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Juli 2010
Onkologie - "Früherkennung von Brustkrebs" - neue Broschüre
Wie hoch das Risiko für eine Brustkrebserkrankung ist, welche Früherkennungsmethoden es gibt, wo sie angeboten werden und welche Vor- und Nachteile sie haben – all diese und mehr Informationen liefert die neue "Frauenleitlinie". Die Broschüre "Früherkennung von Brustkrebs - eine Entscheidungshilfe für Frauen" enthält alle derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zum Thema Brustkrebs-Früherkennung in allgemein verständlicher Sprache. Ab dem 30. Lebensjahr haben gesetzlich versicherte Frauen in Deutschland Anspruch auf regelmäßige Brustkrebs-Früherkennungsuntersuchungen. Der neue Ratgeber soll Frauen die Entscheidung erleichtern, ob sie eine Früherkennung in Anspruch nehmen und welches Angebot für sie das richtige ist.
Juli 2010
Onkologie - Sonne tanken, aber richtig!
Die Sonne lacht, die Seele auch, aber die Haut ist in Gefahr. Kopf, Haut und Augen sollten der Sonne nicht ungeschützt ausgesetzt werden.
Der Hochsommer ist da, die Sonne brennt. Das hebt die Stimmung und kurbelt die Vitamin D-Produktion an. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Sonne insbesondere UV-A und UV-B-Strahlen im Übermaß gefährden die Haut. Jeder Sonnenbrand schädigt die Haut dauerhaft, auch wenn er nach einiger Zeit wieder verschwindet. Die Auswirkungen zeigen sich erst nach Jahren und Jahrzehnten in Form von Falten, Pigmentflecken oder möglicherweise sogar als Hautkrebs. Besonders Kinder sollten gut vor der Sonne geschützt werden, denn ihre Haut ist extrem dünn und empfindlich.
Als Faustregel gilt: Alles, was zu einer Rötung der Haut führt, ist ungesund. Sonnenschutzmittel verlängern zwar die Zeit, die geschützt in der Sonne verbracht werden kann abhängig vom Hauttyp und der Intensität der UV-Strahlung, aber sie halten die Strahlung nicht vollständig ab. Das tun auch Sunblocker nicht, auch wenn der Name diese Vermutung nahe legt.
Wer mit heiler Haut durch den Sommer kommen möchte, sollte folgende Regeln beachten:
- Schützen Sie sich durch geeignete Kleidung.
- Cremen Sie freie Körperstellen mit Sonnencreme ein.
- Achten Sie auf einen ausreichenden Lichtschutzfaktor: Je heller der Hauttyp, desto höher sollte der Lichtschutzfaktor sein.
- Cremen Sie sich 30 Minuten vor dem Sonnenbaden ein.
- Senkrecht besonnte Körperpartien besonders gut eincremen: Ohren, Nase, Schultern, Fußrücken.
- Cremen Sie sich auch bei wasserfesten Sonnencremes nach dem Baden erneut ein.
- Meiden Sie die Mittagssonne von 11 bis 15.00 Uhr.
- Tragen Sie eine Sonnenbrille, die die Augen wirksam vor UV-A- und UV-B-Strahlung schützt.
- Vergessen Sie den Sonnenhut nicht.
- 50 Sonnenbäder im Jahr sind mehr als genug!
Juni 2010
Onkologie - Einmalige Bestrahlung von innen bei Brustkrebs ausreichend
Die neue Bestrahlungsmethode nennt sich IORT, intraoperative Radiotherapie, und funktioniert folgendermaßen: Sofort, nachdem der Tumor aus der Brust entfernt wurde, wird das Tumorbett, also das Gewebe um den herausoperierten Tumor, einmalig mit einer relativ hohen Strahlendosis 30 Minuten lang von innen bestrahlt. Eventuell noch vorhandene Krebszellen sollen damit abgetötet werden.
Bei der herkömmlichen Behandlungsstrategie wird die Brust mehrere Wochen lang täglich von außen bestrahlt. Verglichen damit ist die Belastung des neuen Verfahrens für die Patientin wesentlich geringer. Die IORT ist nicht nur einfacher und kürzer, sondern auch schonender für Haut und gesundes Gewebe.
Warum also ist die IORT nicht längst zum Behandlungsstandard geworden? Die Antwort lautet: weil es bisher noch keine gesicherten Ergebnisse dazu gab, wie sich die IORT langfristig auswirkt. Derartige Ergebnisse liefert jetzt die TARGIT-Studie. Die randomisierte klinische Studie hat 10 Jahre lang untersucht, ob sich mit der Einmalbestrahlung das Wiederauftreten von Krebs in der betroffenen Brust ebenso gut eindämmen lässt wie mit der herkömmlichen mehrwöchigen Bestrahlung.
Das Ergebnis
Die TARGIT-Studie zeigt, dass die IORT langfristig genauso wirksam ist wie die externe Bestrahlung. Nach vier Jahren trat nur bei einem Prozent der Patientinnen der Krebs in derselben Brust wieder auf. Auch die Nebenwirkungsrate war vergleichbar. Während bei der konventionellen Therapie häufig strahlenbedingte Hautschäden auftraten, mussten nach der Bestrahlung von innen etwas mehr Serome (Ansammlungen von Wundsekret) punktiert werden.
Die Studie
An der im März 2000 begonnenen internationalen Studie haben weltweit über 2230 Patientinnen teilgenommen. Das Durchschnittsalter der untersuchten Frauen betrug 63 Jahre. Alle Studienteilnehmerinnen hatten Tumoren im Frühstadium, die brusterhaltend operiert wurden. Die Hälfte der untersuchten Frauen wurde während der Operation 30 Minuten lang von innen mit dem Intrabeam®-Strahlensystem behandelt. Die andere Hälfte der Frauen wurde sechs Wochen lang täglich von außen bestrahlt.
Die Ergebnisse der TARGIT-Studie sind in der Juni-Ausgabe des renommierten Fachblatts "The Lancet" erschienen.
Aussicht
Aufgrund der Studienergebnisse könnte die IORT die Bestrahlung der ganzen Brust in Zukunft teilweise ablösen. Prof. Michael Baum, Vorsitzender des TARGIT-Komitees, zu den Aussichten:
"Wir von der TARGIT-Studiengruppe hoffen sehr, dass unsere Erkenntnisse einen Paradigmenwechsel bei der Behandlung geeigneter Patientinnen einleiten werden – vom Ansatz der herkömmlichen Strahlentherapie hin zu einer mehr individualisierten Bestrahlungstherapie."
Juni 2010
Onkologie - Neuer Ratgeber für Patienten mit Prostatakrebs
Der von der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. herausgegebene Patientenratgeber "Prostatakrebs II – lokal fortgeschrittenes und metastasiertes Prostatakarzinom" steht ab sofort zur Verfügung. Er erläutert leicht verständlich die aktuellen Behandlungsleitlinien und liefert weiterführende Informationen zum Thema. Betroffene erhalten damit einen Überblick über Diagnose- und Therapiemöglichkeiten, die dem aktuellen medizinischen Wissensstand entsprechen und derzeit zur Verfügung stehen.
Gut informiert fällt es betroffenen Männern oftmals leichter, notwendige Therapieentscheidungen zu treffen.
Ein Ratgeber zum lokal begrenzten Prostatakrebs liegt bereits vor - bestellbar als Broschüre bei der Deutschen Krebshilfe oder ebenfalls als kostenloser Download: www.aezq.de/edocs/pdf/info/pl-prostatakarzinom
Mai 2010
Onkologie - Neue Methode bei nicht-operablem Bauchspeicheldrüsenkrebs
Bauchspeicheldrüsenkrebs ist die Krebserkrankung, die am vierthäufigsten zum Tod führt. Das Problem: Das Pankreaskarzinom verursacht meist erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome. Häufig ist es dann für eine Operation zu spät und die Überlebensprognose mit durchschnittlich fünf bis acht Monaten sehr gering. Die Operation ist bisher jedoch die einzig wirksame Behandlungsform für diese Krebsart. Allerdings kommt sie nur bei 10 bis 20 Prozent aller Erkrankten sofort infrage.
Jetzt haben Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der TU München herausgefunden, dass ein nicht-operables Pankreaskarzinom durch eine sogenannte neoadjuvante Therapie häufig doch noch operiert werden kann. Dabei wird der Krebs zuerst vorbehandelt, also bestrahlt und mit einer Chemotherapie behandelt, sodass der Tumor schrumpft. Immerhin ein Drittel der vorbehandelten Patienten kann im Anschluss doch operiert werden. Bei ihnen, so zeigen es die Forschungsergebnisse, ist die Überlebensrate ähnlich hoch wie die der sofort operierten Patienten.
Die Forschung
Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler sämtliche Studien der letzten 30 Jahre unter die Lupe genommen, die sich mit den Auswirkungen neoadjuvanter Therapien beim Pankreaskarzinom beschäftigten. Ausgewertet wurden die Daten von 111 verschiedenen Studien, also von rund 4.400 Patienten.
Das Ergebnis: Während Patienten, deren Tumor bei der Diagnose noch operabel war, nicht von einer neoadjuvanten Therapie profitierten, verkleinerte sich der Tumor bei den inoperablen Patienten, sodass ein Drittel von ihnen danach operiert werden konnte.
Zukunftsaussichten
Aus den Untersuchungsergebnissen zieht der Mediziner DP Dr. Jörg Kleeff die Konsequenz:
"Patienten, deren Pankreaskarzinom bereits lokal fortgeschritten und initial nicht operabel ist, sollten auf jeden Fall eine neoadjuvante Behandlung erhalten. Bei einer erneuten Überprüfung kann der Arzt danach in vielen Fällen doch zu einer Operation raten. Jetzt müssen randomisierte Studien erforschen, wie eine optimale neoadjuvante Therapie für diese Patientengruppe aussehen sollte."
April 2010
Onkologie - Wie ein Molekül das Tumorwachstum verhindert
Die Killerzellen unseres Immunsystems erkennen und vernichten fortwährend veränderte Zellen in unseren Organen. Entstehen trotzdem Tumore, bekämpft das Immunsystem sie mit einer anderen Methode: Es hindert den Tumor am Wachsen, indem es Botenstoffe aussendet, die den Wachstumsprozess stören.
Zu diesen Botenstoffen gehört auch Beta-Interferon. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung (HZI) haben jetzt herausgefunden, dass das Molekül den Tumor daran hindert, sich an das Blutsystem anzuschließen. Denn Beta-Interferon hemmt die Produktion von Wachstumsfaktoren zur Bildung von Blutgefäßen. Die positive Folge: Der Tumor wächst langsamer und bildet weniger Metastasen.
So schlägt der Tumor Wurzeln
Um seine Existenz zu sichern, muss der Tumor an das Blutsystem andocken. Dazu lockt er mit Signalstoffen weiße Blutkörperchen aus dem Knochenmark an. Diese sind normalerweise für die Wundheilung und Infektionsabwehr zuständig. Im Tumor jedoch fördern die weißen Blutkörperchen die Ausbildung von Blutgefäßen, mit denen er sich in das Blutsystem einklinkt. Ist der Tumor erst einmal an das Gefäßsystem angeschlossen, ist seine Versorgung und damit sein Überleben gesichert. Über die Blutbahn schickt er außerdem seine Zellen auf die Reise und bildet andernorts Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen.
Mit Beta-Interferon wird der Tumor zum Bonsai
Schon länger wird Beta-Interferon in der Krebstherapie verwendet. Aber die genaue Wirkweise des Moleküls wurde erst jetzt entschlüsselt. Der Botenstoff wirkt auf zweierlei Weise: Zum einen blockiert Beta-Interferon den Anschluss des Tumors an das Blutgefäßsystem, indem es Immunzellen daran hindert, Wachstumsfaktoren zu bilden. Zum anderen verhindert Beta-Interferon, dass die Immunzellen ihren Weg in den Tumor überhaupt finden.
Versuchsmäuse mit und ohne Beta-Interferon lieferten den Beweis: Bei denjenigen, die das Molekül im Körper hatten, wuchsen die Tumoren wesentlich langsamer und sie bildeten weniger und kleinere Metastasen. Das schlechtere Wachstum konnte klar auf die mangelnde Durchblutung des Tumors zurückgeführt werden, denn in den Tumoren der Beta-Interferon-Mäuse hatten sich viel weniger Adern gebildet.
Aussicht
"Dieser Wirkmechanismus von Beta-Interferon war bisher völlig unbekannt. Wir wollen jetzt verstehen, wie das Netzwerk von Tumor, Immunzellen und Botenstoffen funktioniert, um neue Zielstrukturen für die Therapie von Krebs zu entdecken," erläutert Siegfried Weiß vom HZI den Weg für die Zukunft.
April 2010
Onkologie - Beta-Blocker gegen Brustkrebs
Auf der Europäischen Brustkrebskonferenz in Barcelona haben Wissenschaftler der Universität Nottingham und der Universität Witten/ Herdecke die Ergebnisse ihrer klinischen Studie vorgestellt. Auch wenn die Studie relativ klein ist und eine größere Studie noch ansteht - die Ergebnisse sind hochinteressant.
Die Forscher fanden heraus, dass Brustkrebs-Patientinnen, die mit Beta-Blockern behandelt wurden, wesentlich weniger Metastasen bildeten und eine deutlich bessere Überlebenschance hatten, als diejenigen, die keine Beta-Blocker einnahmen.
Die Studie
Für ihre Studie analysierten die Wissenschaftler die Krankheitsdaten von 466 Brustkrebspatientinnen. Dazu teilten sie diese in drei Gruppen ein:
Die erste Gruppe umfasste 43 Patientinnen, die aufgrund von Bluthochdruck bereits Beta-Blocker einnahmen, die zweite diejenigen, deren Bluthochdruck mit anderen Medikamenten behandelt wurde. Die Patientinnen der dritten Gruppe hatten keinen Bluthochdruck und nahmen folglich auch keine Medikamente ein.
Das Ergebnis
Bei den Patientinnen, die Beta-Blocker einnahmen, bildeten sich deutlich weniger Metastasen und der Krebs trat nicht so häufig wieder auf. Gegenüber den Patientinnen der anderen Gruppen hatten sie eine um 71 Prozent höhere Überlebenschance.
Der Wirkmechanismus
Bereits in früheren Untersuchungen hatte sich gezeigt, dass Beta-Blocker bei verschiedenen Krebsarten wirksam sind. Und auch wie sie wirken ist bekannt: Krebszellen wachsen und streuen besonders gut und schnell, sobald viele Stresshormone im Körper vorhanden sind, die an die Krebszellen andocken. Beta Blocker verhindern das Andocken der Stresshormone, sodass die Wanderung und Streuung der Krebszellen verhindert wird.
Die Aussichten
Prof. Entschladen von der Universität Witten ist mit den Ergebnissen seiner Studie mehr als zufrieden. "So deutliche Aussagen kommen nur bei wenigen Studien zustande. Deshalb sind wir sehr neugierig, ob wir dieses Ergebnis in einer zukünftigen, größeren Studie und auch bei anderen Krebsarten bestätigen können", erläutert er.
Sollte sich der Nutzen der Beta-Blocker für die Krebstherapie in Zukunft bestätigen, stünde ein gut etabliertes, sicheres und kostengünstiges Medikament zur Verfügung, um gezielt gegen die Metastasenbildung vorzurücken.
März 2010
Onkologie - Gravierende Wechselwirkung von Brustkrebsmedikament mit Antidepressivum
Die Warnung bezieht sich auf eine kanadische Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift "British Medical Journal"* veröffentlicht wurde. Diese ergab: Frauen, die sowohl Tamoxifen als auch Paroxetin einnahmen, einen sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), starben häufiger an Brustkrebs als Patientinnen, die nur eines der beiden Medikamente einnahmen. Außerdem zeigte sich, dass das Risiko an Brustkrebs zu sterben umso höher war, desto länger die Medikamente zusammen eingenommen wurden.
Für ihre Untersuchung hatten die kanadischen Wissenschaftler die Krankheitsakten von 2430 Frauen über 65 Jahren aus Ontario ausgewertet. Unter 20 Patientinnen kam es innerhalb von fünf Jahren zu einem zusätzlichen Brustkrebstodesfall, wenn während 41 Prozent der Tamoxifen-Therapie zusätzlich Paroxetin eingenommen wurde.
Der Grund für die tödliche Wechselwirkung: Beide Arzneistoffe werden in der Leber verarbeitet. Dort wird Tamoxifen mithilfe des Leberenzyms CYP2D6 in seine wirksame Form gegen Brustkrebs verstoffwechselt: Endoxifen. Paroxetin aber stört das Enzym bei seiner Stoffwechsel-Tätigkeit, sodass zu wenig Endoxifen entsteht, um den Brustkrebs wirksam zu bekämpfen.
Zwar gilt die Warnung von AMK und DPhG nur für die Kombination von Tamoxifen und Paroxetin, Stefan Willich, der Leiter des Institutes für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie an der Berliner Charité, geht aber noch einen Schritt weiter. In seinem Vorwort zur Veröffentlichung der kanadischen Studie warnt er auch vor der Kombination von Tamoxifen und Fluoxetin, ebenfalls ein Antidepressivum der Substanzklasse der SSRI. Das Medikament steht genauso im Verdacht, das Enzym CYP2D6 zu blockieren.
Patienten, die Tamoxifen und Paroxetin bzw. Fluoxetin zusammen einnehmen, sollten sich unbedingt an ihren Arzt oder Apotheker wenden. Auf keinen Fall darf die Medikamenteneinnahme eigenmächtig verändert werden, denn das könnte gefährliche gesundheitliche Folgen haben.
Bereits im Juni vergangenen Jahres berichteten wir über die Wechselwirkung von Tamoxifen mit Paroxetin und anderen SSRIs. Damals hatte eine amerikanische Studie den Nachweis erbracht, dass die Kombination der Medikamente das Rückfallrisiko für Brustkrebs erhöht. Dass die Wechselwirkungen noch drastischer sind, zeigt jetzt die kanadische Studie.
*BMJ 2010; 340:c693
März 2010
Onkologie - "Nebel im Kopf" durch Chemotherapie?
Nach einer Chemotherapie klagen viele Patienten über Konzentrationsprobleme oder Vergesslichkeit. Aber hat die kognitive Hängepartie tatsächlich etwas mit der Therapie zu?
Sie stellen fest, dass sie vergesslich und zerstreut sind, für alles länger brauchen als früher oder dass ihnen merkwürdige Fehler und Verwechslungen unterlaufen. Die meisten Krebspatienten machen für diese Einschränkungen die Chemotherapie verantwortlich. Ob das tatsächlich so ist, dazu wurden in der Vergangenheit immer wieder Studien an Patienten mit unterschiedlichen Krebserkrankungen und Behandlungen durchgeführt. Mit folgendem Ergebnis:
Die Untersuchungen zeigten zwar leichte Einschränkungen der kognitiven Fähigkeiten, aber nicht bei allen Patienten. Außerdem wiesen die Tests immer wieder eine Diskrepanz auf zwischen subjektiv empfundenen Einschränkungen und objektiv nachweisbaren. Das heißt: Es wurden zwar tatsächlich leichte Einschränkungen der geistigen Fähigkeiten festgestellt, nur bei den falschen Patienten. Nämlich überwiegend bei denjenigen, die nicht darüber klagten. Bei denjenigen, die über Probleme klagten, wurden größtenteils keine festgestellt.
