wirtschaft und Medien und natürlich jeden Einzelnen zur Auseinandersetzung mit dem Thema Aids auf. Denn trotzdem heute Medikamente zur Behandlung einer HIV-Infektion zur Verfügung stehen und eine Infektion nicht mehr zwangsläufig zum Tod führt, Aids ist weiterhin ein Problem. In diesem Jahr haben sich allein in Deutschland 3000 Menschen neu mit dem HI-Virus infiziert, nach wie vor existieren keine Medikamente zur Heilung und immer noch sterben Menschen. Aufklärung und Prävention sind daher nach wie vor wichtig und notwendig.
Tragen auch Sie heute die Rote Schleife als Zeichen der Solidarität mit HIV-Infizierten und Betroffenen.
November 2008
HIV - Therapie mit Dreifach-Kombi erfolgreich bei Resistenzen
Auch bei HIV-Infizierten, bei denen die antiretrovirale Therapie (HAART) nicht mehr hilft, ist es möglich, die Viruslast unter die Nachweisgrenze zu senken. Das erklärte jetzt Prof. Jürgen Rockstroh, HIV-Therapeut und Vorsitzender der Deutschen AIDS-Gesellschaft auf einer Veranstaltung in Köln. Voraussetzung dafür seien jedoch Substanzen, die vorher bei den Patienten als noch wirksam getestet worden sind, so Rockstroh.
Die Studie
Rockstrohs Aussage basiert auf einer Studie mit 103 HIV-Patienten, von denen alle vorher durchschnittlich 13 Jahre lang behandelt worden waren. Bei den Patienten hatten bisherige Therapien versagt und alle hatten mehr als 1000 HIV-RNA-Kopien in einem Milliliter Blut. Grund für das Versagen bisheriger Therapien sind multiresistente Viren, das sind solche, die gegen mehrere Wirkstoffe bereits unempfindlich sind. Für die Studie mussten die Viren der Patienten allerdings noch für Darunavir (PI) und Etravirin(NNRTI) empfindlich sein.
Die Patienten erhielten in der Studie erstmals den Integrasehemmer Raltegravir, den mit Ritonavir verstärkten Proteasehemmer Darunavir und Etravirin (nicht-nukleosidischer Transkriptase-Hemmer, kurz NNRTI). 83 Prozent der Patienten erhielten zusätzlich noch einen nukleosidischen Hemmstoff der Reverstranskriptase, zwölf Prozent den Fusionshemmer Enfuvirtid.
Ergebnis
Bereits nach vier Wochen Therapie lag bei der Hälfte der Patienten die Viruslast unterhalb der Nachweisgrenze, also bei weniger als 50 HIV-RNA-Kopien pro Milliliter Blut. Bei 90 Prozent der Patienten konnten in der 24. Woche keine Viren mehr nachgewiesen werden. Nur ein Patient beendete die Studie vorzeitig wegen Fieber und Hautausschlag.
Insgesamt war die Therapie sehr gut verträglich.
Professor Rockstroh wertet das Ergebnis als großen Fortschritt in der Therapie zuvor intensiv behandelter Patienten. Für die Zukunft gilt es nun zu prüfen, welche und wie viele Substanzen Patienten mit multiresistenten Viren tatsächlich benötigen.
November 2008
HIV - Ritonavir bald als hitzestabile Tablette
Bisher gab es ihn ausschließlich als Softgel-Kapsel. Das hat jetzt die Pharma-Firma Abbott geändert und Ritonavir als Tablette formuliert.
Der Wirkstoff Ritonavir wird zur Therapie von HIV-Infektionen und AIDS eingesetzt. Bisher gab es ihn ausschließlich als Softgel-Kapsel. Das hat jetzt die Pharma-Firma Abbott geändert und Ritonavir als Tablette formuliert.
Der Vorteil
Die hitzestabile Tablette muss nicht mehr gekühlt werden und lässt sich daher gut in Entwicklungsländern anwenden, in denen die meisten HIV-Infizierten leben.
Mit der neu entwickelten Norvir®-Tablette werden ähnliche Wirkstoffspiegel im Blut erreicht wie mit der herkömmlichen Softgel-Kapsel. Belegt ist dies durch eine Studie, die auf der 17. Internationalen Aids-Konferenz in Mexico-City vorgestellt wurde.
Allerdings wird es noch eine Weile dauern, bis die Tabletten in Deutschland zugelassen werden. Die Firma Abbott hat die Zulassung zwar bereits bei der EMEA (Europäische Arzneimittelagentur) beantragt, erfahrungsgemäß dauert die Zulassung jedoch ungefähr ein Jahr, so dass mit der Zulassung erst im Oktober 2009 gerechnet wird.
Oktober 2008
HIV - Vortrag in der BerlinApotheke
"Haut und HAART- adäquate Hautpflege unter antiretroviraler Therapie" ist für viele HIV-Betroffene ein wichtiges Thema.
Für alle, die dazu mehr wissen wollen, hat die BerlinApotheke eine Informationsveranstaltung organisiert. Hautarzt Jens Roßbacher wird einen ca. 45-minütigen Vortrag halten. Im Anschluss des Vortrags beantwortet Jens Roßbacher Fragen rund um das Thema Haut.
Wann?
29. Oktober 2008
19.00 – 20.30 Uhr
Wo?
Arcotel Velvet
Oranienburger Str. 52
10117 Berlin
Leider sind unsere Kapazitäten begrenzt, deshalb bitten wir um Anmeldung bis zum 10.10.2008 in der
BerlinApotheke Oranienburger Tor
Oranienburger Str. 51
10117 Berlin Apotheke
Tel: (030) 283 35 30
oder unter m.philipp@berlinapotheke.de
Für einen kleinen Imbiss und Getränke ist gesorgt.
Wir freuen uns auf Sie.
Ihre BerlinApotheke
September 2008
HIV - Licht am Horizont für Patienten mit NNRTI-Resistenzen
Am 28.08. dieses Jahres hat die Europäische Arzneimittelbehörde ein neues Medikament zur Behandlung von HIV-1-Infektionen zugelassen. Der Wirkstoff heißt Etravirin und gehört zur Substanzklasse der sogenannten nicht-nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren, kurz NNRTI.
Das neue Medikament ist insofern vielversprechend, als dass es offenbar dort wirkt, wo andere NNRTIs aufgrund von Resistenzen unwirksam geworden sind.
Etravirin ist zugelassen für Patienten, die bereits eine Behandlung ihrer HIV-Infektion erhalten haben und muss mit anderen antiviralen Arzneimitteln und in Kombination mit einem geboosterten Protease-Inhibitor angewendet werden.
