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Juni 2010
Onkologie - Einmalige Bestrahlung von innen bei Brustkrebs ausreichend

Dank moderner Technik ist es seit einigen Jahren möglich, während einer Brustkrebsoperation das Tumorbett direkt von innen zu bestrahlen. Nur, wie wirksam ist diese Art der Bestrahlung langfristig? Die jetzt vorliegenden Ergebnisse bestätigen den Erfolg der schonenden Behandlung.

Die neue Bestrahlungsmethode nennt sich IORT, intraoperative Radiotherapie, und funktioniert folgendermaßen: Sofort, nachdem der Tumor aus der Brust entfernt wurde, wird das Tumorbett, also das Gewebe um den herausoperierten Tumor, einmalig mit einer relativ hohen Strahlendosis 30 Minuten lang von innen bestrahlt. Eventuell noch vorhandene Krebszellen sollen damit abgetötet werden.

Bei der herkömmlichen Behandlungsstrategie wird die Brust mehrere Wochen lang täglich von außen bestrahlt. Verglichen damit ist die Belastung des neuen Verfahrens für die Patientin wesentlich geringer. Die IORT ist nicht nur einfacher und kürzer, sondern auch schonender für Haut und gesundes Gewebe.

Warum also ist die IORT nicht längst zum Behandlungsstandard geworden? Die Antwort lautet: weil es bisher noch keine gesicherten Ergebnisse dazu gab, wie sich die IORT langfristig auswirkt. Derartige Ergebnisse liefert jetzt die TARGIT-Studie. Die randomisierte klinische Studie hat 10 Jahre lang untersucht, ob sich mit der Einmalbestrahlung das Wiederauftreten von Krebs in der betroffenen Brust ebenso gut eindämmen lässt wie mit der herkömmlichen mehrwöchigen Bestrahlung.

Das Ergebnis

Die TARGIT-Studie zeigt, dass die IORT langfristig genauso wirksam ist wie die externe Bestrahlung. Nach vier Jahren trat nur bei einem Prozent der Patientinnen der Krebs in derselben Brust wieder auf. Auch die Nebenwirkungsrate war vergleichbar. Während bei der konventionellen Therapie häufig strahlenbedingte Hautschäden auftraten, mussten nach der Bestrahlung von innen etwas mehr Serome (Ansammlungen von Wundsekret) punktiert werden.

Die Studie
An der im März 2000 begonnenen internationalen Studie haben weltweit über 2230 Patientinnen teilgenommen. Das Durchschnittsalter der untersuchten Frauen betrug 63 Jahre. Alle Studienteilnehmerinnen hatten Tumoren im Frühstadium, die brusterhaltend operiert wurden. Die Hälfte der untersuchten Frauen wurde während der Operation 30 Minuten lang von innen mit dem Intrabeam®-Strahlensystem behandelt. Die andere Hälfte der Frauen wurde sechs Wochen lang täglich von außen bestrahlt.
Die Ergebnisse der TARGIT-Studie sind in der Juni-Ausgabe des renommierten Fachblatts "The Lancet" erschienen.

Aussicht
Aufgrund der Studienergebnisse könnte die IORT die Bestrahlung der ganzen Brust in Zukunft teilweise ablösen. Prof. Michael Baum, Vorsitzender des TARGIT-Komitees, zu den Aussichten:

"Wir von der TARGIT-Studiengruppe hoffen sehr, dass unsere Erkenntnisse einen Paradigmenwechsel bei der Behandlung geeigneter Patientinnen einleiten werden – vom Ansatz der herkömmlichen Strahlentherapie hin zu einer mehr individualisierten Bestrahlungstherapie."