Demnach hat die Chemotherapie keinen direkten gravierenden Einfluss auf die Geistesleistung.
Gibt es eine Ursache für den subjektiven "Nebel im Kopf"?
Ein Forscherteam der Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat nun die Diskrepanz zwischen objektiven und subjektiven Störungen geistiger Funktionen genauer untersucht.
Die Untersuchung, an der 100 Brustkrebspatientinnen teilnahmen, berücksichtigte eine Vielzahl von Einflussfaktoren, die diese Diskrepanz erklären könnten. Die Forscher erfassten sowohl Gemütslagen wie Depressionen, die Neigung zu negativen Gefühlen wie Schuld- und Schamgefühlen oder Ärger, als auch andere Faktoren wie beispielsweise die Intensität der Chemotherapie.
Dass manche Menschen das Gefühl haben, geistig eingeschränkt zu sein, jedoch keine Einschränkungen nachweisbar sind und manche nachweislich tatsächlich geistig leicht gehandicapt sind, es aber überhaupt nicht merken, diese Diskrepanz ließ sich durch die Untersuchung nicht erklären. Jedoch zeigte die Studie deutlich:
Depressivität, negative Gefühle und eine sehr starke Chemotherapie mit vielen Nebenwirkungen führen zu einer pessimistischen Einschätzung der eigenen geistigen Leistungsfähigkeit.
Bisherige Studien, die die Ursache für den "Nebel im Kopf" ausschließlich in der Chemotherapie suchten, haben also in eine völlig falsche Richtung geführt. Allerdings warnt die Leiterin der Studie Dr. Kerstin Hermelink ausdrücklich davor, die Beeinträchtigungen zu bagatellisieren und abzutun:
"Auch wenn Beschwerden über einen Verlust geistiger Leistungsfähigkeit nach einer Chemotherapie meistens nicht auf nachweisbaren Schädigungen beruhen, sollten sie dennoch unbedingt ernst genommen werden. Subjektive Einschränkungen der geistigen Fähigkeiten stellen für ohnehin schon sehr belastete Patienten eine weitere Belastung dar und sollten deshalb behandelt werden."
Es helfe niemandem, das Problem zu simplifizieren und hinter Beschwerden von Krebspatienten über Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme grundsätzlich Schädigungen durch die Chemotherapie anzunehmen. Im Gegenteil – das könne Erwartungen und Ängste wecken, die den subjektiven Eindruck vom "Nebel im Kopf" eher noch fördern, meint Hermelink.
Februar 2010
Onkologie: Darmkrebs – früh erkannt, Gefahr gebannt
Ein früh erkannter Tumor kann meist ohne große Operation entfernt werden. Die Endosonografie, eine Kombination aus Ultraschall und Spiegelung, ermöglicht die genaue Bestimmung des Tumorstadiums.
Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung. Jährlich erkranken rund 37.200 Männer und 36.000 Frauen neu. Wird ein Rektumkarzinom (Darmkrebs) jedoch im Anfangsstadium erkannt, lässt es sich häufig lokal herauslösen. Ein großer Vorteil für den Patienten: Eine Operation und ein damit verbundener möglicher künstlicher Darmausgang bleiben ihm so erspart.
Endosonografie zur genauen Beurteilung des Tumors
Die Endosonografie ist zurzeit das einzige Verfahren, mit dem der Arzt frühe von fortgeschrittenen Tumorstadien abgrenzen kann. Bei der Endoskopie, der Darmspiegelung allein, ist nur die Oberfläche der Darmwand zu sehen. Erst die Kombination mit einer Ultraschallsonde lässt erkennen, wie tief der Tumor in die Darmwand eingewachsen ist und ob benachbarte Organe und Lymphknoten befallen sind. Aufgrund des endosonografischen Befundes entscheidet der Arzt, welche Therapie nötig ist, um den Tumor sicher zu entfernen.
„Tumoren in frühen Stadien kann man direkt endoskopisch entfernen. Bei fortgeschrittenen Tumoren ist eine Vorbehandlung durch Radio- und Chemotherapie sowie ein operativer Eingriff notwendig“, erklärt Dr. Burmester, Oberarzt der Medizinischen Klinik der Sana Kliniken in Lübeck.
Je fortgeschrittener der Tumor ist und je näher er sich am Darmausgang befindet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient in Zukunft mit einem künstlichen Darmausgang leben muss.
Endosonografie zur präzisen Operation
Für die Operation selbst ist die Endosonografie ebenfalls sehr nützlich. Denn sie zeigt dem Arzt genau, wo er wie viel Gewebe entfernen muss. Das gesunde Darmgewebe bleibt so bestmöglich erhalten. Allerdings ist für ein qualitativ hochwertiges Ergebnis dieser Diagnostik viel Erfahrung des Untersuchers erforderlich.
Januar 2010
Onkologie - Was bringt die Darmspiegelung?
Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz.) hatten für ihre Untersuchung 3300 Saarländern rekrutiert. Voraussetzung für die Teilnahme: Die Probanden mussten an einer Darmspiegelung (Koloskopie) teilgenommen haben, die im Rahmen des gesetzlichen Programms zur Krebsfrüherkennung angeboten wird. Alle Teilnehmer gaben darüber Auskunft, ob sie innerhalb der letzten zehn Jahre schon mal endoskopisch untersucht worden waren.
Richtungsweisende Ergebnisse
Die nun vorliegenden Ergebnisse sprechen deutlich für den Nutzen der Vorsorge zum Schutz vor Krebs. Denn bei denjenigen, die vorher schon an einer Koloskopie teilgenommen hatten, fanden die Forscher wesentlich seltener fortgeschrittene Krebsvorstufen, nur bei 6,1 % gegenüber 11,4 %.
Und noch etwas sehr Interessantes stellten die Forscher fest. In einem bestimmten Bereich des Darms ist die Darmspiegelung zum Schutz vor Krebs besonders effektiv: im linken Teil, der direkt in den Enddarm übergeht. Das ist genau der Bereich, in dem Krebs auch am häufigsten auftritt. Bei den Teilnehmern mit vorangegangener Untersuchung entdeckten die Wissenschaftler zwei Drittel weniger fortgeschrittene Krebsvorstufen.
Das letzte Ergebnis ist insofern interessant, als dass dieser primär gefährdete Darmabschnitt auch gut mit einer einfacheren Methode als der Koloskopie untersucht werden kann: mit der kleinen Darmspiegelung, der sogenannten Sigmoidoskopie.
Kleine Darmspiegelung - die Vorsorge der Zukunft?
Bei der Koloskopie wird der gesamte Dickdarm, bei der Sigmoidoskopie wird nur der letzte Darmabschnitt mit einem flexiblen Endoskop untersucht. Die kleine Darmspiegelung ist für die Patienten weniger unangenehm und aufwendig, denn die komplette Darmsäuberung am Vortag entfällt. Möglicherweise könnten damit mehr Menschen dazu bewegt werden, sich für die Teilnahme an einer Vorsorgeuntersuchung zu entscheiden.
Studienleiter Prof. Hermann Brenner schlägt vor: "Wir sollten daher auch in Deutschland in Erwägung ziehen, das gesetzliche Früherkennungsprogramm um die Sigmoidoskopie zu ergänzen. Ein solches Angebot würde wahrscheinlich auch von vielen Menschen angenommen, die eine Koloskopie nicht durchführen lassen wollen. So ließen sich noch deutlich mehr Krebsfälle vermeiden – das ist doch schließlich unser Ziel!"
Januar 2010
Onkologie - Klicken und gucken - Die Labore von Zytoservice Berlin
Schon länger kooperiert die BerlinApotheke mit dem Herstellbetrieb Zytoservice Berlin.
Dort werden in unserem Auftrag Zytostatika für Patienten mit Krebserkrankungen hergestellt. Die Sterillabore sind nach modernstem Standard ausgestattet und befinden sich in unmittelbarer Nähe der BerlinApotheke an der Charité.
Wie aber sieht ein professioneller pharmazeutischer Herstellbetrieb von innen aus? Und welche Voraussetzungen sind notwendig, um hochsensible Arzneimittel wie Zytostatika überhaupt herstellen zu dürfen?
Neugierigen empfehlen wir den sehr eindrucksvollen virtuellen Rundgang auf der Homepage von Zytoservice Berlin.
Dezember 2009
Onkologie - Brustaufbau mit Schweinehaut
Im Vergleich zu früher versuchen Mediziner heute, bei einer Brustkrebsoperation die Brust so weit wie möglich zu erhalten. Häufig lässt sich die Amputation jedoch nicht vermeiden – oftmals mit einschneidenden Folgen für das Selbstwertgefühl der betroffenen Frauen. Viele entscheiden sich deshalb für einen Brustaufbau. Hierfür wird Gewebe vom Bauch, Po oder Rücken entnommen und in einem aufwendigen Prozess transplantiert. Der Nachteil: An der Entnahmestelle entstehen große Narben und häufig bilden sich durch das Brustimplantat Gewebeverhärtungen, sodass das Ergebnis optisch zu wünschen übrig lässt.
Vielversprechende Ergebnisse mit Schweinehaut-Matrix
Einen ungewöhnlichen Weg zu einer neuen Brust hat das Klinikum der Universität München beschritten.
Für den Brustaufbau nutzen die Mediziner ein Gewebegerüst aus der Unterhaut von Schweinen, das von allen tierischen Zellen und anderen Stoffen befreit wird. Zusammen mit einem Silikonimplantat wird das sterile biomechanische Gerüst samt Blutgefäßen direkt bei der Krebsoperation nach Entfernung der Drüsenkörper eingelegt.
Sechs Patientinnen sind in München bereits erfolgreich behandelt worden. Die Resultate seien hervorragend, berichtet PD Dr. Dian aus München. Bei allen Patientinnen wurde das fremde Gewebe problemlos vom Körper angenommen und auch die unschönen Gewebeverhärtungen blieben aus.
Bis jetzt wurde die neue Methode allerdings noch mit keiner größeren Studie bewertet und ist auch noch nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen verzeichnet. Aber: In den beiden jüngsten Fällen wurden die Kosten für die Behandlung übernommen.
November 2009
Onkologie - Skalpell unterscheidet gesundes und krankes Gewebe
Bei der herkömmlichen Operationsmethode war es oft schwierig das erkrankte Gewebe genau zu identifizieren. Um sicher zu gehen, dass das Tumorgewebe vollständig entfernt ist, wurde bisher immer auch ein Mantel aus gesundem umgebenden Gewebe eliminiert. Proben konnten erst im Anschluss an den Eingriff analysiert werden.
Mit der Neuentwicklung, die aus der gemeinsamen Anstrengung von Wissenschaftlern der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Budapester Semmelweis Universität entstanden ist, findet die Analyse von gesundem und krankem Gewebe nun schon während der Operation statt.
Das Elektro-Skalpell macht Dampf
Das neue Elektro-Skalpell analysiert und identifiziert das zerschnittene Gewebe mithilfe von Gasen. Diese entstehen beim Schneiden durch elektrischen Strom, wobei das Gewebe zersetzt wird und teilweise verdampft. Die Gase werden in ein Massenspektrometer gesaugt und sekundenschnell analysiert. Jeder Gewebetyp erzeugt im Massenspektrometer ein charakteristisches Profil. Das Muster von gesundem Gewebe ist demnach ein anderes als das von Tumorgewebe. Mithilfe des neuen Skalpells kann der Chirurg also schon beim Schneiden erkennen, wo das kranke Gewebe aufhört und das gesunde anfängt.
Massenspektrometrie – vielfältige Anwendung
Das Kernstück des "intelligenten Skalpells", die sogenannte DESI-Massenspektrometrie – Desorption Electrospray Ionisation – kommt auch auf ganz anderen Gebieten zum Einsatz: Auf Flughäfen wird mit dieser Technik bei Sicherheitskontrollen die Haut verdächtiger Personen auf Sprengstoffspuren untersucht. Bei Obst und Gemüse können so anhaftende Gifte aufgespürt werden. Und in der pharmazeutischen Herstellung können Maschinen und Geräte bei einem Produktwechsel schnell auf Verunreinigungen durch Rückstände von Wirk-, Hilfsstoffen- oder Reinigungsmitteln getestet werden.
Oktober 2009
Onkologie - Weniger Nebenwirkungen bei der Behandlung anaplastischer Gliome
Jährlich erkranken rund 750 Menschen in Deutschland neu am anaplastischen Gliom, einem mittelbösartigen Hirntumor. Die herkömmliche Therapie sah nach der Operation des Tumors eine Bestrahlung oder sogar die Bestrahlung kombiniert mit einer Chemotherapie vor. Eine Studie hat nun deutlich gemacht: Es geht auch einfacher und verträglicher – mit gleich guten Resultaten:
"Wir haben gezeigt, dass eine alleinige Chemotherapie ebenso gut ist, wie eine Strahlentherapie, bei der man langfristig mit beträchtlichen Nebenwirkungen rechnen muss", erläutert Professor Weller, Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsspital Zürich die Ergebnisse einer Studie, die er zusammen mit Professor Wick von der Universitätsklinik Heidelberg durchgeführt hat.
Eine erfreuliche Nachricht für betroffene Patienten. Denn bei der Chemotherapie können die Präferenzen und Lebensumstände des Patienten besser berücksichtigt und dadurch die Nebenwirkungen so gering wie möglich gehalten werden. Ein weiterer Vorteil: Sollte es nach der Chemotherapie zu einem Rückfall kommen, steht immer noch eine Therapieoption zur Verfügung.
Für die NOA-04-Studie hatten die beiden Neuroonkologen 318 Patienten aus 34 deutschen Krebszentren mit anaplastischem Gliom des WHO-Grads III untersucht. Der WHO-Grad (I-IV) gibt Auskunft über die Bösartigkeit des Tumors und zur Prognose der Erkrankung.
Eine zuvor durchgeführte Studie hatte bereits gezeigt, dass eine alleinige Strahlentherapie im Vergleich zur Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie ebenso gute Ergebnisse brachte. Nun ist klar: Eine Chemotherapie allein ist genauso gut wie eine alleinige Strahlentherapie und hat noch weniger Nebenwirkungen.
Aussage über die Lebenserwartung
Während ihrer Forschungsarbeit haben Weller und Wick noch eine interessante Entdeckung gemacht: Sie konnten drei molekulare Marker identifizieren, deren Status eine ziemlich genaue Vorhersage des Krankheitsverlaufs zulassen. Für den Patienten heißt das: Er kann je nach Marker mit einem Überleben von zwei bis drei Jahren oder mit neun bis zehn Jahren rechnen.
"Wir sind uns der ethischen Problematik solcher Tests durchaus bewusst. Die meisten Patienten aber wollen wissen, wie ihre Aussichten sind und sie nutzen diese Information auch, um im Gespräch mit uns Ärzten abzuwägen, welche Therapie für ihre Lebenssituation und –Planung die beste ist", so Weller.
September 2009
Onkologie - Neue Methode zur Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs
Leichte, gelegentliche Übelkeit und Druck im Oberbauch – das können Symptome für vergleichsweise harmlose Erkrankungen sein, aber auch für Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die Anzeichen für ein Pankreaskarzinom sind oft unspezifisch und unauffällig. Häufig wird die Erkrankung erst diagnostiziert, wenn der Tumor schon Metastasen gebildet hat. Bei rechtzeitiger Diagnose aber lässt sich der Krebs gut operieren. Der Grund dafür, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs so häufig tödlich verläuft: Es mangelt an hinreichenden Diagnoseverfahren. Dies könnte sich jetzt ändern. Ein Team aus Ärzten und Wissenschaftlern der Universität Leipzig haben kürzlich etwas sehr interessantes entdeckt: Die Aussagekraft des Plättchenfaktors 4, einem stark positiv geladenen Protein, das aus Blutplättchen freigesetzt wird. Dieser neue, hochempfindliche Biomarker aus dem Blutserum zeigt an, ob ein Mensch an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist oder nicht. Die Verlässlichkeit des neuen Markers wurde in einer Studie mit 120 Patienten und Probanden getestet und bestätigt und die Ergebnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Clinical Cancer Research" (Clin Cancer Res;2009, 15(11):3812-9) publiziert.
Die Studie
Um die Marker ausfindig zu machen, haben die Forscher mit einer neuen Methode Eiweißmoleküle aus den Serumproben der Studienteilnehmer entnommen. Anschließend bestimmten sie mittels massenspektrometrischer Analytik (MALDI-TOF) die Flugzeit der Eiweißteilchen. Diese lässt auf die Masse und das Gewicht der Eiweißteilchen rückschließen; je kleiner ein Teilchen, desto schneller fliegt es. Die Summe der Eiweißmoleküle ergibt für jede Patientenprobe in der Darstellung ein charakteristisches Muster.
Als nächstes verglichen die Forscher die Eiweißprofile der an Pankreaskrebs erkrankten Patienten mit denen der gesunden Probanden. Dabei gelang es den Wissenschaftlern, signifikant unterschiedliche Eiweißmoleküle zu identifizieren. Eine Wiederholungsuntersuchung bestätigte den Befund. Durch eine tiefergehende Analyse des Eiweißmusters wurde schließlich ein vermindertes Fragment des Plättchenfaktors 4 (PF 4)entdeckt, das auf ein vorliegendes Pankreaskarzinom verweist.
Dieser zunächst bioinformatisch gewonnene Hinweis konnte dann mit einem immunologischen Laborverfahren in Patienten und Kontrollen eindeutig bestätigt werden. Nach den ersten klinischen Daten scheint der neue Biomarker äußerst aussagekräftig zu sein. In Kombination mit etablierten Tumormarkern im Blut wie Ca19-9 ermöglicht PF 4 eine wesentlich sichere Diagnostik eines Tumors als bisher.
Warum der Plättchenfaktor bei einem Pankreaskarzinom sinkt, muss noch geklärt werden. Dr. Fiedler vom Institut für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik der Universität Leipzig dazu: "Wir vermuten, dass im Blut die Eiweißfragmente über tumorspezifische Enzyme abgebaut werden, hier könnten sich auch neue Therapieansätze für unsere Patienten finden."
Professor Thiery, Leiter der Leipziger Forschungsgruppe sieht die neue Methode jedoch auch kritisch, denn die Analytik ist sehr kompliziert und erfordert sehr viel Sorgfalt, damit sie nicht auf falsche Wege führt:
"Entscheidend ist die Qualität der Blutprobennahme bis zur Messung, sowie die unabhängige Wiederholbarkeit der Ergebnisse."