Wirkung von NNRTIs
NNRTIs hemmen die Reverse Transkriptase, also ein viruseigenes Enzym, das das Virus benötigt, um neue infektiöse Viruspartikel zu bilden. Auf diese Weise wird die Viruslast im Körper des Patienten gesenkt.
Leider entwickeln sich gegen diese Wirkstoffe, zu denen auch Efavirenz und Nevirapin gehören, schnell und häufig Resistenzen, von denen viele Patienten betroffen sind. So wurden 2002 beispielsweise bei fast 10 Prozent aller Patienten in Europa mit akuter HIV-Infektion NNRTI-Resistenzen ausgemacht.
Hier stellt Etravirin einen echten Fortschritt in der HIV-Therapie dar. Denn der neue Wirkstoff erwies sich Studien zufolge in vielen Fällen wirksam gegen Viren mit einer Resistenz gegen die herkömmlichen NNRTIs.
Dosierung
Etravirin, Handelsname Intelence®, wird zusammen mit Nukleosidanaloga RT-Hemmern in einer Dosierung von 2 x 200 mg pro Tag (2x2 Tabletten à 100mg) nach einer Mahlzeit eingenommen.
Etravirin sollte nicht zusammen mit Atazanavir, Fosamprenavir und Tipranavir oder einem nicht-geboosterten Proteasehemmer eingenommen werden.
Nebenwirkungen
Vor allem zu Behandlungsbeginn treten häufig Durchfälle, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Virusstörungen, Schwindel und Konzentrationsschwierigkeiten auf. Selten wurde über schwere Hautausschläge berichtet.
Das Arzneimittel ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich.
Bei Fragen können Sie sich gern an uns wenden.
August 2008
HIV - PrivatSprechstunde im SchwuZ
Achtung! Nicht verpassen!
Im SchwuZ findet am Freitag, den 05.09.2008 ein Informationsabend zu HIV-Medikamenten statt. Der Experte Jukka Hartikainen klärt Fragen zu Neben- und Wechselwirkungen, die unter einer HIV-Therapie auftreten können, sowie Fragen rund um den Stoffwechsel. Moderiert wird der Abend von Ades Zabel. Eine Voranmeldung ist nicht notwendig.
Wo Ihr das SchwuZ findet?
SchwuZ Kulturveranstaltungs GmbH
Mehringdamm 61
10961 Berlin
Telefon: (030) 629088 – 0
Wann genau findet der Infoabend statt?
Freitag, 05. September 2008
Einlass: 20:00 Uhr
Beginn: 20:30 Uhr
Hier könnt Ihr Euch den Flyer ansehen: Flyer-Schwuz
Einen informativen Abend wünscht Euch
die BerlinApotheke
August 2008
HIV im Dialog
Zum 10. Mal findet am 12. und 13. September 2008 der Kongress „HIV im Dialog“ im Roten Rathaus statt. Unter dem diesjährigen Motto „Vom Leben reden“, werden mehr als 1000 Besucher erwartet ...
Zum 10. Mal findet am 12. und 13. September 2008 der Kongress „HIV im Dialog“ im Roten Rathaus statt. Unter dem diesjährigen Motto „Vom Leben reden“, werden mehr als 1000 Besucher zu der Veranstaltung erwartet.
HIV im Dialog steht wieder unter der Schirmherrschaft des Berliner Bürgermeisters Klaus Wowereit. Eröffnet wird der Kongress durch die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.
Ein Schwerpunkt in diesem Jahr bildet der Themenkomplex Neurologie, Psychologie und Psychiatrie bei HIV und Aids. Aber auch viele andere Themen sind geplant, wie z.B. HIV und Alter, neue Perspektiven aus der Forschung, sowie das immer aktuelle Thema Prävention.
Bei der Reminders Day Aids Gala, die am Samstag Abend ab 20 Uhr stattfinden wird, wird auch in diesem Jahr wieder der Reminders Day Award an eine Person verliehen, die sich mit Ihrem Engagement im Kampf gegen HIV und Aids besonders verdient gemacht hat. Im Jahr 2007 ging dieser Preis an Frau Prof. Dr. Rita Süßmuth.
Das geplante Programm der beiden Tage, sowie weitere Informationen finden Sie im Internet auf der Seite: www.HIV-im-Dialog.de. Die Teilnahme am Kongress ist kostenlos.
Juli 2008
HIV - Firma Roche stoppt HIV-Forschung
In den Anfangsjahren der Hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) hat die Firma Roche einen wesentlichen Beitrag zur Aids-Therapie geleistet. Jetzt hängt der Schweizer Arzneimittel-Konzern die HIV-Forschung an den Nagel.
Keines der Medikamente, das derzeit in der Entwicklung ist, stellt einen bedeutsamen Fortschritt im Vergleich zu schon existierenden Produkten dar, so die Begründung des Pharma-Riesen für den Forschungsstopp.
Roche vertreibt derzeit drei HIV-Wirkstoffe – T-20, Nelfinavir und Saquinavir. Diese Medikamente werden auch in Zukunft weiter hergestellt, versichert der Konzern. Gleiches gilt für die bestehenden HIV-Diagnostika, also für die Mittel zur Erkennung von HIV-Infektionen.
Immerhin hat sich die Situation im Vergleich zur Zeit vor 1996 und damit vor HAART deutlich verbessert. Dank der Fortschritte in der HIV-Forschung ist die einst tödliche Erkrankung bis heute zwar nicht heilbar, jedoch behandelbar.
Quellenangabe:
VADIAN.NET AG
URL: http://www.nachrichten.ch/detail/314186.htm
Frankfurter Allgemeine FAZ.net
URL: http://www.faz.net/d/invest/meldung.aspx?id=80092036
Juli 2008
HIV - Aktuelle Informationen rund um das Thema Reisen
Menschen, die HIV-positiv sind und die Welt bereisen wollen oder längere Auslandsaufenthalte planen, stoßen in verschiedenen Ländern auf ganz unterschiedliche Grenzen.
In viele Länder können HIV-Positive ohne weiteres einreisen, in anderen Ländern ist dies nur unter bestimmten Bedingungen, beschränkt oder gar nicht möglich. Österreich beispielsweise können HIV-Positive ohne Einschränkungen bereisen, in Kanada müssen sich Personen, die dort länger als sechs Monate bleiben wollen auf HIV testen lassen, und in den USA dürfen HIV-Positive den amerikanischen Flughafen theoretisch nicht mal zur Durchreise betreten. So unterschiedlich die Länder, so unterschiedlich sind auch deren Bestimmungen.