September 2009
Onkologie - Lymphome - Telefonaktion für Patienten am 16. September
In dieser Zeit, am 16. September, können Patienten ihre Fragen zur Lymphom-Erkrankung selbst, zu Symptomen, Diagnose- und Therapiemöglichkeiten an Experten des Kompetenznetzes Maligne Lymphome e. V. richten. Die Fachleute geben auch darüber Auskunft, welche klinischen Studien derzeit für die jeweilige Erkrankung angeboten werden.
Der Welt-Lymphom-Tag wurde vor sechs Jahren von einem Zusammenschluss internationaler Lymphom-Selbsthilfe-Organisationen, der Lymphom-Koalition, ins Leben gerufen. Wissenschaftler, Ärzte und Selbsthilfegruppen wollen mit dem Aktionstag die Lymphom-Erkrankung stärker in der Öffentlichkeit bekannt machen. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 15.000 Menschen neu. Trotzdem sind Lymphome in der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Wird die Krankheit jedoch frühzeitig erkannt, stehen die Heilungschancen für die meisten Lymphomarten gut.
Was sind Lymphome?
Lymphome, genauer maligne Lymphome, sind bösartige Neubildungen von Zellen des lymphatischen Systems. Über die Lymph- und Blutgefäße können sich die Lymphomzellen im ganzen Körper ausbreiten. Bei einigen Lymphomarten bilden sich Tumore, die ertastet oder mittels spezieller Untersuchungen sichtbar gemacht werden können.
Für Fragen zu den verschiedenen Lymphomen stehen am 16.09. unter o. g. Nummer folgende Fachleute Rede und Antwort:
- Hodgkin Lymphome: Dr. Dennis Eichenauer, Uniklinik Köln
- Niedrigmaligne Lymphome (langsam wachsende Lymphome): Prof. Dr. Wolfgang Hiddemann, Klinikum Großhadern der Ludwig-Maximilians-Universität München
- Hochmaligne Lymphome (schnell wachsende Lymphome): Prof. Dr. Lorenz Trümper, Universitätsmedizin Göttingen
- Plasmozytom/Multiples Myelom: Priv.-Doz. Dr. Kai Neben, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg
- Chronische lymphatische Leukämie: Prof. Dr. Clemens M. Wendtner und Dr. Valentin Göde, beide Uniklinik Köln
Die Telefonaktion wird von der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe e. V. (DLH) und vom Kompetenznetz Maligne Lymphome e. V. (KML) veranstaltet und unterstützt durch den ehrenamtlichen Einsatz der KML-Experten, finanziell durch die DLH
August 2009
Onkologie - Informationen zum Thema Krebs
Für Fragen zum Thema Krebs gab es bisher keine einheitliche Anlaufstelle in Deutschland. Dies wird sich im Herbst ändern. Damit Krebspatienten und ihre Angehörigen es künftig leichter haben, an zuverlässige Informationen zu kommen, bündeln der Krebsinformationsdienst und die Deutsche Krebshilfe ihre Beratungsangebote. Zu dem neuen qualitätsgeprüften Informationsangebot gehört auch eine bundesweit kostenlose Telefon-Hotline. Unter der Rufnummer 0800 – 420 30 40 können sich Ratsuchende dann zu allen Fragen rund um das Thema Krebs informieren.
Das Projekt wird vom Bundesforschungsministerium finanziell unterstützt.
Zurzeit sieht sich der Krebsinformationsdienst mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert, die er oft nicht zeitnah beantworten kann. Dies soll sich durch die Zusammenlegung der Beratungsstellen zukünftig ändern. Der Krebsinformationsdienst soll Betroffenen unter anderem helfen, über medizinische Schritte mit zu entscheiden und die Kommunikation zwischen Arzt und Patienten verbessern. Außerdem soll es ab dem kommenden Jahr einen eigenen Informationsdienst für Ärzte und Pflegepersonal geben. Von ihnen kommen derzeit 10 Prozent der Anfragen.
August 2009
Onkologie - Krebsgene einfach abschalten
Das Verfahren nennt sich RNA-Interferenz oder Gensilencing – Genstilllegung, wurde schon in den 1990er Jahren entwickelt und mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Das Prinzip: Medikamente, die die krebsauslösenden Gene in den Tumorzellen abschalten, werden direkt in den Tumor transportiert, um dort effektiv und direkt zu wirken. Der große Vorteil: Das gesunde Gewebe bleibt von Schäden wie sie bei den herkömmlichen Behandlungsmethoden Bestrahlung und Chemotherapie auftreten, verschont. Nur leider haperte es bisher an der Umsetzung. Die Gen-Silencing Medikamente sind sehr instabil und es mangelte an Möglichkeiten, sie in die betroffenen Zellen zu bringen. Diese Hürde ist jetzt genommen.
Alter Wirkstoff in neuer Verpackung
Wissenschaftler der University of Queensland haben es geschafft, die empfindlichen Medikamente besser zu verpacken und so effizient in das Krebsgewebe zu transportieren - mithilfe eines lipidreichen Trägerstoffs. Das neue Verfahren birgt die Chance, dass die RNA-Interferenztechnologie bald in der Klinik Anwendung findet.
Im Mausmodell wurde die neue Medikamentenform gegen Gebärmutterhalskrebs getestet und bewirkte einen Rückgang der Tumorgröße um siebzig Prozent. Zurzeit untersuchen die Wissenschaftler den Einsatz der neuverpackten Gen-Silencing Medikamente gegen andere Krebsarten. Auch eine Kombination der RNA-Interferenz mit einer leichten Chemotherapie ziehen die Forscher für die Zukunft in Erwägung.
August 2009
Onkologie - Liliengewächse gegen metastasierenden Prostatakrebs
Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Jährlich sterben daran in Deutschland rund 11.600 Betroffene und über 58.000 Männer erkranken neu. Wird der Tumor der Vorsteherdrüse jedoch rechtzeitig erkannt, stehen die Heilungschancen gut. Schwierig wird es erst, wenn der Tumor bereits Metastasen gebildet hat. Einige Therapieoptionen fallen dann schon aus.
Ein neues Forschungsprojekt des Universitätsklinikums Göttingen, das von der Deutschen Krebshilfe gefördert wird, lässt jedoch hoffen. Wissenschaftler untersuchen derzeit, ob ein pflanzlicher Wirkstoff aus dem Liliengewächs gegen metastasierten Prostatakrebs hilft. Erste Experimente seien vielversprechend, berichten die Forscher. Im Labor konnten sie mit Extrakten aus der Wurzel des Liliengewächses Belamcanda chinensis das Wachstum von Krebszellen bereits hemmen, und im Tierversuch verlangsamte der Pflanzenwirkstoff immerhin die Ausbreitung des Tumors.
Das Wachstum des Prostatakarzinoms ist hormonabhängig
Die Forscher hatten festgestellt, dass in asiatischen Ländern weit weniger Männer an Prostatakrebs erkranken als in den westlichen Nationen.
"Die Ursache dafür liegt wahrscheinlich in der asiatisch geprägten Ernährung mit viel pflanzlicher Kost anstatt tierischer Eiweiße und Fette", erklärt Peter Burfeind vom Göttinger Universitätsklinikum.
Besonders interessant erschienen den Forschern Pflanzeninhaltsstoffe mit schwach östrogenen Eigenschaften, sogenannte Isoflavone. Sie haben ähnliche Eigenschaften wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen und werden daher auch als Phyto-Östrogene bezeichnet.
Das Wachstum des Prostatakarzinoms ist hormonabhängig und wird besonders vom Testosteron stimuliert. Östrogen wird auch bei Männern in kleinen Mengen im Hoden und im Fettgewebe gebildet, fungiert als Gegenspieler des Testosterons und kann das Tumorwachstum bremsen. Häufig jedoch verkehrt sich die wachstumshemmende Wirkung des Östrogens durch einen bösartigen Tumor ins Gegenteil und fördert das Tumorwachstum fatalerweise genau wie das Testosteron.
Tectorigenin regelt die Wirkung des Östrogen
Die Göttinger haben im Rahmen ihrer Forschung ein aus Liliengewächsen stammendes Phyto-Östrogen identifiziert, das genau dort im Tumor eingreift, wo das Östrogen das Zellwachstum beeinflusst. Tectorigenin, so der Name, wird auch in der traditionellen chinesischen und koreanischen Medizin eingesetzt. Wie die Wissenschaftler feststellten, bindet Tectorigenin an die Zelloberfläche der Krebszellen und stellt die Östrogensignalwege wieder her, die im Tumor eine tumorverhindernde Funktion haben.
Aussichten
Die Wissenschaftler wollen nun untersuchen, ob Tectorigenin zur Therapie beim Prostatakarzinom angewendet werden kann.
"Zudem ist es denkbar, dass diese Substanz eines Tages auch vorbeugend gegen Prostatakrebs eingesetzt werden könnte", meint Forscher Thelen.
Bis zur Anwendung in klinischen Studien muss jedoch noch ein wenig geforscht werden.
Juli 2009
Onkologie - Sommer, Sonne - und immer auf die Haut achten
Wer im Sommerurlaub in den Süden reist, hat sie zumeist im Gepäck: die Sonnencreme. Die wenigsten denken aber daran, dass die Haut im Sommer auch hierzulande Schutz benötigt. Denn wer sich ungeschützt der Sonne aussetzt, bekommt schnell einen gefährlichen Sonnenbrand, der oft erst bemerkt wird, wenn es bereits zu spät ist.
Sonnenbrand steigert Hautkrebsrisiko
Sonnenbrand entsteht durch die UV-Strahlung im Sonnenlicht, die die Haut beim Sonnenbaden bombardiert. Ähnlich wie radioaktive Strahlen können auch die UV-Strahlen die Erbsubstanz schädigen. Diese Schäden an der Haut können die unkontrollierte Reproduktion fehlprogrammierter Hautzellen fördern und so zum Krebs führen. Zwar kann der Körper diese Schäden durch spezielle Reparaturenzyme in gewissem Maß ausbessern, aber mit jedem Sonnenbrand steigt das Risiko durch die minimalen Schädigungen. Kurz gesagt, jeder Sonnenbrand hinterlässt seine Spuren im Gedächtnis der Haut. Und die Haut vergisst nichts. So ist Sonnenbrand ein Hauptverursacher von vorzeitiger Alterung der Haut und Hautkrebs. Und der Hautkrebs ist nicht zu unterschätzen: Jahr für Jahr gibt es in Deutschland rund 140 000 Neuerkrankungen.
Besonders gefährdet: Kinder und Jugendliche
Gebräunte Haut gilt als chic, vor allem unter Jugendlichen. Aber gerade für Kinder und Jugendliche ist das überlange Sonnenbad besonders gefährlich: Sonnenbrände vor dem 18. Lebensjahr verschärfen eindeutig das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken. Und Vorsicht vor trügerischer Sicherheit: Wer sich im Sonnenstudio vorbräunt, ist entgegen einer weit verbreiteten Annahme keinesfalls gegen einen Sonnenbrand „immun“, denn das UV-Strahlenspektrum der Sonne ist ein ganz anderes als das UV-Spektrum einer Sonnenbank. Und was auf jeden Fall klar sein sollte: Kleinkinder unter zwei Jahren gehören überhaupt nicht in die Sonne.
Eincremen, Eincremen, Eincremen!
Man kann es nicht oft genug betonen: Ob im Urlaub oder zu Hause - wer sich in der Sonne aufhält, sollte sich eincremen. Allerdings bietet auch das beste Sonnenschutzmittel nur begrenzt Schutz vor den UV-Attacken der Sommersonne. Deshalb gilt: Auch wer sich gut eincremt, sollte nicht zu lange Sonnenbaden. Wie stark eine Sonnencreme oder eine Sonnenmilch schützt, hängt vom Lichtschutzfaktor des Produkts ab: Je höher dieser Faktor, desto besser der Sonnenschutz. Entscheidend ist zudem neben dem individuellen Hauttyp die Stärke der UV- Einstrahlung vor Ort; diese gibt der so genannte UVI – der UV-Index – an, ein international gültiger Wert. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat hier für den Verbraucher eine Faustformel parat: Der Lichtschutzfaktor, mit dem sich Erwachsene schützen sollten, entspricht dem doppelten UVI-Wert. Oder anders herum: UVI mal zwei gleich Sonnenschutzfaktor.
Tipps
Wer mit heiler Haut durch den Sommer kommen möchte, sollte die folgenden "Sonnenschutzregeln" befolgen:
- Schützen Sie sich durch geeignete Kleidung und Kopfbedeckung.
- Achten Sie beim Eincremen auf den Lichtschutzfaktor.
- Sparen Sie nicht an der Sonnencreme. Motto sollte sein: Lieber zu viel als zu wenig!
- Cremen Sie die senkrecht besonnten Körperpartien besonders gut ein: Ohren, Nase, Schultern – bis hinunter zu den Fußrücken.
- Meiden Sie die Mittagssonne – hier ist das UV-Bombardement besonders stark.
- 50 Sonnenbäder im Jahr sind mehr als genug!
Weitere Infos zum Thema bietet die Website des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), im Internet beispielsweise unter http://www.bfs.de/uv/uv2/uvi.
Eine Informationsbroschüre speziell für Kinder und Jugendlichen hält das BfS bereit unter http://www.bfs.de/uv/uv2/Kinderflyer
Juli 2009
Onkologie - Tumorzellen in den Selbstmord treiben
Immer wieder steht die Forschung vor der Frage: Welche Möglichkeiten gibt es, Tumorzellen erfolgreich und nachhaltig zu vernichten? Wenn man weiß, dass jede Zelle nur eine begrenzte Lebensdauer hat und sich unter bestimmten Bedingungen selbst vernichtet, erscheint es sehr naheliegend, die bösartige Zelle so umzuprogrammieren, dass sie stirbt. Das Schlüsselwort lautet Apoptose - der programmierte Zelltod. Genau darauf hebt die Forschungsarbeit von Dr. Wilfried Roth und seinem Team ab. Sie wollen die Tumorzellen zum Verschwinden bringen, indem sie das Selbstmordprogramm der bösartigen Zellen in Gang setzen.
Verschiedene Tumorzellen haben unterschiedliche Überlebensstrategien
Hört sich einfach an, ist aber ziemlich schwierig. Denn um effektive Wirkstoffe entwickeln zu können, müssen die Forscher das Selbstmordprogramm der Tumorzellen erst einmal verstehen. Genauer, die Signalketten müssen entschlüsselt werden, die die Zelle schließlich zum Selbstmord bewegt. Diese molekularen Abläufe sind jedoch ziemlich komplex und können an vielen Stellen gestört sein. Besonders Tumorzellen entwickeln zahlreiche Strategien, um sich dem Zelltod zu entziehen.
Erschwerend kommt hinzu: Tumor ist nicht gleich Tumor. Die unterschiedlichen Tumorzellen haben unterschiedliche Strategien die Apoptose zu umgehen. Hirntumoren beispielsweise produzieren ein Protein, das den Zelltod hemmt. Um diese Zellen zu vernichten, muss also erst die Bildung des Proteins verhindert werden. Anders verhält es sich beim Nierentumor. Hier sind solche Rezeptoren vermehrt vorhanden, die zelltodauslösende Botenstoffe binden und damit unwirksam machen. Die Menge dieser Rezeptoren kann im Blut gemessen werden, und gibt Auskunft über die Schwere des Krankheitsverlaufs. Damit ist immerhin schon ein Faktor einer Signalkette einer Tumorart identifiziert.
Ein guter Anfang und ein guter Ansatz; für die Zukunft allerdings gibt es noch reichlich Forschungsbedarf.
Juli 2009
Onkologie - Lokale Tumortherapie durch magnetische Nanotaxis
Ob Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie – bei den herkömmlichen Behandlungsansätzen zum Kampf gegen den Krebs werden bei der Beseitigung der Tumore nicht nur bösartige Krebszellen vernichtet. Fast immer wird auch gesundes Gewebe geschädigt oder - schlimmer noch - der gesamte Körper in Mitleidenschaft gezogen. Für viele sowieso schon geschwächte Patienten eine Tortur. Ein zentrales, zugleich aber extrem anspruchsvolles Ziel der Krebsforschung ist die Entwicklung von Behandlungsmethoden, die den Tumor wirksam und ohne Nebenwirkungen beseitigen. Bei einer Chemotherapie heißt das: Der Wirkstoff darf möglichst nur im Tumor wirken.
"Es gilt, die bestmögliche Balance von therapeutischem Nutzen und toxischem Effekt zu erreichen", so der Mediziner Christoph Alexiou von der Universität Erlangen.
Gezielter Transport zum Tumor
Alexiou hat mit seinem Team ein solches Verfahren entwickelt. Das innovative und einzigartige Therapiekonzept setzt dabei auf Nanotechnologie: Dem Patienten sollen kleinste Teilchen, so genannte Nanopartikel, mit metallischem Kern injiziert werden. Die magnetischen Nanopartikel sind mit einem Wirkstoff beladen, der die Krebszellen zerstören soll. Präzise fokussierte elektromagnetische Felder außerhalb des Körpers lenken die Nanoteilchen dann gezielt durch die Blutbahn, so dass sie sich in den bösartigen Tumoren anreichern. Die magnetischen Nanotaxis bringen so den Wirkstoff auf direktem Weg zum Tumor, ohne damit das übrige Gewebe zu belasten und zu schädigen. Das Ergebnis: Eine hochwirksame lokale Tumortherapie, die so gut wie keine Nebenwirkungen hat.
Komplexe interdisziplinäre Herausforderung
Für den Patienten ist diese Therapie allerdings noch Zukunftsmusik. Damit das so einfach klingende Behandlungsprinzip Einzug in die klinische Praxis halten kann, müssen Mediziner, Chemiker, Pharmazeuten, Physiker und Ingenieure eine Menge fachübergreifende Arbeit leisten. Es gilt, einen geeigneten Wirkstoff zu entwickeln, die Beladung magnetischer Nanopartikel mit diesem Wirkstoff in den Griff zu bekommen und die High-Tech-Geräte zur Erzeugung der benötigten Magnetfelder zu perfektionieren. Und schließlich müssen Verträglichkeit und Wirksamkeit der Nanoteilchen untersucht und experimentell überprüft werden.
Vorklinische Erprobung läuft
An der Universität Erlangen ist nun die vorklinische Erprobung des Verfahrens angelaufen. Die ersten experimentellen Ergebnisse sind vielversprechend. Es wird aber sicherlich noch einige Jahre dauern, bis das neue Konzept tatsächlich in der Krebstherapie eingesetzt werden kann. In Kollegenkreisen hat das Konzept einer lokalen Tumortherapie durch magnetische Nanopartikel offensichtlich überzeugt: Am 2. Juli wurde Alexiou mit dem
Innovationspreis der deutschen Hochschulmedizin 2009 ausgezeichnet.