Für alle diejenigen, die sich zum Thema Reisen und HIV einzelner Länder - über Einreisebestimmungen und mehr - informieren möchten, gibt es jetzt eine neue Webseite. Verwenden Sie die Webadresse hivtravel.org oder klicken Sie hier.
Die Informationen dieser Website sind auf Englisch und können länderspezifisch abgefragt werden.
Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben oder weitere Informationen wünschen, wenden Sie sich an uns.
Wir sind gern für Sie da.
Ihre BerlinApotheke
Juni 2008
HIV - Keine Einschränkung mehr für Tipranavir
Die Europäische Kommission hat jetzt den Protease-Hemmer Tipranavir (Handelsname Aptivus®) uneingeschränkt zur HIV-Therapie zugelassen.
Bereits Ende 2005 war das Medikament Aptivus® (Wirkstoff Tipranavir) "unter außergewöhnlichen Umständen" von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMEA) zugelassen worden. Damals war es aus wissenschaftlichen Gründen nicht möglich, vollständige Informationen über das Medikament zu erhalten.
Tipranavir wird in Kombination mit niedrig dosiertem Ritonavir verabreicht, das die Wirkung von Tipranavir, einem sogenannten nicht-peptidischen Protease-Hemmer, verstärkt.
Der Wirkstoff Tipranavir
Als Protease-Inhibitor hemmt Tipranavir ein Enzym, das das Virus benötigt, um neue, infektiöse Viruspartikel zu bilden. Auf diese Weise senken Protease-Hemmer die Viruslast im Körper des Patienten. Leider entwickeln sich gegen diese Art Wirkstoff relativ schnell Resistenzen.
Nicht so bei Tipranavir, denn im Gegensatz zu anderen Protease-Hemmern besitzt Tipranavir als erster dieser Klasse keine peptidähnliche Struktur. Der nicht-peptidische Protease-Hemmer wird daher zur Therapie von HIV-Infizierten eingesetzt, die bereits intensiv antiretroviral behandelt worden sind und bei denen HIV gegen andere Portease-Hemmer resistent geworden ist.
Nebenwirkungen
Die bessere Wirksamkeit von Tipranavir gegenüber anderen Protease-Hemmern geht offenbar mit vermehrten Nebenwirkungen einher. Daher ist die Therapieabbruchrate bei Tipranavir relativ hoch. Häufig kommt es zu Durchfällen, Übelkeit, Kopfschmerz, Bauchschmerz und Hautausschlägen. Die Kombination von Tipranavir/Ritonavir könnte außerdem die Leber schädigen.
Eingeschränkte Zulassung 2005
Als Tipranavir 2005 beschleunigt zugelassen wurde, gab es noch keine zuverlässigen Daten über den Wirkstoff. Die beschleunigte Zulassung ist ein Genehmigungsverfahren für Therapien, bei lebensbedrohlichen Krankheiten, die einen entscheidenden Nutzen für Patienten gegenüber bestehenden Therapien aufweisen. Jetzt liegen zuverlässige Daten aus langfristigen Studien vor und die Zulassung von Tipranavir ist amtlich.
Juni 2008
HIV-Neuinfektionen – Tendenz steigend
Der Halbjahresbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin für die 2. Hälfte 2007 gibt nicht unbedingt Anlass zum Jubeln.
Aus dem Bericht wird deutlich: Die Zahl der HIV-Neuinfektionen in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr 2006 insgesamt um 4% gestiegen. Hauptbetroffene sind mit 65% Männer, die Sex mit Männern haben. In dieser Gruppe stieg die Zahl der Neuinfektionen verglichen zum Vorjahr sogar um 12%.
Andere sexuell übertragbare Erreger begünstigen die HIV-Übertragung
Laut RKI ist diese erschreckende Bilanz offenbar nicht auf ein abnehmendes Schutzverhalten bei den homosexuellen Männern zurückzuführen, sondern vermutlich auf die Zunahme anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen, allen voran der Syphilis. Denn der Syphilis-Erreger, wie auch andere, führt dazu, dass das HI-Virus leichter übertragen wird. Genauer, HIV-Positive mit einer zusätzlichen sexuell übertragbaren Erkrankung geben das HI-Virus leichter weiter, sind also infektiöser. Und: Personen, die z. B. an Syphilis erkrankt sind, können sich leichter mit dem HI-Virus anstecken.
Die gute Nachricht
Der Anteil der HIV-Neuinfektionen unter Drogenkonsumenten und Migranten aus Hochprävalenzgebieten (in denen HIV und Aids stark verbreitet sind) ist kleiner geworden.
Bei den Frauen sank der Anteil an den HIV-Neudiagnosen 2007 auf 16,1%. Das ist der niedrigste prozentuale Wert seit Beginn der differenzierten Erfassung 1993.
25 neu diagnostizierte HIV-Infektionen betrafen Kinder
Von den 25 infizierten Kindern wurden 16 in Deutschland geboren.
Offenbar war der Mehrheit der werdenden Mütter dieser Kinder kein HIV-Test in der Schwangerschaft angeboten worden.
Die Mutterschaftsrichtlinien sehen jedoch vor, dass die betreuenden Ärzte dazu verpflichtet seien, einen HIV-Test im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge-Untersuchungen anzubieten.
Das betonte der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen bereits im Dezember 2007.
Mai 2008
Neue Hoffnung für Lipodystrophie-Betroffene
40-50% aller HIV-Infizierten unter antiretroviraler Therapie sind von der sogenannten Lipodystrophie betroffen. Jetzt belegt eine Studie: Die Gabe des synthetisch hergestellten Hormons Tesamorelin unterbindet die unschöne Fettumverteilung und wirkt sich positiv auf die Lipidwerte (Blutfette) aus. Bis ein entsprechendes Medikament auf den Markt kommt, ist demnach nur noch eine Frage der Zeit.
Lipodystrophie
Lipodystrophie ist eine Stoffwechselstörung, die nicht nur eine Erhöhung der Blutfette (Cholesterin, Triglyceride) sondern auch eine Veränderung der Körperfettverteilung zur Folge hat.
Charakteristisch ist die Abnahme des Unterhautfetts (Lipoatrophie) vor allem im Gesicht, an den Extremitäten und am Gesäß sowie die Vergrößerung der Fettpolster an Bauch, Brust und Rücken.
Die Lipodystrophie ist für HIV-Infizierte nicht nur ein kosmetisches Problem, auch das Risiko an Diabetes oder an kardiovaskulären (Herz und Gefäße betreffenden) Leiden zu erkranken ist erhöht.
Lipodystrophie tritt als Nebenwirkung vor allem bei Patienten auf, die mit Medikamenten der Arzneistoffgruppen der NRTI (nukleosidanaloge Reverse Transkriptase Hemmer) und PI (Protease-Hemmer) behandelt werden.
Tesamorelin gegen Lipodystrophie
Schon in der Vergangenheit hat es diverse Versuche gegeben, die Lipodystrophie zu beheben. Die besten Ergebnisse wurden dabei mit Wachstumshormonen erzielt. Leider traten dabei immer wieder starke Nebenwirkungen besonders beim Glukosestoffwechsel auf.
Jetzt ist ein neuer Anwärter am Start: Tesamorelin, ein synthetisches Hormon, das die Freisetzung des Wachstumshormons Somatotropin aus der Hypophyse bewirkt. Über diesen „Umweg“ werden die unerwünschten Nebenwirkungen offenbar weitgehend vermieden.
Studie belegt die Wirksamkeit von Tesamorelin
Die Wirksamkeit von Tesamorelin wurde bereits in einer 2007 veröffentlichten randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie nachgewiesen. Teilnehmer waren 412 HIV-Patienten mit Lipodystrophie, die sich täglich 2 mg Tesamorelin oder Placebo injizierten. Nach 26 Wochen war bei den Patienten der Tesamorelin-Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe ein Fünftel des Bauchfetts verschwunden. Die Wirksamkeit war bei Frauen und Männern gleich und auch der Einfluss auf die Lipidspiegel war positiv. Die Cholesterol- und Triglycerid-Werte waren bei den Tesamorelin-Patienten signifikant niedriger als bei den Placebo-Patienten, die HDL-Spiegel dagegen deutlich erhöht. Auch die Nachbeobachtungszeit im Anschluss an die Studie fiel positiv aus.
Allerdings zeigte sich, dass nach Absetzen der Tesamorelingabe die Symptome der Lipodystrophie wieder auftraten.
Um letzte Zweifel an der Sicherheit des Medikaments auszuräumen, wird zurzeit eine zweite randomisierte, doppelblinde Phase-III-Studie gleichen Designs durchgeführt. Diese soll Mitte 2008 abgeschlossen sein. Dann steht der Einführung eines entsprechenden Medikaments hoffentlich nichts mehr im Weg.
Maßnahmen gegen Lipodystrophie
Weiterhin ist also allen Betroffenen angeraten, eigene Maßnahmen gegen die Lipodystrophie zu ergreifen:
Es gilt das Rauchen aufzugeben, Diät zu halten und sich viel zu bewegen.
Ein Bluthochdruck sollte vom Arzt medikamentös behandelt werden. Zeigen diese Maßnahmen keine Wirkung, fragen Sie Ihren Facharzt um Rat.
Mai 2008
Reyataz™ 300 – eine Kapsel weniger pro Tag
Patienten, die mit dem Medikament Reyataz™ behandelt werden, haben nun Grund zur Freude. Seit dem 15.05.2008 können sie sich auf nur eine Kapsel täglich beschränken.
Statt täglich zwei Kapseln à 150mg nehmen sie dann nur noch eine Kapsel Reyataz™ 300 (à 300mg) ein.
Die Einnahmevorschriften bleiben dabei unverändert. Reyataz™ wird zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen.
Reyataz™ ist ein Medikament zur Behandlung von HIV-Infektionen und enthält den Wirkstoff Atazanavir. Bisher wurde Reyataz™ in zwei Einzeldosen à 150mg verabreicht. Reyataz™ gehört zur Gruppe der Protease Hemmer, die den Zusammenbau neuer Viren verhindern.
In der Regel wird Atazanavir in Kombination mit anderen HIV-Präparaten eingesetzt.
April 2008
PEP - die „Pille-danach“ gegen mögliche HIV-Infektion
Sex mit dem HIV-positiven Partner und plötzlich platzt das Kondom. Die Sorge um eine mögliche Ansteckung ist in so einem Fall natürlich groß.
Aber die Chancen, eine potentielle Infektion mit dem HI-Virus erfolgreich abzuwenden, stehen gut. Wichtig ist, dass der oder die Betroffene schnell handelt.
Die Maßnahme, die einer möglichen HIV-Infektion vorbeugt, heißt HIV-Postexpositions-Prophylaxe, kurz PEP.
Schnell reagieren
Je schneller eine PEP nach einer potentiellen Infektion eingeleitet wird, desto größer ist die Chance, dass die HIV-Infektion verhindert wird. Der Erfolg lässt sich zwar nicht garantieren, aber der Schutzeffekt wird auf 80% geschätzt.
Die prophylaktisch (vorbeugend) verabreichten antiretroviral wirksamen Medikamente sollten zeitnah eingenommen werden - am besten innerhalb von zwei Stunden, möglichst innerhalb von 24, aber nie später als 72 Stunden nach einer möglichen Infektion mit dem HI-Virus. Die Behandlung, die die Kombination von drei verschiedenen Wirkstoffen vorsieht, setzt der Betroffene dann über einen Zeitraum von vier Wochen fort.
Infektion abhängig von der Erregermenge
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine HIV-Übertragung statt findet, hängt von der übertragenen Erregermenge ab. Das heißt, je höher die Viruslast des Infizierenden ist, und je länger das infektiöse Sekret, also Blut, Sperma oder Vaginalsekret, in Kontakt mit Wunden oder Schleimhäuten kommt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des Virus.
Sofort-Maßnahmen
Wenn Sie Kontakt mit infektiösen Körperflüssigkeiten hatten, können Sie einiges tun, um das Ansteckungsrisiko zu verringern:
- Kommt infektiöses Sekret in Kontakt mit Stich- oder Schnittverletzungen, erhöhen Sie den Blutfluss durch Druck auf das umliegende Gewebe.
- Geschädigte Haut oder Schleimhaut sollte intensiv gespült werden, möglichst mit einem Antiseptikum, zumindest aber mit Wasser.
- Bei einer eventuellen Übertragung durch sexuellen Kontakt spülen Sie die infektiöse Körperflüssigkeit so schnell wie möglich von der Schleimhaut ab. Penis, Eichel und die Innenseite der Vorhaut unter fließendem Wasser mit Seife waschen.
- Eine Scheiden- oder Darmspülung wird nicht empfohlen, da das Verletzungsrisiko relativ groß ist und dem Virus neue Eintrittspforten in den Körper öffnen würde.