Juni 2009
Onkologie - Vorsicht bei der Einnahme von Tamoxifen und Antidepressiva
Dass Brustkrebspatientinnen häufiger an Depressionen leiden als gesunde Frauen ist leicht verständlich. Häufig bekommen sie dann ein Medikament verordnet, das im Gehirn die Wiederaufnahme des Neurotransmitters Serotonin aus dem synaptischen Spalt hemmt, einen sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder kurz SSRI (Selective Serotonin Reuptake Inhibitor). Eine zu niedrige Serotonin-Konzentration kann die Ursache einer Depression sein. SSRIs sind Antidepressiva und sorgen für eine ausreichende Konzentration von Serotonin an der richtigen Stelle. Sie werden häufig verordnet, da die Nebenwirkungen nicht so stark sind wie die anderer Antidepressiva, bzw. nach einiger Zeit verschwinden. Bei Brustkrebspatientinnen, die mit Tamoxifen behandelt werden, haben SSRIs außerdem den positiven Effekt, dass sie gleichzeitig auch die unangenehmen Hitzewallungen unterdrücken, die bei der Tamoxifen-Therapie auftreten.
Gefährliche Nebenwirkung bei der Kombination von Tamoxifen und SSRI
Allerdings hat eine neue amerikanische Studie der Universität von Indiana jetzt gezeigt, dass die Kombination von Tamoxifen mit Antidepressiva der Substanzklasse der SSRI unter Umständen noch einen ganz anderen, äußerst gefährlichen Nebeneffekt hat: Die meisten Wirkstoffe der Substanzklasse der SSRI hemmen nicht nur die Serotonin-Wiederaufnahme, sondern gleichzeitig auch das Enzym CYP2D6. Dieses Enzym ist wichtig, damit Tamoxifen optimal wirken kann. Ist CYP2D6 nicht in ausreichender Menge vorhanden, ist die Wirkung von Tamoxifen gegen die Krebserkrankung herabgesetzt. Was die amerikanischen Wissenschaftler bisher nicht wussten und was die Studie deutlich zutage gefördert hat: Je stärker das CYP2D6-Enzym gehemmt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Krebserkrankung wieder auftritt.
Die Studie
Für ihre Analyse haben die Wissenschaftler Daten von ca. 1300 Frauen ausgewertet, die zwischen 2003 und 2005 erstmals Tamoxifen eingenommen hatten. 353 von ihnen erhielten Tamoxifen sowie einen SSRI. 945 Frauen bekamen nur das Antiöstrogen.
Unter den SSRIs gibt es verschiedene Wirkstoffe, die das CYP2D6-Enzym unterschiedlich stark hemmen. Mittel bis stark wirken Fluoxetin, Paroxetin oder Sertralin. Die Auswertung der Daten ergab: Verglichen mit den Frauen, die ausschließlich mit Tamoxifen behandelt wurden, lag die Rückfallquote bei 16%. Damit ist das Rückfallrisiko mehr als doppelt so hoch. Bei den SSRIs Citalopram und Fluvoxamin, die das Enzym CYD2D6 nur leicht hemmen, lag die Rückfallquote bei 8,8 Prozent.
Fazit
Bei Patientinnen, die Tamoxifen einnehmen, sollte die Auswahl eines zusätzlichen SSRIs besonders aufmerksam überdacht werden.
Das einzige Antidepressivum, das den Tamoxifen-Stoffwechsel nicht beeinflusst, ist Venlafaxin. Dies hat der CYP2D6-Forscher, Dr. Vered Stearns von der John Hopkins School of Medicine in Baltimore herausgefunden.
Juni 2009
Onkologie - Medikament gegen Diabetes stärkt den Körper gegen Krebs
Metformin ist eines der ältesten und weltweit am häufigsten verordneten Medikamente, um den Blutzuckerspiegel bei Diabetes Typ 2 zu senken. Auch wird das Antidiabetikum zur Behandlung vom Polyzistischen Ovarial-Syndrom eingesetzt. Beim PCOS kann es Symptome wie Übergewicht, Unfruchtbarkeit, Akne oder Haarausfall lindern. Darüber hinaus steigert Metformin die Verbrennung von Fettsäuren.
Schon frühere Studien legten die Vermutung nahe, dass Metformin außerdem das Krebsrisiko senkt. Beispielsweise lag die Heilungsrate bei Diabetikerinnen mit Brustkrebs, die Metformin einnahmen, höher als bei den übrigen Brustkrebspatientinnen. Eigentlich erkranken Diabetiker eher häufiger an Krebs als andere Menschen. Eine Erklärung, warum das im Zusammenhang mit Metformin anders ist, gab es bisher jedoch nicht.
Eine amerikanische Forschergruppe der Universität von Philadelphia hat jetzt nachgewiesen, dass Metformin das Krebsrisiko senkt, und möglicherweise auch den Mechanismus entdeckt, wie das Antidiabetikum die körpereigene Abwehr gegen den Krebs aktiviert. Die Ergebnisse könnten damit entscheidend zur Verbesserung von Impfstoffen gegen Krebs beitragen.
Bei Tieren stärkt Metformin das Immunsystem
Die Forschergruppe testete Metformin an Versuchstieren und stellte fest, dass sich das Medikament positiv auf deren Immunsystem auswirkte. Weitere Untersuchungen, bei denen die Tiere einen experimentellen Krebs-Impfstoff erhielten, zeigten: Die Tiere, die gleichzeitig auch Metformin bekamen, erkrankten seltener an Krebs als die, die nur geimpft waren.
Der Mechanismus, der diesem Effekt zugrunde liegt ist folgender: Metformin steigert u.a. die Verbrennung von Fettsäuren, was sich wiederum positiv auf das Immunsystem auswirkt. Eine vermehrte Fettsäurenverbrennung nämlich regt die Bildung sogenannter Gedächtniszellen an. Diese bildet das Immunsystem nach dem Kontakt mit Krankheitserregern. Tauchen die bekannten Krankheitserreger erneut auf, wird sofort eine Abwehrreaktion ausgelöst. Die Gedächtniszellen des Immunsystems sind auch dafür verantwortlich, dass nach Impfungen der Körper jahrelang vor den entsprechenden Krankheitserregern geschützt ist. Genauso wehrt das Immunsystem auch Tumorzellen ab.
Dass der Wirkmechanismus beim Menschen genauso funktioniert, ist ziemlich wahrscheinlich. Jedenfalls sprechen die Ergebnisse früherer Studien sehr dafür (s.o.). Auch die Behandlungsstrategien von Diabetikern werden von den neuen Erkenntnissen mit Sicherheit nicht unberührt bleiben.
"Da in größeren Untersuchungsreihen bei Diabetespatienten häufiger Krebserkrankungen gefunden wurden, sind die aktuellen Erkenntnisse ein zusätzlicher, neuer Aspekt für die individuellen Therapieabwägungen", meint Professor Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.
Juni 2009
Onkologie - Prostatakrebszellen riechen Veilchenduft
Die Bochumer Biologen um Prof. Dr. Dr. Hatt haben ein Protein entdeckt, das in Prostatakrebszellen massenhaft hergestellt wird und Veilchenduft "riechen" kann. Der Blumenduft kommt in der Prostata zwar nicht vor, dafür aber ein ähnlich aufgebautes Molekül, ein Stoffwechselprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron. Genau wie das Veilchenduftmolekül aktiviert auch das Steroidhormon den neu entdeckten Riechrezeptor. Dieser veranlasst die Zelle dann, die Zellteilung einzustellen.
"Das heißt, dass man mit Veilchenduft das Prostatakrebswachstum anhalten kann", spitzt Prof. Hatt die Ergebnisse zu.
Die Untersuchung
Dass Riechrezeptoren auch außerhalb der Nase vorkommen, haben die Forscher schon vor einigen Jahren belegt. Damals wiesen sie Riechrezeptoren für Maiglöckchenduft in menschlichen Spermien nach. Jetzt sind sie den Riechrezeptoren von Prostatakrebszellen auf der Spur. Zunächst testeten die Bochumer Biologen das neu entdeckte Rezeptorprotein hOR 51 E2 in Nierenzellen. Diese konfrontierten sie mit einer Mixtur verschiedener Duftstoffe, um festzustellen, auf welchen die Zellen mit einer vermehrten Calcium-Ausschüttung reagieren würden. Die Calcium-Ausschüttung wurde mit für Calcium empfindlichen Farbstoffen kenntlich gemacht. Das Ergebnis: hOR 51 E2 reagierte auf beta-Ionen, den klassischen Veilchenduft und auf die dem Veilchenduft in der Molekülstruktur ähnlichen Steroidhormone. Die anschließenden Untersuchungen an Prostatazellen bestätigten die Ergebnisse, auch sie reagierten auf die Duftmoleküle und das Steroidhormon. Schleusten die Wissenschaftler jedoch eine Gensequenz in die Zelle ein, die die Rezeptorherstellung verhinderte, reagierten die Zellen weder auf den Duft noch auf das Steroidhormon.
Als Nächstes stellte sich die Frage: Welche Funktion hat der Rezeptor in der Prostatazelle? In einer älteren Studie fanden die Forscher die Beschreibung eines Proteins unbekannter Struktur, das vor allem in Prostatakrebszellen verstärkt gebildet wird. Überraschenderweise handelte es sich dabei genau um den Rezeptor, den die Bochumer Wissenschaftler gegenwärtig untersuchten.
Untersuchung an Prostatakrebszellen
Wenn in Prostatakrebszellen die Rezeptorproteine tatsächlich in großen Mengen gebildet werden, müsste die Zellantwort der Krebszellen auf den Veilchenduft und das Steroidhormon auch besonders ausgeprägt sein, überlegten die Forscher. Tests an Prostatakrebszellen, die das Forscherteam aus Operationsmaterial entnommen hatten, bestätigten diese Vermutung. Und mehr noch: Der Veilchenduft wirkte sich erheblich auf das Wachstum der Zellen aus. Das Wachstum der Krebszellen nahm signifikant ab und sank gegen Null.
Weitere Untersuchungen zeigten: Der Signalweg beim Rezeptorprotein der Krebszellen ist ein gänzlich anderer als bei den Riechzellen. Bei den Krebszellen wird das Signal des Rezeptors direkt an den Zellkern übermittelt, der dann dafür sorgt, dass die Zellteilung reduziert wird.
Untersuchungen an Mäusen sollen nun zeigen, ob das, was in Zellkulturen möglich ist, auch im Organismus funktioniert.
"Dann wird man die Erkenntnis irgendwann vielleicht therapeutisch gegen Prostatakrebs einsetzen können", hofft Prof. Hatt.
Mai 2009
Onkologie - Krebs vom Grill – nein danke
Beim starken Erhitzen von Fleisch oder Fisch auf dem Grill oder in der Pfanne entstehen sogenannte heterozyklische aromatische Amine. Diese provozieren im Dickdarm bestimmte Gewebeveränderungen - als Adenome bezeichnete Polypen. Adenome sind häufig Vorstufen von Dickdarmkrebs. Schon lange stehen die heterozyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe im Verdacht, die Entstehung von Adenomen zu begünstigen. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums können dies nun belegen.
Die Studie
Für die Untersuchung wurden 4484 Teilnehmer aus der großangelegten EPIC-Studie (European Investigation into Cancer and Nutrition) rekrutiert. Die europaweite Studie untersucht Zusammenhänge zwischen Krebserkrankungen und Ernährungsgewohnheiten. Die Testpersonen hatten zu Beginn der Studie Auskunft über ihre Ernährungsgewohnheiten gegeben. Mithilfe von Abbildungen wurde außerdem der bevorzugte Bräunungsgrad von gegrilltem oder gebratenem Fisch oder Fleisch der Konsumenten ermittelt. Aus diesen Daten berechneten die Wissenschaftler für jeden Studienteilnehmer die Höhe des mit der Nahrung aufgenommenen PhIP. PhIP (2-Amino-1-Methyl-6-Phenylimidazo [4,5-b]Pyridine) gehört zur Substanzklasse der heterozyklischen aromatischen Amine. Anschließend wurden die Probanden entsprechend der Höhe der PhIP-Aufnahme in vier Gruppen unterteilt.
Das Ergebnis
In der Gruppe mit dem höchsten PhIP-Konsum beobachteten die Wissenschaftler etwa 50 Prozent mehr Dickdarm-Adenome als bei denjenigen, die die geringste Menge PhIP aufnahmen. Die Gewebeveränderungen zeigten sich vor allem im untersten Darmabschnitt. Die Wissenschaftler sind sich darüber einig, das 50 Prozent höhere Risiko für Adenome lässt sich nicht allein durch den Fleischkonsum erklären, sondern hängt ganz klar mit der Vorliebe für stark Gebratenes zusammen. Dr. Sabine Rohrmann vom Deutschen Krebsforschungszentrum folgert aus den Ergebnissen: „Vorsicht beim Grillen und Braten! Lieber Schmorgerichte oder andere Zubereitungsarten wählen, die mit geringerer Hitze auskommen.“
Weitere Schadstoffe
Damit aber nicht genug. Heterozyklische aromatische Amine sind nämlich nur ein Teil der gesundheitsschädlichen Stoffe, die beim Grillen entstehen.
Tropft Fett oder Fleischsaft auf die glühenden Kohlen, entsteht bei der Verbrennung Benzpyren, das auch krebserregend ist. Die Schadstoffe steigen mit dem Rauch auf und setzen sich auf dem Grillgut ab. Bei gepökelter Grillware können sich auf gleiche Weise die ebenfalls krebserregenden Nitrosamine entwickeln.
Grillen - aber richtig
Grillen ist im Grunde eine der gesündesten Gararten: Durch die direkte Hitze, schließen sich sofort die Poren im Fleisch und die wertvollen Vitamine, Mineralstoffe und der gute Geschmack bleiben erhalten. Grillfreunde sollten daher darauf achten, das Fleisch nicht zu scharf anzubraten, und darauf, dass kein Fett, Fleischsaft oder Marinade in die Glut kleckert. Wenn blauer Rauch aufsteigt, ist das ein Zeichen, dass krebserregende Substanzen das Fleisch umnebeln. Am besten also mageres Fleisch in genügend Abstand von den glühenden Kohlen auflegen und die Marinade vorher gut abtropfen lassen.
Mai 2009
Onkologie - Kinderwunsch nach Krebs
Das Universitätsklinikum Erlangen forscht mit Hochdruck an einer neuen Methode zum Erhalt der Fruchtbarkeit bei Frauen und hat dafür kürzlich eine Förderung erhalten. Den Frauen wird vor der Krebstherapie Eierstockgewebe entnommen, eingefroren und nach überstandener Erkrankung wieder eingesetzt.
Allerdings gibt es bei dieser Methode ein Problem: Bei der Rückübertragung des entnommenen Gewebes besteht die Gefahr, dass alte Tumorzellen mit übertragen werden. Bei Brust- oder Lymphdrüsenkrebs ist diese Methode relativ unbedenklich. Ganz anders sieht es jedoch bei Eierstockkrebs und Leukämie aus. Das Forschungsprojekt soll nun das Rückübertragungsrisiko von Krebszellen ausschalten.
Krebsbehandlung und Fruchtbarkeit
Chemo-, Hormon-, Strahlentherapie oder Operationen können die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen dauerhaft schädigen. Für junge Menschen stellt sich also bei einer Krebsdiagnose nicht nur die Frage nach der besten Behandlungsmethode. Auch ein möglicher Kinderwunsch muss bei der Therapieplanung berücksichtigt werden. Für Männer ist das Problem eher geringfügig. Sie können ihre Spermien gegebenenfalls vor der Behandlung einfach einfrieren lassen. Der später aufgetaute Genpool ist dann genauso einsatzfähig wie vor der Krebstherapie. Junge Frauen hingegen sind von der Frage nach der Zukunftsplanung zum Zeitpunkt einer Krebsdiagnose häufig überfordert. Oft muss eine Entscheidung getroffen werden, obwohl ein Kinderwunsch oder ein entsprechender Partner noch nicht einmal vorhanden ist - und das auch noch unter Zeitdruck. Dazu kommt: Es gibt zwar verschiedene Verfahren die Fruchtbarkeit der betroffenen Frauen zu erhalten, diese sind aber wesentlich komplizierter als die für Männer, und auch die Prognosen sind nicht so eindeutig.
Wenn die Fruchtbarkeit erhalten bleiben soll …
Zum einen können vor einer Bestrahlung des Beckenbereichs die Eierstöcke operativ aus dem Bestrahlungsgebiet ausgelagert werden, um die Strahlenschäden zu verringern. Später werden die Eierstöcke dann wieder an ihren Ort zurück verlegt.
Zum anderen können – wie bei einer künstlichen Befruchtung - Hormone verabreicht werden, sodass in einem Zyklus mehrere Eizellen entstehen. Diese werden dann entnommen und eingefroren. Manchmal bleibt jedoch nicht mehr genügend Zeit für diese zurzeit gängigste Methode, weil die Krebstherapie so schnell wie möglich begonnen werden muss.
Viel Hoffnung liegt daher auf dem neuen Verfahren, der sogenannten Kryokonservierung von Ovarialgewebe. Dabei wird mittels Bauchspiegelung Eierstockgewebe entnommen und schonend eingefroren. Im Gegensatz zur Entnahme von Eizellen kann das Eierstockgewebe auch noch eine halbe Woche vor Therapiebeginn entnommen werden. Nach überstandener Krebserkrankung, also ca. zwei Jahre nach Ende der Therapie, wird das Gewebe aufgetaut und wieder eingesetzt.
Die erste erfolgreiche Rückübertragung ist in Deutschland im April 2008 geglückt. Der 32-Jährigen wurde zweieinhalb Jahre nach der Krebstherapie Eierstockgewebe voll funktionsfähig zurück verpflanzt. Weltweit haben bis heute fünf Frauen nach einer solchen Rückübertragung Kinder geboren. Ein Beweis dafür, dass auf diese Weise die Fruchtbarkeit von zuvor krebsbehandelten Frauen wieder hergestellt werden kann.
März 2009
Onkologie - Acrylamid in Lebensmitteln reduziert – aber nicht genug
Seit 2002 ist bekannt, dass beim Frittieren stärkehaltiger Produkte der krebsverdächtige Stoff Acrylamid entstehen kann. Sind die Kontrollen und Maßnahmen von damals tatsächlich ausreichend?
Seit 2002 ist bekannt, dass beim Frittieren stärkehaltiger Produkte der krebsverdächtige Stoff Acrylamid entstehen kann. Sind die Kontrollen und Maßnahmen von damals tatsächlich ausreichend?
Kaum einer wagte sich vor rund sechs Jahren noch mit gutem Gewissen Pommes, Cornflakes oder Mürbegebäck zu verspeisen. Das Schreckgespenst Acrylamid hatte nicht nur den Frittenfans gehörig den Appetit verdorben, sondern verunsicherte die Verbraucher allgemein. Tierversuche hatten gezeigt: Bei Mäusen löst Acrylamid Krebs aus und schädigt das Erbgut. Wie die Substanz beim Menschen wirkt, ist bis heute nicht geklärt.
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) reagierte damals prompt. In Zusammenarbeit mit Wirtschaft, Bundesländern und dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz führte das BVL ein Konzept zur Minimierung der Acrylamidbelastung in Lebensmitteln ein. Mit Herstellern von Fertigprodukten wurden Verfahren entwickelt, bei denen möglichst wenig Acrylamid entsteht. Seit 2008 existiert ein Programm auf EU-Ebene, das in Deutschland auch die regelmäßige Kontrolle von Brot, Getreidebrei, Säuglings- und Kindernahrung im Gläschen vorsieht.