- Wasserlassen hilft, virushaltiges Material aus der Harnröhre zu spülen.
- Samenflüssigkeit im Mund sofort ausspucken und anschließend den Mund mit Wasser oder besser mit hochprozentigem Alkohol (über 40%) spülen.
Danach suchen Sie bitte unverzüglich einen Arzt (Infektiologe) auf.
Der Arzt empfiehlt eine PEP
Ihr Arzt bespricht mit ihnen, wie groß die Infektionsgefahr tatsächlich ist und ob eine medikamentöse Behandlung notwendig ist.
Sollte ihr Arzt ihnen eine HIV-Postexpositionsprophylaxe empfehlen, stehen verschiedene HIV-Medikamente zur Verfügung, die miteinander kombiniert werden.
Die Nebenwirkungen der PEP betreffen meist den Magen-Darm-Trakt.
Vor der PEP werden Sie auf HIV getestet, um sicher zu gehen, dass Sie selbst nicht HIV-positiv sind. Ansonsten besteht die Gefahr dass sich Resistenzen bilden, da die Medikamente bei der PEP nur vier Wochen eingenommen werden.
Teilen Sie ihrem Arzt mit, ob der Ansteckende selbst HIV-Medikamente einnimmt. Der Arzt wird diese Information wegen eventuell bestehender Resistenzen bei der Auswahl ihrer PEP berücksichtigen.
Sollten Sie sich an eine Klinik wenden, erhalten Sie dort eine Medikamentendosis, die bis zur nächsten Sprechstunde einer HIV-Schwerpunktpraxis reicht.
Da HIV-Medikamente nicht explizit für eine PEP zugelassen sind, lässt sich ihr Arzt schriftlich bestätigen, dass Sie als „Patient“ über die Behandlung aufgeklärt wurden und damit einverstanden sind.
Nach Beendigung der PEP sollten Sie nach 6 Wochen und noch mal nach 3 Monaten einen HIV-Antikörpertest machen.
Kosten
Die Kosten für die PEP werden im Fall einer „privaten Exposition“, nicht von der Krankenkasse übernommen und müssen selber getragen werden (Zurzeit zwischen 1.200€ und 1.800€). Bei beruflicher Exposition werden die Kosten von der gesetzlichen Unfallversicherung übernommen.
Berliner Kliniken, in denen Sie rund um die Uhr eine HIV-PEP erhalten:
Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum
Rubensstr. 125, 12157 Berlin, Tel.: (030) 130200
Charité, Campus Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30, 12203 Berlin, Tel.: (030) 84450
Charité, Campus Virchow-Klinikum
Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin, Tel.: (030) 85050
April 2008
Viracept® wieder auf dem Markt
Nach dem Rückruf im vergangenen Jahr ist das HIV-Medikament Viracept® (Wirkstoff Nelfinavir) jetzt wieder auf dem Markt. Der Herstellungsprozess sei geändert und diese Änderung von der EU-Kommission genehmigt worden, teilte Roche am Donnerstag, dem 11.04.2008, in Basel mit.
Im Juni letzten Jahres hatte der Baseler Pharmakonzern Roche das HIV-Medikament europaweit zurückgerufen. Der Grund: Einige Chargen des Präparats waren bei der Herstellung mit der erbgutschädigenden Chemikalie Methansulfonsäureethylester verunreinigt worden. Im August 2007 hatte die EU-Kommission die Zulassung von Viracept® deshalb vorübergehend ausgesetzt.
Bereits im September 2007 hatte sich der Ausschuss für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittelagentur EMEA für die Wiederzulassung von Viracept® ausgesprochen. Da die Inspektoren der EMEA sich jedoch erst davon überzeugen mussten, dass der Herd der Verunreinigung gefunden und beseitigt worden war, verzögerte sich die erneute Markteinführung.
Der Wirkstoff Nelfinavir ist ein Virenhemmer der ersten Generation. Inzwischen gebe es zwar neuere Medikamente, für manche HIV-Patienten sei das Mittel jedoch weiterhin wichtig, etwa weil sie andere Präparate nicht vertragen, teilte Roche mit. Außerdem sei Nelfinavir hitzestabil und müsse nicht gekühlt werden. Dies ist für viele Entwicklungsländer von großer Bedeutung.
Februar 2008
Isentress – neues Medikament für HIV-Patienten mit Resistenzen
Am 21.12.2007 hat die EU-Kommission ein neues Medikament zur Behandlung von HIV-Patienten mit Arzneimittel-Resistenzen zugelassen. Die Zulassung gilt für alle 27 EU-Staaten sowie für Norwegen und Island.
Isentress, so der Handelsname, enthält den Wirkstoff Raltegravir und wird in Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln eingesetzt. Das Medikament ist zugelassen für erwachsene, vorbehandelte Patienten, bei denen andere HIV-Medikamente durch Resistenzen unwirksam geworden sind.
Isentress wird zweimal täglich als 400mg-Einzeltablette unabhängig von der Nahrungsaufnahme eingenommen.
Als Nebenwirkungen werden vor allem Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und Fieber genannt. Häufigkeit und Schwere der Nebenwirkungen bewegen sich jedoch auf Placeboniveau, d.h. das Medikament ist gut verträglich.
Ein bedeutender Schritt vorwärts in der HIV-Therapie
Neu an Raltegravir ist sein Wirkmechanismus. Raltegravir hemmt die Integrase, eines von drei Enzymen, das für die Vermehrung des HIV-Virus verantwortlich ist.
Die Integrase steuert den Einbau der Erbsubstanz des Virus in das Erbgut der befallenen Zelle. Wird die Integrase gehemmt, können die Gene des HI-Virus nicht in das Erbgut der Wirtszelle eingebaut werden. Auf diese Weise lässt sich die virale Vermehrung und damit die Ausbreitung der HIV-Infektion auf andere Körperzellen verhindern.
Es gibt zwar bereits Präparate, die die anderen beiden für die Vermehrung des HI-Virus verantwortlichen Enzyme, Protease und Reverse Transkriptase, blockieren, aber Raltegravir ist der bisher einzige zugelassene Integrase-Hemmer (Integrase-Inhibitor).
Doppelblindstudien ermöglichten Zulassung
Die Zulassung von Isentress basiert auf zwei doppelblinden, placebo-kontrollierten klinischen Studien.
Dabei wurde der Wirkstoff Raltegravir 24 Wochen lang an HIV-Patienten mit Resistenzen gegen mindestens ein HIV-Medikament getestet.
Für die Studien wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen unterteilt: Eine Gruppe erhielt zu ihrer optimierten Basistherapie (OBT) ein Placebo, die andere Gruppe zusätzlich zur OBT zweimal täglich 400mg Raltegravir.
Im Ergebnis ließ sich für die mit Raltegravir behandelte Gruppe folgendes feststellen:
- die HIV-RNA-Last verringerte sich(auf unter 400 Kopien/ml),
- die Viruslast verringert sich(auf unter 50 Kopien/ml) und
- die CD4-Zellenzahl steigt.
Ein Video, das den Wirkmechanismus von Raltegravir veranschaulicht, finden Sie unter http://www.hiv-integrase.de.
Januar 2008
Neue HIV-Therapie – nur eine Tablette pro Tag
Vor 10 Jahren wurden die ersten HAART-Regime entwickelt (HAART steht für "hoch aktive antiretrovirale Therapie"). Damals mussten HIV-Patienten noch bis zu 30 Tabletten täglich einnehmen. Mit Atripla® genügt jetzt eine Pille pro Tag.
Mitte Dezember 2007 hat die europäische Arzneimittelbehörde ein neues Präparat zugelassen. Atripla® - so der Name des Präparats – bietet eine Dreifachkombination aus verschiedenen Wirkstoffen. Es enthält
- Efavirenz 600mg,
- Emtricitabin 200mg,
- Tenofovir Disoproxil Fumarat 300mg.
Das Besondere daran: Es ist die bisher erste und einzige HIV- bzw. AIDS-Therapie, bei der täglich nur eine Einzeltablette verabreicht wird.
Atripla® ist zwar nicht das erste Kombinationspräparat in der HIV-Therapie, aber es ist das erste, das die gesamte Therapie mit nur einer Tablette täglich abdeckt. Diese soll auf nüchternen Magen eingenommen werden, vorzugsweise vor dem Zubettgehen, um unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem zu vermeiden.
Atripla® ist zugelassen als eigenständige Therapie und in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten der HIV-1-Infektion bei Erwachsenen mit einer mehr als dreimonatigen Virussupression von unter 50 Kopien/ml, sofern kein Therapieversagen auftrat und keine Hinweise auf Resistenzen gegen einen der drei Bestandteile von Atripla® bestehen.
In den USA ist das Medikament seit dem Sommer 2006 auf dem Markt und steht seither als Therapie zur Behandlung von Patienten, die eine HIV-Behandlung begonnen haben, an erster Stelle.
Januar 2008
Sperma-Protein erhöht Infektionsgefahr mit HIV dramatisch
Wie eine neue Studie zeigt, erhöhen Eiweißbruchstücke, die in großen Mengen in der menschlichen Samenflüssigkeit vorkommen, die Infektionsrate des HI-Virus um das rund 1000-fache. Diese Entdeckung wirft ein neues Licht auf die Vorgänge bei der sexuellen Übertragung des Virus und eröffnet neue Möglichkeiten, die Ausbreitung von AIDS zu verhindern.
Bisher stand die Wissenschaft vor einem Rätsel: Die Virusmenge, die beim heterosexuellen Verkehr übertragen wird, ist für eine erfolgreiche Infektion mit HIV eigentlich viel zu gering. Dennoch entstehen 80% der HIV-Infektionen durch sexuellen Kontakt.
Nach mehr als 10 Jahren intensiver Forschung haben Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover und der Universität Ulm jetzt eine interessante Entdeckung gemacht: Sie fanden in der menschlichen Samenflüssigkeit kleine Eiweissbruchstücke (Peptide), die sich aus der sauren Prostata- Phosphatase abspalten. Die saure Prostata-Phosphatase (PAP) ist ein in der Prostata gebildetes Enzym. Die Forscher um Frank Kirchhoff und Jan Münch konnten nachweisen, dass die entdeckten Peptide sogenannte amyloide Fibrillen ausbilden, Fasern, die das Virus wie mit einer Fähre in die infizierbaren Lymphzellen schleusen.
"Diese Fibrillen, als Semen-Enhancer of Virus Infection (SEVI) bezeichnet, binden HIV-Partikel mit hoher Effizienz und verstärken die Anheftung der Viren an die Zielzellen", so der Ulmer Virologe Jan Münch.
Weitere Versuche belegen, dass in Gegenwart der infektionsverstärkenden SEVI-Fibrillen nur einige wenige Viruspartikel nötig sind, um Zellen zu infizieren – "mehr als 1000-fach weniger als sonst", berichtet Frank Kirchhoff, der Seniorautor der Studie.
Außerdem fanden die Forscher heraus, dass derartige Fibrillen weit häufiger auftreten als bisher angenommen und ihre Fähigkeit, virale Infektionen zu verstärken, nicht nur auf HIV beschränkt ist.
Mit ihren Untersuchungsergebnissen haben die Wissenschaftler um Kirchhoff und Münch ein neues Kapitel in der AIDS-Forschung aufgeschlagen. Allerdings gilt es noch etliche Fragen zu klären, beispielsweise:
Wie helfen die Fibrillen dem Virus, in die Zielzellen zu gelangen?
Ist die Konzentration der SEVI-Fibrillen von Mann zu Mann unterschiedlich?
Schon jetzt arbeiten die Forscher an der Entwicklung von Wirkstoffen, die die Bildung von Fibrillen bzw. deren infektionsverstärkende Wirkung hemmen sollen. Denn wie auch Kirchhoff betont, wird es in naher Zukunft keine effektiven Impfstoffe zur Verhinderung der HIV-Übertragung geben.
Wenn es also gelänge, die Aktivität der Fibrillen zu blockieren, wäre dies ein Durchbruch: Das Risiko der sexuellen Übertragung von HIV ließe sich damit drastisch reduzieren.
Quelle: Cell 2007/131: 1059-1071
November 2007
Welt-AIDS-Tag 2007
„Gemeinsam gegen Aids. Wir übernehmen Verantwortung – für uns selbst und andere“
Unter diesem Motto findet am 1. Dezember der diesjährige Welt-AIDS-Tag statt.
Rund um den Globus rufen an diesem Tag zahlreiche Organisationen mit Veranstaltungen zur Solidarität auf - mit Infizierten, Kranken und denen, die ihnen nahe stehen.
Politik, Wirtschaft, Medien und die gesamte Gesellschaft sollen an das Thema AIDS erinnert werden:
- daran, dass das HI-Virus noch lange nicht besiegt ist, wie die traurige Zahl von deutschlandweit 1384 Neuinfektionen im 1. Halbjahr 2007 beweist,
- daran, dass weltweit über 40 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert sind und
- daran, dass sich jährlich 4 Millionen Menschen neu infizieren.