Dennoch gibt es kritische Stimmen, denen die Maßnahmen nicht ausreichen.
Foodwatch fordert Kennzeichnungspflicht
Foodwatch e. V. ist eine Organisation, die sich für die Rechte der Verbraucher und die Qualität von Lebensmitteln einsetzt. Dem Verein reichen die bisherigen Maßnahmen und Vorgaben für Industrie und Hersteller bei Weitem nicht aus. Die Acrylamidwerte müssen stärker gesenkt und mehr Transparenz für den Verbraucher geschaffen werden, so die Forderung. Herstellern und Behörden lägen zwar tausende von Testergebnissen vor, der Verbraucher aber tappe immer noch im Dunkeln, moniert Foodwatch. Deshalb sollten alle acrylamidhaltigen Nahrungsmittel gekennzeichnet, die Werte auf der Verpackung ausgewiesen und sämtliche Messergebnisse veröffentlicht werden. Aus folgenden Gründen:
Zum einen ist immer noch nicht geklärt, wie viel Acrylamid welche gesundheitlichen Folgen für den Menschen hat. Deshalb muss davon ausgegangen werden, dass bei jeder Menge der Substanz ein Krankheitsrisiko besteht, das mit der Dosis steigt. Die Belastung sollte also so niedrig wie möglich gehalten werden. Sind belastete Produkte gekennzeichnet, kann der Verbraucher selbst entscheiden, welche er kauft bzw. wie viel Acrylamid er sich zumutet.
Zum anderen fehle ohne Öffentlichkeit der Druck auf die Hersteller, den Acrylamidgehalt nachhaltig zu senken, meint Foodwatch.
Wie entsteht Acrylamid?
Acrylamid entsteht beim Rösten, Frittieren, Braten und Backen stärkehaltiger Produkte wie Kartoffelchips, Pommes oder Lebkuchen. Auch in Mais-Chips, Cornflakes, Popcorn, Brot, Knäckebrot, Toast, Zwieback, Keksen, Knabbergebäck, Kaffee- und Kakaopulver, in der Panade von Fischstäbchen und in Kuchen wurde Acrylamid gefunden.
Chemisch gesehen entsteht Acrylamid, wenn reduzierende Zucker wie Glucose oder Fructose mit der Aminosäure Asparagin reagieren. Je höher die Temperatur ist, desto mehr Acrylamid entsteht. Je stärker gebräunt die Erzeugnisse sind, desto mehr Acrylamid enthalten sie.
Tipps zur Reduzierung von Acrylamid
Schon einfache Maßnahmen, beispielsweise die Verwendung anderer Zutaten oder geringere Backtemperaturen senken den Acrylamidgehalt. Da die höchsten Werte vor allem in Kartoffelprodukten gefunden wurden, hier einige Tipps zur acrylamidarmen Zubereitung:
- Pommes und Kartoffelchips sollten nur goldgelb sein. Wer selbst frittiert, sollte die Temperatur auf 175 Grad einstellen, bei Backofen-Fritten sind 180° Grad gefahrlos.
- Frittieröl, das den Zusatzstoff E900 enthält, sollte nicht benutzt werden, denn das Schaumverhütungsmittel fördert möglicherweise die Entstehung von Acrylamid.
- Für Bratkartoffeln besser gekochte Kartoffeln verwenden und in Butter braten; Kartoffeln mit grünen Stellen meiden.
- Beim Brotkauf darauf achten, dass die Kruste nicht zu dunkel ist, und beim Toasten den Toaster auf Goldgelb einstellen.
- Wer die Küche beim Braten, Backen und Frittieren gut belüftet, vermeidet, dass das leicht flüchtige Acrylamid eingeatmet wird. Denn inwieweit die Substanz gefahrlos eingeatmet werden kann, ist ebenfalls nicht geklärt.
Eine gute Nachricht zum Schluss: Pellkartoffeln, Kartoffelpüree oder Kartoffelsalat enthalten kein Acrylamid.
März 2009
Onkologie - Alkohol erhöht das Krebsrisiko von Frauen
Sie sind weiblich und trinken nur ein alkoholisches Getränk pro Tag? Schon das genügt, um Ihr Risiko für eine Krebserkrankung zu erhöhen.
Das zeigte die britische Million-Women-Studie, deren Ergebnisse jetzt im Journal of the National Cancer Institute erschienen sind. Für die Studie machten zwischen 1996 und 2001 über 1,2 Millionen Frauen über 50 Angaben zu ihren Lebensgewohnheiten. Diese wurden auf die Häufigkeit innerhalb von 7,2 Jahren auftretender Krebserkrankungen bezogen.
Die Ergebnisse
Neben Brustkrebs fördert das tägliche Bier demnach auch bösartige Tumore in Darm, Leber und bei Rauchern auch im Kopf-Hals-Bereich.
In Zahlen ausgedrückt heißt das:
Bei einem täglichen Konsum von 10 Gramm reinem Alkohol, was in etwa einem alkoholischen Getränk gleichzusetzen ist, steigt das
- Brustkrebsrisiko um 12 Prozent
- Darmkrebsrisiko um 10 Prozent
- Risiko für Leberkrebs um 24 Prozent
- Risiko für Mund und Rachenkarzinome um 29 Prozent
- Kehlkopfkrebsrisiko um 44 Prozent
- Speiseröhrenkrebsrisiko um 22 Prozent.
Die letzten drei Krebsarten treten nur dann vermehrt auf, wenn die Frauen auch rauchen.
Warum Alkohol das Krebsrisiko erhöht
Acetaldehyd, das beim Abbau von Alkohol entsteht, wirkt im ganzen Körper schädigend. Diese Substanz ist auch für die lästigen „Kater“-Symptome verantwortlich. Acetaldehyd kann außerdem die DNA verändern, bzw. deren Reparatur behindern, so dass Zellen entarten. Experten vermuten, dass Nikotin lokal die krebsfördernde Wirkung des Alkohols fördert. So erklärt sich das relativ stark erhöhte Krebsrisiko im Kopf-Hals-Bereich.
Alkohol erhöht auch die Konzentration verschiedener Hormone im Blut, die mit der Entstehung von Krebs in Verbindung stehen. Dazu gehören Östrogen, Testosteron und Insulin. Außerdem schädigt Alkohol die Leberzellen, so dass Leberkrebs entstehen kann.
Diese Ergebnisse klingen massiv nach Spaß verderben, aber es gibt auch gute Nachrichten: Einigen Krebserkrankungen könnte durch Alkohol auch vorgebeugt werden. Die Million-Women-Studie zeigte, dass sich milder Alkoholkonsum positiv auf die Krebsrate von Nieren und Schilddrüse auswirkt. Auch das Non-Hodgkin-Lymphom, eine Krebserkrankung, bei der bestimmte Blutzellen ungehindert wuchern, tritt seltener auf.
Wie Frau sich jetzt verhalten soll
Die Ergebnisse tragen nicht gerade zu einer eindeutigen Haltung im Umgang mit Alkohol bei. Das britische Krebsforschungsinstitut Cancer Research UK sieht aber aufgrund der Studienergebnisse keinen Grund, von einem gemäßigten Alkoholkonsum abzuraten. Allerdings sollte das Krebsrisiko im Zusammenhang mit Alkohol nicht völlig außer Acht gelassen werden.
Also, hoch die Tassen, aber in Maßen.
März 2009
Onkologie - Mikrokügelchen gegen Leberkrebs
SIRT. Nicht nur der Name, auch das Therapie-Verfahren als solches klingt nach Science-Fiction. Tatsache ist aber: SIRT ist ein hochwirksames Verfahren zur Bekämpfung bösartiger Tumoren und Metastasen der Leber und wird seit 2007 erfolgreich angewandt.
Bei dieser Methode werden, im Gegensatz zur herkömmlichen Bestrahlung, Millionen kleinster, mit bloßem Auge nicht sichtbare, radioaktive Kunstharzkügelchen direkt zum Tumor geschleust. Die Krebsherde werden also nicht von außen, sondern direkt von innen bestrahlt. Dazu wird in der Leistengegend ein kleiner Schnitt gemacht. Von dort werden die Kügelchen, sogenannte Mikrosphären, mithilfe eines Katheters in die Leberarterie geleitet. Auf diesem Weg gelangen sie direkt zum erkrankten Gewebe.
"Dort sammeln sie sich in den kleinen, den Tumor versorgenden Blutgefäßen, geben ihre Strahlung punktgenau an die Krebszellen ab und verkleinern oder zerstören diese", erklärt Institutsdirektor Prof. Vogl vom Klinikum der J.W. Goethe-Universität in Frankfurt. Dort wird die SIRT u. a. praktiziert.
Die neue Bestrahlungsmethode bietet einen großen Vorteil: "Mit der SIRT können wir Tumoren und Metastasen in der Leber präzise und hoch dosiert bestrahlen. Das umliegende gesunde Gewebe wird dabei weitgehend geschont", so Vogl. Sein Team hat sich darauf spezialisiert, die Therapie ohne Krankenhausaufenthalt des Patienten durchzuführen. Für 2009 sind bereits 15 ambulante SIRT-Behandlungen geplant. Ein weiterer wichtiger Vorteil: Die Therapie wird von allen Krankenkassen erstattet.
Februar 2009
Onkologie - Wenn die Schokolade nach Eisen schmeckt
Viele Menschen leiden während einer Chemotherapie an verändertem Geschmacks- und Geruchsempfinden. Genaue Ursachen sind bisher nicht bekannt. Eine neue Untersuchung soll jetzt Licht ins Dunkel bringen.
Neben Operation und Bestrahlung ist die Chemotherapie die dritte Methode eine Krebserkrankung zu bekämpfen. Die meisten Patienten verbinden mit der Chemotherapie sofort Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen. Inzwischen ist es jedoch gut möglich, Übelkeit und Erbrechen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren.
Häufig berichten Patienten allerdings über Veränderungen der Geruchs- und Geschmackswahrnehmung. Einige nehmen diese Nebenwirkung einfach nur zur Kenntnis, andere empfinden sie als starke Beeinträchtigung der Lebensqualität. Zum Beispiel berichten 82 % der Patienten unter Chemotherapie, dass ihr Geschmacksempfinden für bitter erhöht ist. Leider gibt es bisher keine verlässlichen Aussagen darüber, welche Patienten besonders anfällig für diese Wahrnehmungsstörungen sind, noch bei welchen Substanzen sie auftreten.
Neue Forschung
Eine Forschungsgruppe um Dr. Dr. Frank Mayer vom Universitätsklinikum Tübingen ist jetzt den falschen Geschmäckern und Gerüchen auf der Spur. Teilnehmer der Untersuchung sind sowohl Patienten unter und nach einer üblichen Chemotherapie als auch Patienten nach einer Knochenmarkstransplantation. Die Wissenschaftler wollen klären, welche Geschmacks- bzw. Geruchsveränderungen unter Chemotherapie zu erwarten sind, und mit welchem Verlauf der Störungen nach Abschluss der Therapie zu rechnen ist. Außerdem soll untersucht werden, ob ein Zusammenhang zwischen verändertem Geruchs- bzw. Geschmacksempfinden und Gewichtsverlust besteht.
Erst wenn diese Fragen geklärt sind, ist es möglich, Patienten im Hinblick auf mögliche Wahrnehmungsveränderungen fundiert zu beraten. Bei Behandlungsalternativen bestünde außerdem die Möglichkeit, die besser verträgliche Therapie zu wählen und den Patienten zu entlasten.
Die Ergebnisse der Erhebung sollen im Juni 2009 auf der weltweit größten onkologischen Fachtagung in Florida vorgestellt werden. Die endgültige Auswertung wird Ende des Jahres erwartet.
Erste Ergebnisse
Einige Hinweise gibt es schon jetzt: Zum einen spielt die Intensität der Chemotherapie offenbar keine Rolle für das Auftreten der Sinnesveränderungen. Zum anderen haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass bei Knochenmarkstransplantationen die Herkunft des Spendermaterials die Veränderungen beeinflusst. Außerdem zeichnet sich ab, dass der Geschmacksverlust mit höheren Gewichtsverlusten bei den betroffenen Patienten einhergeht.
Februar 2009
Onkologie - Bewegung nach den Wechseljahren gegen Brustkrebs
Frauen, die nach den Wechseljahren körperlich aktiv sind, haben ein deutlich niedrigeres Risiko an Brustkrebs zu erkranken als untätige.
Regelmäßige körperliche Ertüchtigung senkt das Brustkrebsrisiko. Diese Erkenntnis deutete sich schon in früheren Studien an. Die Studie MARIE des Deutschen Krebsforschungszentrum und des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat jetzt den Beweis erbracht - und noch viel mehr. Bisher wusste niemand, wie viel Sport Frauen genau machen müssen, damit tatsächlich ein Schutzeffekt eintritt. Auch war bisher unklar, in welcher Lebensphase körperliche Aktivität zur Vorbeugung vor Brustkrebs am sinnvollsten ist, und welche Art von Tumoren dadurch beeinflusst wird. Auf diese Fragen gibt die Studie MARIE (Mammakarzinom-Risikofaktoren-Erhebung) jetzt Antwort.
Die Studie
Für die Studie wurden 3.464 Brustkrebspatientinnen und 6.657 gesunde Frauen im Alter von 50 bis 74 Jahren befragt. Alle gaben Auskunft über ihre körperliche Aktivität während der Lebensphase vom 30. bis 49. Lebensjahr und der Phase 50 Jahre und mehr.
Ergebnisse
Die Auswertung der beiden Gruppen im Vergleich ergab Folgendes:
Insgesamt waren die gesunden Frauen körperlich aktiver gewesen als die Gruppe der Frauen mit Brustkrebs.
Die körperlich aktivsten Frauen trugen ein um ein Drittel niedrigeres Risiko nach den Wechseljahren an Brustkrebs zu erkranken, verglichen mit denen, die sich wenig bewegten. Und auch das ergab die Untersuchung: Um dem Brustkrebsrisiko vorzubeugen, muss sich niemand verausgaben. Die aktivsten Teilnehmerinnen der Studie gingen pro Tag zwei Stunden zu Fuß und fuhren eine Stunde Fahrrad. Die körperlich inaktivsten waren gerade mal 30 Minuten täglich zu Fuß unterwegs. In den Berechnungen wurde nicht nur Sport berücksichtigt, sondern alle Arten körperlicher Betätigung, wie beispielsweise Gartenarbeit, der Fußweg zum Supermarkt oder der Radweg zur Arbeit.
Außerdem machte die Auswertung der Studie deutlich, dass vor allem die körperliche Aktivität in der Lebensphase nach den Wechseljahren dazu beiträgt, das Brustkrebsrisiko zu senken.
Weiter wurden im Rahmen der Studie auch die Brustkrebsfälle selbst untersucht. Dabei zeigte sich, dass bei den aktiven Frauen insbesondere solche Tumoren seltener auftreten, die Rezeptoren für die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron ausbilden. Diese bösartigen „hormonrezeptor-positiven“ Tumoren machten bei den MARIE-Teilnehmerinnen 62,5 Prozent aller Brustkrebsfälle aus.
Klar ist jetzt auch, dass der Schutzeffekt körperlicher Aktivität auf das Brustkrebsrisiko unabhängig von Gewichtszunahme, Gesamtenergiezufuhr und Body Mass Index ist. Daher vermuten die Forscher, dass körperliche Aktivität das Brustkrebsrisiko über hormonelle Prozesse senkt, und nicht, wie bislang vermutet, durch Abnahme des Körperfetts oder durch andere Veränderungen der Körperkonstitution.
Den Studienergebnissen folgend rät Frau Dr. Karen Steindorf vom Deutschen Krebsforschungszentrum und leitende Wissenschaftlerin der Studie daher allen Frauen:
"Bleiben oder werden Sie körperlich aktiv – auch in der zweiten Lebenshälfte. Sie senken nicht nur Ihr Brustkrebsrisiko, sondern auch Knochen, Herz und Gehirn profitieren nachweislich davon."
Februar 2009
Onkologie - Übergewicht begünstigt Eierstockkrebs
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Körpergewicht und dem Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken? Und wenn ja welchen?
Genau diesen Fragen ist das Team um Prof. Dr. Michael Leitzmann, Direktor des Instituts für Epidemiologie und Präventivmedizin der Medizinischen Fakultät Regensburg im Rahmen einer Studie des u. s. Krebsforschungszentrums nachgegangen.
An der umfangreichen U.S.-Studie nahmen 94.525 Frauen teil, die zu Studienbeginn 1996 zwischen 50 und 71 Jahre alt waren. Sie beantworteten einen Fragebogen, der detaillierte Informationen über Körpermaße wie Gewicht, Umfang und Größe, zur allgemeinen Lebensweise und zur medizinischen Vorgeschichte abfragte. Anschließend wurden die Frauen über einen Zeitraum von sieben Jahren beobachtet, und alle in dieser Zeit auftretenden Fälle von Eierstockkrebs wurden erfasst und bestätigt.
Im Rahmen dieser Studie untersuchten die Wissenschaftler die Beziehung zwischen dem Körpergewicht und dem Auftreten von Eierstockkrebs. Zur Bewertung des Körpergewichts wurde der Body Mass Index (BMI) der Frauen zugrunde gelegt. Der BMI wird berechnet, indem man das Körpergewicht in Kilogramm durch die Größe in Meter zum Quadrat teilt. Eine 1,70 m große und 65 Kilo schwere Frau hat beispielsweise einen BMI von 22,5.
Übergewicht und Wechseljahre ohne Hormongabe verstärken das Risiko
Die Auswertung der Daten zeigte: Übergewichtige Frauen mit einem BMI über 30 haben, verglichen mit Frauen, die zu Beginn der Studie normalgewichtig waren (BMI unter 25), ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken.
Weitere Berechnungen ergaben, dass bei übergewichtigen Frauen, die außerdem in den Wechseljahren keine Hormone einnahmen, die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung sogar bei 80 % lag.
Aufgabe für die Zukunft wird nun sein, auf Grundlage der Studienergebnisse Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, die langfristig das Risiko zu erkranken senken.
Dezember 2008
Onkologie - Sport und Krebs
Welchen Einfluss haben Sport und Bewegung auf das körperliche, seelische und soziale Befinden von Krebspatienten? Darüber haben Experten kürzlich auf einem internationalen Symposium in München diskutiert.
Früher galt: Während einer Krebsbehandlung sollte sich der Patient körperlich schonen. Diese Sichtweise ist längst überholt. Das unterstrichen auch die Beiträge auf dem Münchner Symposium. Sport wirkt nicht nur vorbeugend gegen Krebs, sondern verbessert auch die Heilungschancen der Erkrankung. Sport unterstützt die Behandlung und die Nachsorge von Krebspatienten.
"Sport sollte neben Chemotherapie, Bestrahlung und Operation einen festen Stellenwert in der Krebsbehandlung erhalten – so wie ein Medikament", betont der Sportmediziner und Initiator der Veranstaltung, Professor Dr. Martin Halle.