Auch in diesem Jahr werben wieder viele engagierte Promis um Aufmerksamkeit für das Thema und um Solidarität mit den Betroffenen - darunter die Schauspielerin Christiane Paul, Eisschnellläuferin Anni Friesinger, Rapper Samy Deluxe und Fußball-Nationalspieler Philipp Lahm.
1988 deklarierte die WHO den 1. Dezember erstmals zum Welt-Aids-Tag.
Auf einem Weltgipfel sprachen sich damals die Gesundheitsminister für einen intensiveren Austausch von Informationen über HIV und AIDS aus. Seitdem wird dieser Tag jährlich von der UNAIDS ausgerichtet.
In Deutschland organisiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gemeinsam mit der Deutschen AIDS-Hilfe und der Deutschen AIDS-Stiftung den Welt-AIDS-Tag. Ziele sind die Bekämpfung von AIDS durch Aufklärung und Schutz und die Stärkung der Solidarität.
Ebenfalls in den 80er Jahren schuf der New Yorker Frank Moore die Rote Schleife (Red Ribbon). Sie gilt bis heute als weltweites Symbol für Solidarität mit HIV-Infizierten und AIDS-Kranken.
Setzen auch Sie ein Zeichen: Tragen auch Sie die Rote Schleife und zeigen Sie ihre Solidarität.
Die Rote Schleife sowie Antworten auf ihre Fragen rund ums Thema HIV und AIDS erhalten Sie am 1. Dezember in ihrer Filiale der BerlinApotheke.
Oktober 2007
Maraviroc steht als erster Vertreter einer neuen Substanzklasse kurz vor der Markteinführung
Am 24. September 2007 hat die EU-Kommission dem neuen HIV-Wirkstoff Maraviroc der Firma Pfizer die europaweite Zulassung erteilt.
Der Wirkstoff Maraviroc (Kurzform: MVC), der in Europa unter dem Handelsnamen Celsentri® vertrieben wird, ist ein so genannter CCR5-Inhibitor. Er stellt das erste Medikament eines völlig neuen Therapieansatzes dar und kommt in Kombinationstherapie mit anderen antiretroviralen Medikamenten bei Patienten mit vorangegangenem Therapieversagen zur Anwendung.
Allerdings wirkt Maraviroc nur bei Patienten, die ausschließlich mit einer bestimmten Virusvariante (CCR5-trope Viren) infiziert sind.
Das neue Medikament wirkt nicht wie Protease-Hemmer oder Reverse-Transkriptase-Hemmer im Zellinneren, sondern von der Außenseite der weißen Blutzellen.
Das HI-Virus benötigt zum Eindringen in die CD4-Zellen verschiedene Rezeptoren: einen Hauptrezeptor und weitere Co-Rezeptoren.
Die Grundlagen der Forschung an diesem Wirkprinzip wurden erst im Jahre 1996 entdeckt, als man Prostituierte in Afrika untersuchte, die trotz HIV-Infektion keine schwere Immunschwäche entwickelten.
Es stellte sich heraus, dass diese Frauen Trägerinnen einer genetischen Mutation waren, die heute als Delta32 bekannt ist und die etwa ein Prozent der Bevölkerung tragen. Diese Mutation scheint nach heutigem Stand des Wissens einzig darin zu resultieren, dass die Bildung eines Co-Rezeptors auf den CD4 Zellen unterbleibt.
Dieser Co-Rezeptor trägt den Namen CCR5 (Kurzform: R5) und ist für den viralen Zelleintritt von HIV in die CD4 Zelle von Nöten.
Maraviroc vermag den Rezeptor CCR5 zu blockieren und versperrt dem Virus somit den Eintritt in die Körperzelle.
Da es jedoch verschiedene Virustypen gibt, die nicht alle CCR5 nutzen, muss vor Verordnung des neuen Medikaments ein so genannter Tropismustest am Patienten durchgeführt werden, der beweist, dass ausschließlich CCR5-tropes HIV-1 vorliegt. Dies ist bei über 50 Prozent der HIV-infizierten der Fall.
Bei Infektion mit einem anderen Virustypen, der einen anderen Co-Rezeptor nutzt, (Typ CXCR4) ist das neue Medikament jedoch wirkungslos.
Auch ist eine Infektion mit beiden Virusstämmen möglich; beide Rezeptoren können zum Zelleintritt genutzt werden. Diesen Fall nennt man dual-tropes Virus.
In den für die Zulassung relevanten Studien („MOTIVATE“ 1 und 2) wurden über 1.000 Patienten mit einer Viruslast über 5.000 Kopien/ml zusätzlich zu ihrer optimierten antiretroviralen Basistherapie (Kurzform: OBT) entweder mit Maraviroc oder Placebo behandelt. Dabei zeigte sich, dass Maraviroc zusammen mit der OBT zu einer wesentlich stärkeren Senkung der Viruslast führte, als bei Patienten, die ausschließlich die OBT erhielten.
Unter Maraviroc erreichten im Vergleich zu Placebo etwa doppelt so viele Patienten (zirka 45 Prozent der Studienteilnehmer) eine Viruslast unter der Nachweisgrenze (23 Prozent der Placebo behandelten Patienten).
Auch stieg die Zahl der CD4-Zellen signifikant stärker an (plus zirka 107 Zellen/µl bei Maraviroc im Vergleich zu plus 57,4 Zellen/µl bei Placebo).
Das Ausmaß an unerwünschten Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Kopfschmerzen, ebenso wie das Ausmaß an Studienabbrüchen unterschied sich in Verum- und Placebogruppe jedoch nicht.
Diese Ergebnisse der 24-Wochen-Studie bestätigten sich auch in Folge- beobachtungen über insgesamt 48 Wochen.
Einzige auf den Wirkstoff Maraviroc zurückzuführende Nebenwirkung scheint eine erhöhte Erkrankungsrate für das in Europa kaum verbreitete West-Nile-Fever zu sein.
Celsentri®, erhältlich in den Stärken 150 und 300 mg, wird zweimal täglich unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen.
Da die Tabletten bestimmte Lipide enthalten, gelten Überempfindlichkeiten gegen Erdnüsse und Soja als Kontraindikation.
Die Lagerung des Medikaments erfolgt bei Zimmertemperatur.
Somit steht ab 15. Oktober 2007 ein völlig neuer Therapieansatz für Therapie erfahrene Erwachsene zur Verfügung.