Als Vorbeugemaßnahme reichen wöchentlich drei mal 30 Minuten, Patienten nach Operationen, Chemo- und Strahlentherapie sollten täglich 45 Minuten intensiv körperlich aktiv sein, empfiehlt Halle. Leichtes Schwitzen und ein bisschen Atemnot sind gut, dann wird der Stoffwechsel angeregt.
Brustkrebspatientinnen beispielsweise sollten sich fettarm ernähren, eine Gewichtszunahme vermeiden und schon in der akuten Behandlungsphase sportlich aktiv werden. "Der Sport führt zu gesteigerter Fitness und reduziert die Nebenwirkungen der Krebsbehandlung. Übelkeit, Erbrechen und chronische Müdigkeit werden weniger, wenn sich eine Brustkrebs-Patientin regelmäßig moderat sportlich betätigt. Körperliche Aktivität wirkt sich auf Energiebilanz, Hormonhaushalt, Insulinspiegel und Immunsystem positiv aus", erläutert Prof. Dr. Marion Kiechle, Direktorin der Frauenklinik am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.
Kurz: Sport beugt einer Krebserkrankung nicht nur vor. Wer während einer Krebsbehandlung moderat Sport treibt, tut aktiv etwas für den eigenen Heilungsprozess. Denn Sport und Bewegung regen den Kreislauf an, steigern die eigene Fitness und verbessern das Körpergefühl.
Wenn Sie mehr zu diesem Thema wissen wollen: Die Deutsche Krebshilfe hat eine Broschüre herausgegeben, mit dem Titel "Bewegung und Sport bei Krebs – die blauen Ratgeber 48". Diese können Sie kostenfrei bei der Deutschen Krebshilfe anfordern, im Internet lesen oder als pdf-Datei herunterladen.
Dezember 2008
Onkologie - Bauchspeck erhöht Prostatakrebsrisiko
Die Körperfettverteilung an Hüfte und Taille spielt eine entscheidende Rolle für das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken. Das hat jetzt eine weltweite Langzeitstudie gezeigt.
Entscheidend dafür, wie hoch das Risiko eines Mannes ist, an Prostatakrebs zu erkranken, ist der sogenannte Taillen-Hüftumfang-Quotient. Der berechnet sich, indem man den Wert des Taillenumfangs durch den des Hüftumfangs teilt. Liegt der Quotient bei über 0,99, so tragen diese Männer ein um 43 Prozent höheres Risiko für eine fortgeschrittene Prostatakrebserkrankung im Vergleich zu denjenigen, bei denen der Quotient unter 0,89 liegt.
Dies geht aus der 1992 begonnenen prospektiven EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) hervor, deren Ergebnisse jetzt in der Novemberausgabe der Fachzeitschrift "Cancer Epidemiology Biomarkers and Prevention" veröffentlicht wurden. An der EPIC-Studie nahmen über 153 457 Männer im Alter zwischen 25 und 70 Jahren teil.
Schon länger vermuten Wissenschaftler, dass die Bauchfettmenge das Prostatakrebsrisiko beeinflusst. Die Daten der EPIC-Studie belegen jetzt, dass es so ist, über die kausalen Zusammenhänge gibt es bisher aber nur Theorien. Denkbar ist, dass das Bauchfett den männlichen Hormonhaushalt im Hinblick auf das Prostatakrebsrisiko verändert. Ergänzende Auswertungen der Studie weisen daraufhin, dass der Androgenspiegel eine Rolle spielen könnte. Androgene sind Geschlechtshormone, die das Wachstum und die Reifung der Prostata beeinflussen.
Prostatakrebs ist bei europäischen Männern die am häufigsten diagnostizierte Krebsart und nach Lungen- und Dickdarmkrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Bekannte Risikofaktoren für Prostatakrebs sind ein fortgeschrittenes Lebensalter, eine erbliche Vorbelastung und außerdem die Zugehörigkeit zu bestimmten ethnischen Gruppen.
November 2008
Onkologie - Die geistigen Fähigkeiten schwinden - ist die Chemo schuld?
Vergesslichkeit, mangelnde Konzentrationsfähigkeit und Wortfindungsstörungen während einer Tumorerkrankung. Dieses Phänomen kennen viele Patienten. Eine neue Studie zeigt: Auslöser ist nicht allein die Chemotherapie.
Nach beendeter Therapie und guter Prognose ist für viele Krebspatienten alles anders als vorher, denn sie empfinden ihre geistigen Fähigkeiten als deutlich eingeschränkt.
Bisher schienen Forschungsergebnisse zu bestätigen, was Forscher und Betroffene vermuteten: Die Ursache für die kognitiven Probleme sei die stark belastende Chemotherapie. So dokumentieren mehrere Studien der letzten zehn Jahre bei bis zu 75 Prozent der getesteten Patienten nach einer Chemotherapie eine Einschränkung der geistigen Fähigkeiten. Zwar waren die Störungen nicht allzu stark und erreichten bei Weitem nicht das Ausmaß einer Demenz, erstreckten sich jedoch über ein breites Spektrum kognitiver Funktionen. Häufig klagen Patienten sogar noch Jahre nach der Behandlung über Schwierigkeiten.
Das Problem
Bei allen bisherigen Studien wurden die kognitiven Fähigkeiten erst nach Abschluss der Chemotherapie getestet.
Jetzt zeigt eine neue Studie unter der Leitung der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU): Die Chemotherapie kann höchstens einer von mehreren Auslösern für das Schwinden der geistigen Fähigkeiten während einer Krebstherapie sein.
Die Studie
COGITO (Cognitive Impairment in Therapy of Breast Cancer), so der Name der Studie, ist eine der weltweit größten Verlaufsstudien auf diesem Gebiet. Untersucht wurden die kognitiven Fähigkeiten von über 100 Brustkrebspatientinnen und zwar vor Beginn der Krebstherapie - auch vor einer Operation. Innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnose wurde die Untersuchung zweimal wiederholt.
Genauso untersuchte die Studie den Einfluss hormoneller Veränderungen auf die geistigen Fähigkeiten, denn bei den meisten Brustkrebspatientinnen sinkt therapiebedingt der Östrogenspiegel. Häufig führen Chemotherapie und Hormonbehandlung sogar zu einer vorzeitigen Menopause (Aufhören der Monatsblutung in den Wechseljahren der Frau).
Ergebnisse
"Bereits vor Beginn jeder Krebstherapie fanden sich bei ungefähr einem Drittel unserer Patientinnen auffallend schlechte kognitive Testergebnisse", berichtet Dr. Hermelink, eine Leiterin der Studie. Bei wiederholten Tests gegen Ende der Chemotherapie zeigte sich bei 27 Prozent der Frauen überwiegend eine Verschlechterung der Ergebnisse, 28 Prozent erzielten jedoch bessere Ergebnisse.
"Wir schließen daraus, dass es andere Faktoren geben muss, die schon vor Beginn der Therapie zu einer Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit führen. Diese Faktoren üben bei einem Teil der Patientinnen während der Behandlung weiterhin Einfluss aus, während sich andere Patientinnen bereits wieder davon erholen.", so Hermelinks Schlussfolgerung.
Auch eine Antiöstrogen-Therapie zeigte keine negative Wirkung auf die kognitiven Fähigkeiten der Patientinnen. Die vorzeitige Menopause hatte bei einem kleinen Teil der Tests sogar einen positiven Einfluss.
Zusammenfassend heißt das, dass eine kognitive Beeinträchtigung bereits nach der Diagnose und vor Beginn der Therapie besteht. Eine zusätzliche Schädigung durch die Chemotherapie kann durch die Studie zwar nicht ausgeschlossen werden, die Chemotherapie ist jedoch keinesfalls alleiniger Auslöser.
Fazit
"Wir können deshalb mit Sicherheit sagen, dass es andere Faktoren als eine Chemo- und Hormontherapie geben muss, die bei manchen Krebspatienten die kognitiven Fähigkeiten verschlechtern. …. Wir gehen davon aus, dass der Stress der Diagnose eine wichtige Rolle spielt. Schließlich kann er unter diesen Umständen wie ein Trauma wirken, was durch die Behandlung verstärkt werden kann.", meint Hermelink. Zukünftig soll dieser Sachverhalt genauer untersucht werden.
November 2008
Onkologie - Erhöhtes Brustkrebsrisiko durch Ernährung
Ein Wissenschaftlerteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke hat ein Ernährungsmuster identifiziert, das das Brustkrebsrisiko erhöht.
Die Daten, die die Wissenschaftler um Prof. Dr. Heiner Boeing jetzt in der Novemberausgabe der Fachzeitschrift British Journal of Nutrition* veröffentlicht haben, belegen Folgendes: Der erhöhte Verzehr von Butter, Margarine, verarbeitetem Fleisch und Fisch sowie ein zu geringer Brot- und Fruchtsaftkonsum können das Brustkrebsrisiko um das Zweifache erhöhen.
Bereits in den 80er Jahren deuteten Tier- und Humanstudien auf einen Zusammenhang zwischen erhöhter Fettaufnahme und Brustkrebsrisiko hin. Um zu überprüfen, ob dieser Zusammenhang tatsächlich besteht, werteten die Forscher die Daten von 15.351 Teilnehmerinnen der Potsdamer EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) mit einem neuen statistischen Ansatz aus. Im Zentrum des Interesses stand dabei zum einen die Frage, ob es ein an Fettsäuren abgeleitetes Ernährungsmuster gibt, das in einem direkten Zusammenhang mit dem Brustkrebsrisiko steht. Zum anderen wollten die Forscher wissen, ob die verschiedenen Fettsäurearten einen günstigen oder ungünstigen Effekt auf das Brustkrebsrisiko haben.
Die Studie
Die 1994 begonnene Potsdamer EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, d. h., die Studienteilnehmer wurden mittels Bevölkerungsstichprobe rekrutiert und litten zu Beginn der Studie nicht an der zu untersuchenden Krankheit. Die von Prof. Dr. Boeing geleitete Studie untersucht Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs und anderen chronischen Erkrankungen. Teilnehmer sind 27.548 Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren.
Das Ergebnis
In der Gruppe von Frauen, die gleichzeitig viel verarbeitetes Fleisch, Fisch, Butter oder andere tierische Fette sowie Margarine konsumierten, dafür aber wenig Brot und Fruchtsäfte, traten im Verlauf von 6 Jahren etwa doppelt so viele Brustkrebserkrankungen auf wie in der Vergleichsgrupe, die sich gegenteilig ernährten. Damit haben die Wissenschaftler ein Ernährungsmuster ausgemacht, das mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden ist. Ein positiver oder negativer Einfluss von gesättigten oder ungesättigten Fettsäuren war nicht erkennbar. Die beobachtete Risikobeziehung war unabhängig vom Körpergewicht der Frauen. Auch spielte es keine Rolle, ob sich die Frauen vor oder in der Menopause befanden oder eine Hormonersatztherapie bekamen.
„Dieser Befund bestätigt sowohl die älteren Daten als auch die erst kürzlich publizierten Befunde anderer prospektiver Studien. …. Auffällig ist auch, dass jüngste Studien auf günstige Effekte einer fettarmen Ernährung hinweisen“, konstatiert Prof. Dr. Boeing.
*British Journal of Nutrition: Schulz, M. et al., 2008, 100:942-946
Oktober 2008
Achtung krebserregende Fritten!
2002 wurde das erste Mal Alarm geschlagen. Damals rückte der Stoff Acrylamid in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit. Jetzt schrillen die Alarmglocken wieder. Diesmal heißt der Krebs erregende Feind Glycidamid und ist noch weit gefährlicher.
2002 wurde das erste Mal Alarm geschlagen. Damals rückte der Stoff Acrylamid in den Brennpunkt der Aufmerksamkeit. Jetzt schrillen die Alarmglocken wieder. Diesmal heißt der Krebs erregende Feind Glycidamid und ist noch weit gefährlicher.
Acrylamid entsteht beim Erhitzen von Lebensmitteln
Als bekannt wurde, dass Acrylamid gesundheitsschädlich ist, reagierte die Industrie prompt und verbesserte die Rezepturen und Herstellungsverfahren. So wurde der Acrylamid-Gehalt in Lebensmitteln reduziert. Außerdem stellte sich heraus, dass von den in Lebensmitteln enthaltenen Mengen Acrylamid kaum eine toxische Wirkung ausgeht. Äußerst gefährlich hingegen ist Glycidamid, ein Stoff, der beim Abbau von Acrylamid in der Leber entsteht. Glycidamid löst Untersuchungen zufolge selbst in geringsten Mengen Mutationen in Säugetierzellen aus.
Schon länger bestand die Vermutung, dass Glycidamid nicht nur in der Leber, sondern auch beim Erhitzen im Lebensmittel selbst entsteht, allerdings fehlte der konkrete Nachweis. Den hat vor Kurzem ein Forscherteam der Technischen Universität München erbracht: Zehn verschiedene Sorten Kartoffelchips, drei Sorten vorgebackene und unter Haushaltsbedingungen hergestellte Pommes frites enthielten alle Glycidamid in Mengen von 0,3 bis 0,5 Mikrogramm/kg. Kartoffelprodukte enthalten viel Asparagin, die Grundsubstanz, aus der Acrylamid entsteht und damit auch Glycidamid. Acrylamid reagiert mit Teilen des Frittierfetts und mit Sauerstoff. Dabei bildet sich das als stark Krebs erregend eingestufte Glycidamid.
Gesättigte statt ungesättigte Fette
Damit aber nicht genug. Das Münchner Team machte eine weitere Besorgnis erregende Entdeckung: Kartoffelstücke, die in ungesättigtem Fett gebraten wurden, also in Ölsorten, die als wesentlich gesünder gelten als gesättigte Fette, enthielten deutlich mehr Glycidamid. Im Klartext heißt das: Sonnenblumenöl ist zum Frittieren ungeeignet, besser ist Kokosöl.
Maximaltemperatur 175°C
Außerdem sollte bei der Zubereitung von gebratenen oder frittierten Speisen auf die Temperatur geachtet werden. Acrylamid und Glycidamid entstehen erst bei Temperaturen ab 120°C, größere Mengen erst oberhalb von 180°C. Bei einer Frittiertemperatur von 175°C und kurzer Frittierzeit hält sich die Belastung durch Acrylamid nach derzeitigem Wissen jedoch in tolerierbaren Grenzen.
Verbesserung der Produktionsverfahren
In Sachen Acrylamid hat die Industrie bereits reagiert und auch im Hinblick auf den Anteil von Glycidamid in Lebensmitteln ist Besserung in Aussicht: Mit Hochdruck arbeiten die Wissenschaftler daran, das derzeitige Nachweisverfahren so zu perfektionieren, dass es selbst in einfachen Handelslaboren durchgeführt werden kann. Damit wäre die Industrie in der Lage, durch Verfahrensverbesserungen bei der Produktion zukünftig auch dem Krankmacher Glycidamid Paroli zu bieten.
September 2008
Onkologie - Wiederholte Bestrahlung ist möglich
Lange Zeit galt: Die Strahlentherapie kann bei Krebserkrankungen nur einmal zum Einsatz kommen. Langzeitstudien haben jedoch gezeigt: Wiederholte Bestrahlung ist ohne gehäufte Nebenwirkungen möglich.
Die Strahlentherapie ist ein fester Bestandteil der Behandlung vieler Krebserkrankungen. Bisher galt, dass sie nur einmal durchgeführt werden darf. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) ist dieser Grundsatz jedoch nicht länger haltbar. Langzeitstudien zeigen, dass dasselbe Organ durchaus wiederholt bestrahlt werden kann. Denn dank moderner Technik sind in den letzten Jahren die Bestrahlungsgeräte so verbessert worden, dass Nebenwirkungen in wesentlich kleinerem Umfang auftreten als früher.
„Moderne Geräte ermöglichen eine punktgenaue, sogenannte stereotaktische Bestrahlung. Die Strahler rotieren während der Behandlung um den Körper des Patienten. Sie fokussieren die Strahlung besser als bisher auf den Tumor. Umliegendes Gewebe bleibt weitgehend geschont“, erklärt Professor Dr. med. Volker Budach, Präsident der DEGRO und Chefarzt an der Klinik für Strahlentherapie der Berliner Charité.
Besonders schonend ist die sogenannte Brachytherapie. Dabei wird eine Strahlenquelle für eine bestimmte Zeit in den Körper eingeführt, entweder direkt in den Tumor, in dessen Nähe oder nach der Entfernung ins Tumorbett. So wird das gesunde Gewebe geschont und Nebenwirkungen minimiert. Auch die Aufteilung der Strahlendosis auf mehrere Tage oder Wochen vermindert mögliche Nebenwirkungen.
Bei Hirn- und Kopf-Hals-Tumoren, aber auch bei Brust-, Lungen- und Prostatakrebs ist der Erfolg einer wiederholten Strahlentherapie inzwischen belegt. Aber es gibt Grenzen. Dazu meint Prof. Budach: „Natürlich lassen sich die gleichen Körperteile nicht unbegrenzt bestrahlen. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass sich viele Zellen von einer Erstbestrahlung erholen.“ In dem Fall können Ärzte nach Monaten oder Jahren eine weitere Strahlentherapie durchführen.
Eine wiederholte Bestrahlung wäre beispielsweise dann wichtig, wenn Patienten nach einer überstandenen Krebserkrankung erneut einen Tumor entwickeln. Die Re-Bestrahlung könnte die Lebensqualität dieser Patienten verbessern bzw. das Leben verlängern.
„Ein absolutes Verbot einer erneuten Bestrahlung würde diesen Menschen eine Therapie vorenthalten“, so Budach.
September 2008
Onkologie - Drei Pikser gegen Krebs - hohe Akzeptanz von Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs
Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald hat gezeigt: Die Mehrzahl junger Frauen aus Mecklenburg-Vorpommern lässt sich gegen Humane Papillomviren (HPV) impfen, also gegen jene Viren, die Gebärmutterhalskrebs verursachen.
Für die Untersuchung des Instituts für Politik- und Kommunikationswissenschaft der Uni Greifswald wurden in Mecklenburg-Vorpommern 760 Frauen im Alter zwischen 14 und 65 Jahren befragt. Im Brennpunkt des Interesses standen dabei die Einstellung, das Wissen und das Verhalten der befragten Frauen bezüglich der Vorbeugung vor Gebärmutterhalskrebs.
Drei Ergebnisse der Untersuchung sind besonders interessant:
- Zum Zeitpunkt der Erhebung im Februar 2008 waren bereits 68 Prozent der Befragten im Alter von 14–17 Jahren gegen HPV geimpft.
- Zwei Drittel der älteren Frauen, die die Impfung für sich selbst nicht in Betracht ziehen, würden aber ihre Töchter auf jeden Fall impfen lassen. Das spricht dafür, dass die Mehrheit der befragten Frauen vom Nutzen der Impfung überzeugt ist.