Innerhalb von nur zehn Jahren hat man einen zuvor völlig unbekannten Rezeptor entdeckt, seine Wirkweise und Bedeutung verstanden, eine Substanz entwickelt und diese zur Zulassung gebracht.
August 2007
Kosmetische Behandlung der Lipoatrophie – eine Informationsveranstaltung für HIV-Patienten
HIV – Medikamente können trotz guter Wirksamkeit langfristig das Aussehen eines Patienten verändern. Die sogenannte Lipoatrophie ist eine typische Langzeitnebenwirkung und lässt das Unterhautfettgewebe im Bereich des Gesichtes, der Extremitäten und des Gesäßes schwinden. Eingesunkene Wangen und eine insgesamt hagere Erscheinung sind dann für Außenstehende nicht selten ein Grund für Nachfragen. Ihre Krankheit hat nunmehr ein Gesicht bekommen. Verschiedene Methoden zur kosmetischen Behandlung der Lipoatrophie im Bereich des Gesichtes stehen zur Verfügung. Welche davon bringen tatsächlich zufriedenstellende Ergebnisse, wie lange hält der Effekt an und was kostet die Behandlung (die normalerweise nicht von den Krankenkassen erstattet wird)? Dies sind nur einige Fragen, die Ihnen der auf diesem Gebiet erfahrene Dermatologe Dr. Hans-Jörg Reupke beantworten wird. Die Veranstaltung findet am 28.08.2007 um 19:00 in den Räumen der Insumed GmbH (über der BerlinApotheke Oranienburger Tor, Oranienburger Strasse 51, Berlin Mitte) in kleinem Kreis mit interessierten Patienten statt. Nachdem Herr Dr. Reupke die derzeit genutzten kosmetischen Methoden vorstellt hat, steht er Ihnen gerne für Ihre Fragen zur Verfügung. Für Getränke und einen kleinen Imbiss ist gesorgt. Auf Grund der begrenzten Teilnehmerzahl bitten wir Sie um eine rechtzeitige und verbindliche Anmeldung. Sie können sich wie folgt zu dieser Veranstaltung anmelden: Telefonisch: 030 283 35 30 Per mail: m.philipp@berlinapotheke.de
Juni 2007
Roche ruft den Proteasehemmer Nelfinavir (Viracept) zurück
Am 06.06.07 hat die Firma Hoffmann-La Roche den Rückruf aller Zubereitungsformen Ihres Medikaments Viracept® bekannt gegeben. Seit diesem Zeitpunkt ruht die europäische Zulassung für den Proteaseinhibitor mit dem Wirkstoff Nelfinavir, der seit 1998 auf dem deutschen Markt war.
Nachdem verschiedene Chargen des Medikaments einen „eigenartigen oder unangenehmen Geruch“ aufwiesen, der in einigen Fällen zu Übelkeit und Erbrechen führte, konnten anhand chemischer Analysen hohe Konzentrationen des potentiell krebserregenden Stoffes Methansulfonsäureethylester (EMS, Ethylmethansulfonat) nachgewiesen werden. Die Wirkung von EMS am Menschen ist noch nicht untersucht worden. Tierstudien zeigen jedoch, dass die Chemikalienklasse der Alkylmesylate, zu welcher EMS gehört, aus genotoxischen, kanzerogenen Substanzen besteht. Das potenzielle Langzeitrisiko ist bisher unbekannt. Als Ursache werden Verunreinigungen genannt, die wahrscheinlich dem Herstellungsprozess entstammen.
Seit dem Zeitpunkt des Rückrufs werden alle Ärzte aufgefordert, im Rahmen der HIV Therapie andere Proteasehemmer einzusetzen. Dennoch wird empfohlen, dass Viracept ®-Patienten ihre gesamte Medikation so lange weiter einnehmen, bis sie vom Arzt auf eine Alternativtherapie umgestellt werden. Diese sollte nach individuellen Patientenmerkmalen ausgewählt werden, da jedes dieser Medikamente andere Eigenschaften bezüglich einer Vielzahl von Faktoren besitzt. Zu beachten sind etwa Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, oder auch Probleme mancher Proteaseinhibitoren bei Patienten mit Leberfunktionsstörungen.
Angebrochene Packungen sollen an den Arzt oder Apotheke zurückgegeben werden.
Als Folgemaßnahme auf das Rückrufverfahren hat der Hersteller Roche in Absprache mit der EMEA (die Europäische Arzneimittelagentur [European Medicines Agency] mit Sitz in London) ein weltweites Patientenregister eingerichtet, um betroffene Patienten zu erfassen und zu beobachten. Wie diese Erfassung im Einzelnen aussehen wird, ist jedoch nicht zuletzt wegen weltweit unterschiedlicher Datenschutzbestimmungen noch fraglich. Parallel dazu werden eine Reihe zusätzlicher Studien durchgeführt, um die potenziellen Wirkungen von Methansulfonsäureethylester weiter zu klären.
"Wir nehmen das Wohlergehen der Patienten ausgesprochen ernst. Nach unserem bisherigen Wissensstand gehen wir davon aus, dass für die Patienten nur ein geringes Risiko besteht, möchten aber sichergehen, dass die Patienten unter Beobachtung sind, und die Register werden eben dies ermöglichen," erklärt William B. Burns, CEO der Division Pharma von Roche. "Die Ursache für die vor kurzem festgestellten erhöhten Spiegel der verunreinigenden Substanz wurde gefunden und unser weiteres Vorgehen erfolgt wie mit der EMEA abgestimmt."
Aufgrund verschiedener Faktoren wurde der Wirkstoff Nelfinavir in Europa in den letzten Jahren allerdings kaum noch verwendet und gehörte nicht mehr zur Primärtherapie. Problematisch waren etwa die dreimal tägliche Einnahme von Viracept ®, die, obwohl im Allgemeinen gut verträglich, teilweise recht schweren Diarrhöen und vor allem eine im Vergleich zu geboosterten PI´ s schwächere Wirkung.
Roche bittet um Verständnis dafür, dass kein konkretes Datum genannt werden kann, ab dem Viracept ® wieder zu Verfügung steht. Vor Ende des Jahres wird damit aber sicherlich nicht zu rechnen sein, da abgewartet werden muss, bis die Daten aus Tierversuchen zur Verfügung stehen.
Sollten Sie noch Fragen betreffend des Rückrufs von Viracept ® haben, sprechen Sie uns bitte persönlich an, oder schicken Sie uns eine E-Mail!