- Die Kenntnisse der Befragten über die Infektion mit HPV als Ursache für Gebärmutterhalskrebs sind mangelhaft. Genauso schlecht steht es um das Wissen zu Übertragung und Schutz gegen HPV.
Viele Frauen entscheiden sich also für diese Impfung, wissen aber kaum etwas über den Zusammenhang von HPV und Gebärmutterhalskrebs. Sie lassen sich impfen, ohne zu wissen, wie und warum die Impfung schützt.
Diese Wissenslücke wollen wir schließen und im Folgenden das Thema HPV und Gebärmutterhalskrebs näher beleuchten.
Humane Papillomviren (HPV) und Gebärmutterhalskrebs
HPV-Viren sind die sexuell am häufigsten übertragenen Viren der Welt. Von den rund 120 bisher bekannten HPV-Typen befallen etwa 40 die Geschlechtsorgane. Einige davon führen nur zu gutartigen Feigwarzen, andere dagegen können zur Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beitragen.
Nahezu jeder Erwachsene hatte schon einmal eine HPV-Infektion, ohne es zu bemerken. In der Regel siegt das Immunsystem und die Infektion heilt bei den meisten Frauen ohne Therapie und ohne Folgen aus. Ungefähr 10 % der Erkrankten allerdings bleiben dauerhaft infiziert. Sie können Zellveränderungen entwickeln, die aber nur in ca. zwei bis drei Prozent der Fälle zu Gebärmutterhalskrebs führen.
Medikamente gegen eine bestehende Infektion mit HPV gibt es leider noch nicht, möglich sind lediglich Vorbeugemaßnahmen gegen eine Ansteckung und die Impfung im Vorfeld.
Weitere Faktoren, die Gebärmutterhalskrebs durch HPV begünstigen
Wie Untersuchungen ergeben haben, steigern bestimmte Faktoren das Risiko der Krebsentstehung durch HPV:
- Rauchen
- die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel (Pille)
- ein geschwächtes Immunsystem (z. B. durch HIV oder durch bestimmte Medikamente)
- Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erregern (z. B. Chlamydien oder Herpes-Simplex-Viren)
- eine hohe Geburtenzahl (so besteht bei Frauen mit sieben und mehr Geburten ein vier Mal höheres Krebsrisiko als bei Frauen, die noch nie entbunden haben).
Übertragung von HPV
Die verschiedenen HPV-Typen befallen jeweils unterschiedliche Körperregionen. Mit anderen Worten, Erreger, die Hand- und Fußwarzen hervorrufen, führen im Geschlechtsbereich nicht zur Warzenbildung und umgekehrt. Eine Ansteckung mit genitalen humanen Papillomviren findet hauptsächlich durch Geschlechts- und Analverkehr statt. Nicht eindeutig geklärt ist bislang, ob der Erreger auch auf nicht-sexuellem Weg übertragen werden kann, z. B. durch verunreinigte Toiletten, Handtücher oder Seife. Nach aktuellem Wissensstand werden die Viren nicht über Körperflüssigkeiten, sondern durch Hautkontakt übertragen.
Schutz gegen HPV
Der Gebrauch von Kondomen reduziert das Übertragungsrisiko der HPV-Viren, bietet aber leider keinen zuverlässigen Schutz. Denn Kondome bedecken oft nicht die gesamte infizierte Hautpartie. Trotzdem ist der Einsatz von Kondomen sinnvoll, denn Untersuchungen haben gezeigt, dass durch den Gebrauch von Kondomen Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals schneller abheilen.
Der sicherste Schutz gegen eine HPV-Infektion ist also sexuelle Enthaltsamkeit oder die monogame Beziehung mit einem gesunden Partner.
Junge Frauen können sich jedoch vorbeugend gegen HPV impfen lassen.
Impfung gegen HPV
In mehr als 70 von 100 Fällen, in denen HPV-Viren zu Gebärmutterhalskrebs oder zur Krebsvorstufe geführt haben, war dies auf die Erregertypen HPV 16 und HPV 18 zurückzuführen. Aus diesem Grund wird gegen diese beiden häufigsten Erreger geimpft.
Die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut empfiehlt seit 2007, dass sich Mädchen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr impfen lassen sollen. In diesem Fall übernimmt die Krankenkasse die Kosten der Impfung. Natürlich können sich auch Frauen impfen lassen, die älter als 17 Jahre sind. Allerdings müssen sie dann die Impfung in der Regel aus eigener Tasche zahlen.
Die komplette HPV-Impfung besteht aus drei Einzeldosen, die innerhalb eines halben Jahres verabreicht werden. Die Kosten für eine komplette Impfung betragen in Deutschland etwa 480 Euro. Zurzeit stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung, Gardasil® und Cervarix®.
Ob für Sie eine Impfung in Betracht kommt, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt.
Nebenwirkung
Die Hersteller nennen als sehr häufige Nebenwirkung Schmerzen, Rötungen, Schwellungen, Juckreiz und Blutungen an der Impfstelle. Häufig tritt Fieber auf.
Auf jeden Fall zur Krebsvorsorge
Auf jeden Fall sollten alle Frauen regelmäßig zur Krebsvorsorgeuntersuchung gehen. Das gilt ohne Wenn und Aber auch für Frauen, die gegen HPV geimpft sind. Die Impfung schützt zwar vor den beiden häufigsten krebsauslösenden HPV-Typen, aber natürlich gibt es auch andere Virustypen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können.
Im Klartext heißt das: Die Impfung gegen HPV minimiert zwar das Risiko, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, aber ein Restrisiko bleibt immer bestehen.
Impfung nicht unumstritten
Zwar empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut die Impfung gegen HPV, allerdings ist diese auch umstritten. Von verschiedener Seite werden gegen eine flächendeckende Impfung junger Frauen folgende Argumente ins Feld geführt:
Weil bislang keine ausreichenden Beobachtungen und Ergebnisse vorliegen, ist noch immer unklar, welche Langzeitwirkungen durch die Impfung zu erwarten sind und wie lange der Impfschutz überhaupt anhält. Die Probanden wurden bislang lediglich über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg beobachtet.
Darüber hinaus wird bemängelt, dass die Patientinnen vor der Impfung nicht auf eine bereits vorliegende HPV-Infektion untersucht werden. Außerdem steht der Impfstoff im Verdacht, starke Nebenwirkungen hervorzurufen.
Und schließlich weisen die Kritiker immer wieder auf das problematische Kosten-Nutzen-Verhältnis der Behandlung hin. Die Impfung ist ausgesprochen kostspielig, die Dauer des Impfschutzes jedoch unbekannt und der Schutz vor Gebärmutterhalskrebs selbst beschränkt sich auf die Erreger HPV 16 und HPV 18. Da es aber noch andere krebsauslösende Erreger gibt, sind trotz Impfung weiterhin Vorsorgeuntersuchungen notwendig. Sie allein können das Risiko einer Gebärmutterhalskrebserkrankung um 90-95 % reduzieren.
Vor diesem Hintergrund stellt sich für Viele ganz konkret die Frage, ob diese Impfung tatsächlich Sinn macht.
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.frauenaerzte-im-netz.de
www.krebsinformationsdienst.de
www.individuelle-impfentscheide.de
www.gebaermutterhalskrebs.com
www.emea.europa.eu
www.rki.de
August 2008
Onkologie - Methadon gegen Leukämie
Bisher war Methadon vornehmlich als Mittel gegen körperliche Entzugserscheinungen bei Heroinabhängigkeit bekannt. Jetzt hat sich gezeigt, dass Methadon – ein vollsynthetisch hergestelltes Opioid - noch eine ganz andere Wirkung hat: Es tötet Leukämiezellen.
Wissenschaftler des Universitätsklinikums Ulm haben damit einen ganz neuen Ansatz in der Krebstherapie gefunden. Das Team um Dr. Friesen vom Institut für Rechtsmedizin hat in einer Studie belegt, dass Methadon zum Absterben von Leukämiezellen führt - und zwar sehr effektiv: Methadon wirkt sogar bei Zellen, die gegen Chemotherapien und Bestrahlungen resistent sind.
„Die Studienergebnisse eröffnen Chancen auf neue Therapien für Leukämiepatienten, bei denen Behandlungen durch Chemotherapie und Bestrahlung nicht erfolgreich waren“, so die Studienleiterin Dr. Claudia Friesen.
Ergebnisse der Studie
Die Ulmer Studie, die auch in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachblatts „Cancer Research“ veröffentlicht wurde, ist die erste, die die Wirkung von Methadon auf Leukämiezellen untersucht hat.
Im Rahmen der Studie wurden Leukämiezellen im Labor mit verschiedenen Konzentrationen von Methadon behandelt. Es zeigte sich, dass eine kurzfristige hohe Dosierung eine ähnlich positive Wirkung hatte wie eine langfristige niedrige.
Methadon bindet sich ausschließlich an Leukämiezellen, die auf ihrer Oberfläche entsprechende Rezeptoren besitzen. In der erkrankten Blutzelle selbst hemmt Methadon dann einerseits die weitere Teilung und so die Vermehrung der Krebszellen, andererseits aktiviert es den Signalweg, über den die Zelle den Befehl zum Absterben erhält. Das Entscheidende dabei ist: Die gesunden Blutzellen werden nicht angegriffen.
Künftig werden allerdings noch weitere Versuchsreihen nötig sein, bevor konkrete Therapien entwickelt werden können. Außerdem gilt zu klären, ob Methadon auch bei anderen Krebsarten ähnlich gut wirkt.
Weitere Informationen:
Cancer Research Vol. 68, 6059-6064, August 2008
http://www.aacr.org/home/search.aspx?s=friesen
http://www.uniklinik-ulm.de -
August 2008
Onkologie - Neue Therapie bei Brustkrebs
Die radikale Entfernung der gesamten Brust gehört für Frauen mit Brustkrebs eher der Vergangenheit an. Heute versuchen spezialisierte Operateure die Brust weit gehend zu erhalten. Ein neues Therapieverfahren macht jetzt möglicherweise sogar die anschließenden Bestrahlungen überflüssig.
Das Universitätsklinikum Saarland in Homburg hat kürzlich ein ganz neues Therapieverfahren bei Brustkrebs etabliert. Dabei wird im Operationssaal das Tumorbett nach Entfernung des Tumors mit einem neuen Gerät schon während der Operation bestrahlt.
Zwölf Patientinnen wurden bereits mit dem neuen Verfahren, der sogenannten Teilbrustbestrahlung, behandelt, weitere sollen folgen. Dieser neue Therapieansatz kommt im Rahmen einer großen internationalen Studie namens TARGIT (targeted intra-operative radiation therapy) zur Anwendung. In Deutschland allein sind an der Studie insgesamt 11 Zentren beteiligt, die europäische Leitung befindet sich in London.
Das Therapieverfahren
Die Therapie wird mit einem während der Operation einsetzbaren Bestrahlungsgerät, dem Intrabeam®, durchgeführt und ist für Patientinnen mit kleinen Mammakarzinomen geeignet.
Im Operationssaal wird nach der Entfernung des Tumors ein Kugelapplikator, der eine Röntgenquelle enthält, in das Tumorbett eingeführt. Bestrahlt wird dann zielsicher genau die Region mit dem höchsten Risiko für ein lokales Wiederauftreten des Brustkrebses. Auf diese Weise werden das umliegende Gewebe und die Haut geschont.
Darüber hinaus deuten erste wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass bei dieser Therapieform die sonst übliche anschließende Bestrahlung möglicherweise nicht mehr nötig ist.
Sollte sich das neue Verfahren durchsetzen, hätte das große Vorteile: Bei dem neuen Therapieverfahren ist die Gesamttherapiezeit deutlich kürzer und es treten weniger Nebenwirkungen auf.
Juli 2008
Onkologie - Naturstoff gegen Krebs entdeckt
Ein deutsches Forscherteam der Leibniz-Universität Hannover (LUH), der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig hat einen Naturstoff entdeckt, der Krebswucherungen zerstört. Argyrin heißt er und die Forschungsergebnisse klingen sehr vielversprechend.
Nach wie vor ist die wirksame Behandlung vieler Krebserkrankungen in der Medizin ein Problem. Zahlreiche Tumore sprechen auf die gängigen Chemotherapeutika nicht an oder werden gegen Medikamente resistent.
Jetzt ruht die Hoffnung auf dem Naturstoff Argyrin. Denn bei der Behandlung krebskranker Mäuse haben die Forscher, Prof. Nisar Malek und Prof. Markus Kalesse und Dr. Frank eine aufregende Entdeckung gemacht:
Der Tumor stellt das Wachstum ein, er schrumpft um bis zu 50 Prozent und sein Inneres beginnt sich aufzulösen – scheinbar ohne Nebenwirkungen.
Die Suche nach der richtigen Substanz
Grundlage für den wissenschaftlichen Durchbruch war eine Beobachtung des Mediziners Prof.Nisar Malek der MHH. Er untersucht seit einiger Zeit die Rolle eines speziellen Proteins bei der Krebsentstehung, des so genannten Cyclin-Kinase-Hemmers. Dabei hat Malek festgestellt, dass Mäuse ein geringeres Risiko haben, an Darmkrebs zu erkranken, wenn bei ihnen der Abbau des Kinase-Hemmers unterdrückt wird.
"Ich brauchte also eine Substanz, die den Abbau des von mir untersuchten Proteins in den Krebszellen verhindert. Diese wäre mit großer Wahrscheinlichkeit ein gutes Krebsmedikament", schlussfolgerte Malek.
Bei ihrer Suche stießen Malek und der LUH-Chemiker Prof. Markus Kalesse auf den Naturstoff Argyrin. Argyrin ist eine Substanz, die im Boden lebende Mikroorganismen, sogenannte Myxobakterien, produzieren. Myxobakterien gelten schon seit längerem als potenzielle Medikamenten-Lieferanten. Ein Produkt der Myxobakterien, Epothilon, ist in den USA bereits seit dem Vorjahr als Krebsmedikament zugelassen.
Die Wirkung von Argyrin
Anschließend starteten die Wissenschaftler ein umfangreiches Forschungsprogramm, um herauszufinden, wie der Wirkmechanismus von Argyrin funktioniert, und ob Argyrin auch chemisch hergestellt werden könne. Dabei stießen sie auf einen völlig neuen Mechanismus, den Malek wie folgt beschreibt:
"Argyrin blockiert die molekulare Maschinerie der Zelle, mit der sie Proteine abbaut, die nicht mehr benötigt werden, und damit natürlich auch den Abbau des fraglichen Kinase-Hemmers, dessen Fehlen Krebserkrankungen auslöst."
Klinische Prüfung folgt
Die Ergebnisse der Forschung sind kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift "CancerCell", Ausgabe 2008 14, veröffentlicht worden.
Schon mal nicht schlecht. Aber die Forscher betrachten die Veröffentlichung lediglich als Etappenziel. Für sie gilt es in Zukunft herauszufinden, wie Argyrin auf den Metabolismus anderer Lebewesen wirkt, und ob es eventuell Unverträglichkeiten gibt. Außerdem versuchen die Forscher, die Wirkung des Argyrin-Moleküls noch zu verbessern. "Solch eine optimierte Struktur wollen wir bald in die klinische Prüfung bringen", verkündet Prof. Kalesse zuversichtlich.
Juni 2008
Onkologie - Thalidomid: Fluch und Segen
Der Contergan-Wirkstoff Thalidomid ist zur Verbesserung von Chemotherapien wieder zugelassen ...
Vor rund 50 Jahren war der Contergan-Wirkstoff Thalidomid schuld
daran, dass tausende Kinder mit Missbildungen zur Welt kamen.
Die Hälfte von ihnen ist bereits gestorben. Einst als harmloses Schlafmittel beworben, wurde Contergan 1961 nach Bekanntwerden der furchtbaren Nebenwirkungen vom Markt genommen. Jetzt ist Thalidomid wieder auf dem Markt – gründlich erforscht und mit anderer medizinischer Bestimmung.
Zulassung von Thalidomid gegen das Multiple Myelom
Am 21. April dieses Jahres hat die EU Thalidomid wieder zugelassen - zur Behandlung des Multiplen Myeloms, einer bösartigen Erkrankung des Knochenmarks, bei der Plasmazellen entarten. Diese Krankheit betrifft überwiegend ältere Menschen. Bisher wurde das Multiple Myelom mit den Arzneimitteln Melphalan und Prednison behandelt. Eine Studie (s.u.) hatte jedoch gezeigt, dass die Chemotherapie erfolgreicher verläuft, wenn die Patienten zusätzlich Thalidomid erhalten.
So darf Thalidomid ab sofort als Kombinationstherapie mit Melphalan und Prednison nicht vorbehandelten Patienten ab 65 Jahren verabreicht werden, die an Multiplen Myelom leiden und bei denen eine hoch dosierte Chemotherapie nicht in Betracht kommt.
Renaissance von Thalidomid
Schon kurz nachdem das Schlafmittel Contergan damals vom Markt genommen wurde, kehrte dessen Wirkstoff Thalidomid zurück.
Thalidomid ist entzündungs- und tumorhemmend und vermindert die Neubildung von Gefäßen. Die Substanz wirkt da, wo andere Medikamente nichts mehr ausrichten können.
Bereits 1964 entdeckte ein israelischer Arzt zufällig die Wirksamkeit der Substanz gegen die Lepra. 2001 wurde Thalidomid als „Arzneimittel für seltene Leiden“ ausgewiesen und in das entsprechende EU-Gemeinschaftsregister eingetragen. In den USA ist Thalidomid schon seit 2006 zur Behandlung des Multiplen Myeloms zugelassen.
Heute wird Thalidomid weltweit gegen Lepra, Haut- und Autoimmun-erkrankungen, Aids und Krebs eingesetzt.
Studie beweist längere Überlebenszeit
Am Universitätsklinikum in Lille teilte der Studienleiter Thierry Facon 447 Myelom-Kranke zwischen 65 und 75 Jahren, die bisher unbehandelt waren, nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen.
Gruppe 1:
125 Probanden erhielten eine Chemotherapie mit der Kombination aus den drei Wirkstoffen Melphalan, Prednison und Thalidomid.
Gruppe 2:
195 erkrankte Patienten erhielten nur Melphalan und Prednison.
Gruppe 3:
126 Versuchsteilnehmer erhielten eine Stammzell-Transplantation und zusätzlich Melphalan.
Die Patienten wurden im Durchschnitt 51,5 Monate beobachtet.
Es zeigte sich, dass die Teilnehmer der Gruppe 2 mit durchschnittlich 33,2 Monaten die kürzeste Überlebensrate hatten, gefolgt von Gruppe 3 mit 38,3 Monaten. Am höchsten war die Überlebensrate bei Gruppe 1, bei der die Chemotherapie durch Thalidomid verstärkt worden war. Sie lag bei 51,6 Monaten.
Bereits eine einzige Kapsel kann Fehlbildungen verursachen
Auch wenn inzwischen der Wirkstoff Thalidomid nicht mehr nur als Horrorarznei gesehen werden kann, die Nebenwirkungen sind dieselben wie damals. Deshalb hat sich das herstellende Unternehmen Celgene zu strengen Sicherheitsmaßnahmen verpflichtet. Dazu gehört auch, dass das Präparat nicht an Frauen im gebärfähigen Alter abgegeben werden darf. Sollte dies unumgänglich sein, muss sich die Patientin verpflichten, mit zwei verschiedenen Methoden gleichzeitig zu verhüten. Darüber hinaus führt Celgene in jedem EU-Mitgliedstaat ein Schwangerschafts-Präventions-Programm durch.
Contergan-Geschädigte betrachten den Einsatz von Thalidomid jedoch nach wie vor mit gemischten Gefühlen. Überall dort, wo das Medikament eingesetzt wird, kann es zu neuen Fällen von Fehlbildungen kommen, so das Argument. Und das ist nicht von der Hand zu weisen ist. In Brasilien beispielsweise, wo viele Analphabeten leben und Thalidomid zur Behandlung der Lepra eingesetzt wird, sind erneut Kinder mit Fehlbildungen geboren worden. Der Grund: Viele junge Frauen deuteten die Bildsymbole auf der Verpackung falsch. Die Abbildung zeigte einen durchgestrichenen Körper einer schwangeren Frau. Die Frauen gingen fatalerweise davon aus, dass es sich bei dem Präparat um ein Verhütungs- oder Abtreibungsmittel handelte.
Bei auftretenden Fragen zu dem Wirkstoff Thalidomid wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder an uns. Wir beraten Sie gern.
Juni 2008
Onkologie - Wichtig bei Chemotherapie: Mucositis-Prophylaxe
Patienten, die mit einer Chemotherapie behandelt werden, wollen wissen, was sie tun können, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden, zu lindern oder sie wieder los zu werden …
Die BerlinApotheke ist onkologische Schwerpunkt-Apotheke und betreut und berät Patienten unter Chemotherapie. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Patienten, die mit einer Chemotherapie behandelt werden, wissen wollen, was sie tun können, um unerwünschte Nebenwirkungen zu vermeiden, zu lindern oder sie wieder los zu werden.
Eine der häufigsten Nebenwirkungen ist die Mucositis – eine unangenehme Entzündung der Mundschleimhaut. Sie wird von einigen chemotherapeutischen Wirkstoffen ausgelöst oder tritt als Folge von Bestrahlungen besonders im Kopf- und Halsbereich auf.
Es gibt jedoch eine Reihe vorbeugender Maßnahmen, um das Risiko für eine Mucositis zu senken. Diese lassen sich problemlos im Alltag umsetzen. Dazu gehören:
- regelmäßige Mundhygiene
Besonders unter einer Chemotherapie sollten Sie auf Ihre Mundhygiene achten. 30 Minuten nach jedem Essen, mindestens aber alle 4 Stunden sollte eine Mundpflege sorgfältig durchgeführt werden. - schonende Zahnreinigung
Verwenden Sie ausschließlich weiche Zahnbürsten.
Falls Ihr Zahnfleisch zu empfindlich ist, säubern Sie die Zähne mit Wattestäbchen.
Das Reinigen der Zahnzwischenräume empfiehlt sich nur, wenn dabei keine Blutungen auftreten. Benutzen Sie dazu ungewachste Zahnseide und führen Sie die Reinigung zweimal täglich durch.
Empfehlenswert sind Mundspüllösungen, die keinen Alkohol enthalten, wie zum Beispiel Meridol® Mundspüllösung. Alkohol trocknet die Schleimhäute zusätzlich aus und reizt sie.
Zahnprothesen sollten gut angepasst sein, möglichst nur zum Essen getragen werden und mit verdünnter Wasserstoffperoxidlösung (3%) gereinigt werden.
- intensive Mundpflege
Untersuchen Sie täglich Ihre Mundhöhle vor dem Spiegel. Nehmen Sie dazu einen Löffelstiel und eine Taschenlampe zu Hilfe. Wichtig ist, die Schleimhäute vor dem Austrocknen zu schützen. Zur Pflege bei trockenen oder eingerissenen Lippen setzen Sie am besten reichhaltige Fettstifte ein. Sind die Mundschleimhäute sehr trocken, haben sich zuckerfreie Lutschbonbons bewährt, deren säuerlicher Geschmack den Speichelfluss anregt. Auch Kaugummi kauen und häufiges Trinken von kleinen Flüssigkeitsmengen - am besten Zitronen- oder Pfefferminztee oder Zitronenlimonade - fördern den Speichelfluss. Stark saure oder kohlensäurehaltige Getränke aber auch scharf gewürzte Speisen können die empfindliche Mundschleimhaut unter Umständen zusätzlich angreifen. - Kältetherapie
Bei einigen wenigen Chemotherapien empfiehlt es sich, schon während der Verabreichung der Infusion oder Spritze Eiswürfel zu lutschen, bevorzugt aus Ananassaft. - Schmerzen und Entzündungen lindern
Kleinere betroffene Stellen können mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Salben oder speziellen Mundspüllösungen behandelt werden.
Sind die Schmerzen so groß, dass Sie nicht mehr essen können, steht eine Reihe von Schmerzmitteln zur Verfügung, die Ihr Arzt für Sie auswählt.
Sollten Entzündungen der Mundschleimhaut auftreten, setzen Sie sich möglichst zeitnah mit Ihrem Arzt in Verbindung. Großflächigere Entzündungen können zusätzlich von Bakterien oder Pilzen befallen werden, die therapiert werden müssen.
Hinweise bei Schleimhautproblemen
Ist Ihre Mundschleimhaut bereits angegriffen, beachten Sie bitte folgendes:
- Ernähren Sie sich ausgewogen und eiweißreich. Essen Sie viele Milchprodukte, denn sie schützen die Schleimhaut. Frischmilch sollten Sie allerdings wegen der Schleimbildung vermeiden. Gut geeignet sind Sauermilch, Sauermilchprodukte, Kefir und Sojadrinks.
- Bevorzugen Sie pürierte Kost und Suppen. Auch Säuglingsnahrung ist gut geeignet (meist säure- und natriumarm und püriert).
- Schneiden Sie feste Nahrung klein oder zerkleinern sie im Mixer. Feste Speisen durch Soßen, Mayonnaise oder milde Salatsoßen verfeinern.
- Trinken Sie mehrmals in der Stunde Wasser, Apfelsaft, Traubensaft oder Tee.
- Benutzen Sie einen Strohhalm.
Vermeiden Sie:
- kohlensäurehaltige Getränke
- sehr heiße und sehr kalte Speisen
- scharf Gewürztes, Saures, Hartes, Knuspriges oder grob Geschnittenes
- Lebensmittel, die am Gaumen kleben oder mit Dickungsmittel hergestellt sind
- säurehaltige Nahrungsmittel wie Obst mit hohem Fruchtsäuregehalt (z.B. Johannisbeeren, Orangen, Ananas, Grapefruit, Obstsäfte, Tomaten, Rhabarber, Früchtetee). Diese reizen die Schleimhäute.
- Alkohol
- Zigaretten o.ä.
Haben Sie Fragen zu diesem Thema?
Dann wenden Sie sich an uns. Wir sind gern für Sie da.
Juni 2008
"Marie": Hormonersatztherapie erhöht Brustkrebsrisiko auch in Deutschland
In Amerika ist schon lange Fakt, was jetzt auch in Deutschland bewiesen ist: Für Frauen, die mehr als fünf Jahre eine Hormonersatztherapie einnehmen, erhöht sich das Risiko an Brustkrebs zu erkranken.
Das belegt die Ende Mai veröffentlichte Studie "Marie" des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.
"Nehmen oder nahmen Sie Hormone ein? Wenn ja, welches Präparat und wie lange? Wann wurde die Therapie abgesetzt?"
Fragen, die 3.464 Brustkrebs-Patientinnen und 6.657 gesunde Frauen im Alter von 50 bis 74 für eine groß angelegte Untersuchung detailliert beantworteten. "Marie" hat die Auswirkungen von Hormonen, die gegen Wechseljahresbeschwerden eingenommen wurden, auf das Brustkrebsrisiko erfasst. Sechs Jahre hat die Untersuchung gedauert, jetzt liegen die Ergebnisse vor.
Ergebnisse der Studie "Marie":
- Frauen, die Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden eingenommen haben, tragen ein um 37 Prozent erhöhtes Risiko an Brustkrebs zu erkranken gegenüber Frauen, die nie eine Hormonersatztherapie angewandt haben.
- Direkt während der Zeit der Hormoneinnahme ist das Risiko sogar um 73 Prozent erhöht.
- Das Brustkrebsrisiko erhöht sich gegenüber "Nie-Anwenderinnen" nur, wenn die Hormone länger als fünf Jahre eingenommen werden.
- Innerhalb von fünf Jahren nach Absetzen der Therapie sinkt das Brustkrebsrisiko wieder auf das der "Nie-Anwenderinnen".
- Die Studie zeigt außerdem: Das Risiko an Brustkrebs zu erkranken ist bei einer Kombinationstherapie mit Östrogen und Gestagen wesentlich höher als bei einer Östrogen-Monotherapie.
Die Amerikaner hatten recht
Bereits in den Jahren 2002 und 2003 hatte sowohl eine amerikanische als auch eine britische Studie zu diesem Thema für Aufregung gesorgt. Deutschland blieb jedoch unbeeindruckt und viele deutsche Ärzte hielten unbeirrt an der Hormonersatztherapie fest. Mit dem Argument, die deutschen Verschreibungsgewohnheiten seien ganz andere als die in Amerika, wurden die Ergebnisse damals vom Tisch gewischt.
Wie "Marie" jetzt gezeigt hat, sind die deutschen Resultate denen der Amerikaner jedoch sehr ähnlich.
Dank "Marie" sollten sich nun auch bei uns die Therapieansätze ändern.
"Mit unseren neuen Daten geben wir den Ärzten in Deutschland solide Informationen an die Hand, um ihre Patientinnen über Nutzen und Risiken einer Hormonersatztherapie zu beraten.", konstatiert Prof. Dr. Jenny Chang-Claude vom Deutschen Krebsforschungszentrum.
April 2008
Durchfall - Diarrhoe
Wir sprechen von Durchfall – medizinisch Diarrhoe, wenn der Betroffene mehr als dreimal täglich Stuhl ungeformter Konsistenz abgibt, oft verbunden mit einem unkontrollierbaren Stuhldrang.
Verschiedene Ursachen
Durchfall kann von Viruserregern hervorgerufen werden, also die Auswirkung eines Magen-Darm-Infekts sein. Außerdem können Durchfälle durch die Unverträglichkeit von Milchzucker z.B. nach Magen- oder Darmoperationen oder durch eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse hervorgerufen werden.
Auch während einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung treten häufig Durchfälle als unangenehme Nebenwirkung auf.
Und - Durchfall kann die direkte Folge eines Tumors sein.
In schweren Fällen sollten Sie ihren Arzt aufsuchen. Blutiger Durchfall muss in jedem Fall vom Arzt differentialdiagnostisch abgeklärt werden.
Durchfall während einer Bestrahlung oder Chemotherapie
Bestrahlung oder Chemotherapie schädigen besonders die Zellen, die sich häufig teilen. Natürlich will man in erster Linie Krebszellen abtöten, aber bestimmte gesunde Zellen, wie z. B. die Schleimhautzellen im Darm werden ebenfalls geschädigt. Eine gesunde Darmschleimhaut und eine gesunde Darmflora aber sind die Voraussetzung für die Aufnahme von Nährstoffen und Flüssigkeit aus der Nahrung. Ist die Schleimhaut geschädigt, kommt es zu Durchfällen. Eiweiß, Fett, Kohlenhydrate, Mineralstoffe und Vitamine werden dann nur unvollständig verdaut und nicht ausreichend in den Körper aufgenommen.
Wie lange und wie stark der Durchfall ist, hängt von der Dosis und der Therapiedauer ab. Zwei bis drei Wochen nach Therapieende verschwinden die Symptome wieder. Auch Angst und die starke seelische Belastung während der Therapie können zu Durchfall führen.
Praktische Hinweise
Sie selbst können einiges tun, um die Beschwerden zu lindern, bzw. zu heilen.
- Trinken Sie viel Wasser (ohne Kohlensäure), schwach gesüßten Tee (Schwarztee über 4 Minuten ziehen lassen) oder klare Brühe. Günstig sind auch Sportlergetränke, die reich an Elektrolyten sind, denn mit dem Durchfall verliert der Körper Kalium und Magnesium. Versuchen Sie 2,5 bis 3 Liter pro Tag zu trinken.
- Nehmen Sie leichte, fettarme und stopfende Nahrungsmittel zu sich, wie beispielsweise geriebene Äpfel, zerdrückte Bananen, dunkle Schokolade, Kartoffeln oder Weißmehlprodukte. Gut geeignet sind auch gekochte Spargelspitzen, Rote Bete, grüne Bohnen, Möhren, Erbsen, Spinat und Zucchini, Reis, Haferschleim, Naturjoghurt, Magerquark, Fisch, Geflügel und Rinderhack (gebacken, gegart bis es ganz zart ist). Essen Sie häufig kleine Mahlzeiten – am besten fünf bis sechs pro Tag.
- Meiden Sie Säfte, Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol, Milch und gesäuerte Milchprodukte.
- Essen Sie kein Vollkornbrot, Müsli, Schweinefleisch, frisches oder getrocknetes Obst, rohes Gemüse, Popcorn, keine gebratene, fettreiche Nahrung, Nüsse, Oliven, Chips, Salzstangen, Zwiebeln, keine starken Gewürze und Kräuter, keinen Broccoli und keinen Kohl.
- Leichte Durchfälle können Sie mit der Einnahme des Wirkstoffes Loperamid selbst behandeln. Das Arzneimittel erhalten Sie rezeptfrei in der Apotheke. Zu Beginn der Behandlung von akuten Durchfällen sollten Erwachsene zwei Kapseln (4mg) einnehmen; dann nach jedem wässrigen Stuhl eine weitere Kapsel (2mg). Sie sollten die tägliche Dosis von sechs Kapseln (12mg) jedoch nicht überschreiten.
- Ist die Haut um den Darmausgang sehr gereizt, reinigen Sie sie nach jedem Stuhlgang mit warmem Seifenwasser. Auch warme Sitzbäder lindern die Beschwerden.
Bei anhaltenden Beschwerden informieren Sie ihren Arzt.
Dezember 2007
Haarausfall während einer Chemotherapie
Während einer Chemotherapie ist Haarausfall – in Fachkreisen Alopezie genannt - eine der häufigsten unerwünschten Behandlungsfolgen.
Die meisten Patienten empfinden Haarausfall als deutliche Beeinträchtigung ihres äußeren Erscheinungsbildes. Obwohl es sich bei der Alopezie während einer Chemotherapie lediglich um einen vorübergehenden Zustand handelt, kann das Selbstwertgefühl der Patienten stark beeinflusst werden. Oft liegt den Betroffenen sehr viel daran, dass ihre Erkrankung nicht für andere Menschen sofort sichtbar wird.
Es ist verständlich, dass das eigene Spiegelbild durch starken Haarverlust befremdlich wirken kann und sich Sorge und Angst durch die Alopezie einstellen. Daher hilft es vielen Patienten zu wissen, warum und wie lange Sie durch eine Chemotherapie unter Haarausfall leiden werden.
Hierzu haben wir Ihnen Antworten zu den drei wichtigsten Fragen bezüglich einer Alopezie zusammengestellt.
1. Warum fallen mir die Haare aus?
Der Haarausfall während einer Chemotherapie wird durch die verwendeten Arzneimittel (Zytostatika) ausgelöst. Zytostatika sind Medikamente, welche die Zellteilung und das Zellwachstum hemmen.
Die Zellteilung ist eine wichtige Grundlage für das Wachstum sämtlicher Körperzellen. Bei einer Zellteilung entstehen aus einer Zelle zwei neue identische Zellen. Der grundlegende Prozess dieses Vorgangs ist bereits in jeder normalen Zelle vorprogrammiert. Bei Krebszellen ist dieser Ablauf jedoch gestört. Diese Zellen teilen sich schnell und vollkommen unkontrolliert. Chemotherapien greifen in diesen Zellteilungsprozess ein und stören die Zellteilung - also den Wachstumsprozess- einer Krebszelle. Leider können Wirkstoffe einer Chemotherapie nicht zwischen dem Wachstum einer gesunden Zelle und dem Wachstum einer Krebszelle unterscheiden.
Chemotherapien greifen also hauptsächlich Zellen an, die sich häufig und schnell teilen. Genau das trifft auf die Haarzellen in der Wachstumsphase zu. Die Wachstumsphase der Haare wird abrupt abgebrochen und der Haarausfall setzt ein. In den überwiegenden Fällen sind nur die Kopfhaare vom Haarausfall betroffen. Aber auch andere Haare wie z.B. Schamhaare und Augenbrauen können durch bestimmte Arzneimittel vermehrt bis ganz ausfallen.
2. Ab wann fallen mir die Haare aus und wann wachsen sie wieder nach?
Nicht jede Chemotherapie führt zwangsläufig zu Haarausfall. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob ihre Therapie diese Nebenwirkung aufweisen kann. Abhängig von den verwendeten Arzneimitteln unter einer Chemotherapie, beginnen die Haare oft nach 2-3 Wochen auszufallen. Der Haarausfall kann sich in den folgenden 2 Monaten verstärken. In einigen Fällen können auch Augenbrauen, Brust- und Achselbehaarung sowie Schambehaarung vom Haarverlust betroffen sein.
Schon wenige Wochen nach Beendigung der Chemotherapie beginnt das Haar wieder zu wachsen.
Da diese Angaben jedoch nicht auf jeden Wirkstoff zutreffen, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen, inwiefern Sie von Alopezie in welchem Zeitraum betroffen sein können.
3. Was kann ich tun?
- Behandeln sie ihre Haare mit einem milden Shampoo und lassen Sie es an der Luft trocknen.
- Vermeiden sie äußere Einflüsse wie heiße Fönwärme, Haarsprays, Haarfärbemittel und Dauerwellen.
- Für Patienten mit längerem Haar ist es oft einfacher, wenn sie sich zu Beginn der Therapie für einen Kurzhaarschnitt entscheiden. So ist der Übergang zum Tragen einer Perücke fließender.
- Hüte, Tücher und Mützen schützen Ihre empfindliche Kopfhaut, sowohl im Sommer vor einem Sonnenbrand als auch im Winter vor Kälte.
- Die Kosten für das Anfertigen einer Perücke übernimmt Ihre Krankenkasse für Sie. Ein entsprechendes Rezept und Kontaktadressen von verschieden Perückenherstellern erhalten Sie in Ihrer Arztpraxis.
- Eine kosmetische Beratung erleichtert es Ihnen, einen möglichen Verlust von Augenbrauen und Wimpern mit verschiedenen Tricks auszugleichen
Das Ausmaß einer eventuellen Alopezie hängt von der verordneten Therapie ab.
Deshalb sollten Sie sich unbedingt persönlich von ihrem Arzt oder Apotheker beraten lassen.
